Kunstgeschichte (Open Peer Reviewed Journal, Universität Regensburg)
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Kunst und Krise. Künstlerische Ansätze in der interkonnektiven ‚Weltkrise‘
Der Begriff ‚Krise‘ ist allgegenwärtig im zeitgenössischen Diskurs. Mit der Interpretation von Geschehnissen als krisenhaft ist es möglich, dass bestimmte Bezugspunkte und Handlungsoptionen verschlossen werden, da die Krise zum Platzhalter für heterogene Prozesse wird. Inmitten der Interkonnektivität des ubiquitären Krisengeschehens können künstlerische Ansätze eine erkenntnisbereichernde Funktion einnehmen, da sie Verbindungslinien ziehen, die sonst in voneinander getrennten Krisen verbleiben würden. In diesem Aufsatz wird zur Untersuchung dessen eine recherchebasierte Arbeit des britischen Kollektivs Forensic Architecture herangezogen, die eine Vielzahl von Krisen und ihre Vernetzungen in der neuen Erdepoche des Anthropozäns offenlegt
Between Abstract and Figurative Art. Neo Rauch’s Pictorial Style before and after the Peaceful Revolution of 1989: A Question of Authenticity?
A phenomenon of contemporary art history that has received scant attention to date is the authentication and de-authentication by an artist of his own early work. The best-known case of the attempt by an artist to define his own oeuvre, and to bracket out works that are immature, of dubious quality or otherwise unwanted, is that of German star painter Gerhard Richter. With a few exceptions, Richter recognizes as authentic only those works that he produced from around 1962 onwards, i.e. the year after his flight from the former German Democratic Republic (GDR) to the Federal Republic of Germany (FRG). A similar de-authentication of parts of his early oeuvre can also be observed in the case of Neo Rauch, who may be counted as one of the most successful worldwide among the contemporary artists of his generation
„Öffnet die Tore!“ Caravaggios Enthauptung Johannes des Täufers in neuer Deutung
Der folgende Aufsatz will eine neue Deutung der Ikonografie von Caravaggios Enthauptung Johannes des Täufers vorschlagen, die aus dem anschaulichen Sachverhalt des Bildes heraus entwickelt wird. Der biografische Kontext, in dem es entstanden ist, wurde in der Forschung bereits ausführlich erläutert und steht hier nicht erneut zur Debatte. Es sollen vielmehr weitere Bausteine zur ikonografischen Forschung geleistet und damit eine neue Diskussion eröffnet werden. Die Neuinterpretation setzt an der blutigen Signatur an, die bisher im Zentrum aller Deutung stand, ohne jedoch, dass sie jemals im Zusammenhang des konkret im Bild zu Sehenden betrachtet worden wäre
Die Schreckensbilder des Georg Gelbke. Ein Künstler des Kaiserreichs zeichnet den Ersten Weltkrieg
Der Aufsatz beschäftigt sich mit dem Dresdner Künstler Georg Gelbke (Rochlitz/Sachsen 1882–1947 Dresden) und seinen kaum bekannten Schreckensbildern über den Ersten Weltkrieg. Im Zentrum stehen die beiden Lithografie-Zyklen Der Tod im Kriege (1915) und Mich schaudert dieses Krieges! Ein Beitrag zur Kulturkritik (1916) sowie der biographische und historische Kontext ihrer Entstehung. Es wird in der Literatur die These vertreten, Gelbke hätte schonungslos die Kriegsgräuel gestaltet und sich lange vor Otto Dix kompromisslos mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Diese Untersuchung zeigt, dass der Vergleich nicht nur ungerechtfertigt ist, sondern auch wesentliche Unterschiede zwischen den Kriegsbildern beider Künstler übersieht. Anders als Dix erlebte Gelbke den Krieg nie aus eigener Anschauung, war nicht als Soldat an der Front. Dennoch gehört er zu den ersten deutschen Künstlern, die versuchten, für die verstörenden Nachrichten von der Front Bilder zu finden, die aufrütteln sollten gegen den Krieg
Modellfall Gehry
Im Zeitalter digitaler Entwurfsverfahren ist die Grenze zwischen Modell und ausgeführtem Gebäude fließend geworden. Der Beitrag entfaltet Dimensionen dieses Zusammenhanges nicht nur aus einer entwurfstheoretischen, sondern auch einer sozialen wie aufmerksamkeitsökonomischen Perspektive. Im Zentrum steht die Figur des 'global architect' Frank O. Gehry
Labor 1400. Marginalien zu einer 'europäischen Kunstepoche'
Der Beitrag beleuchtet den methodischen Forschungsstand zur Kunst um 1400 und versucht, auf die Problematik teilweise unreflektiert verwandter Begriffe und Terminologien hinzuweisen. Bis heute gängige Bezeichnungen wie 'Internationaler', 'Weicher' oder 'Schöner' Stil sind allein durch ihre stark assoziativ geprägte Semantik ungeeignet den spezifischen Besonderheiten europäischer Kunst zwischen 1370 und 1430 gerecht zu werden. Dies ist auch insofern bedeutsam, als die Kunst um 1400 der Nährboden für die um 1430 auf verschiedensten Ebenen einsetzenden künstlerischen Neuerungen ist; dabei zeigt sich, dass hier weniger stilistische Fragen eine Rolle spielen als vielmehr neue Formen der Welterfahrung und des künstlerischen Umgangs mit dieser
Die Liebfrauenkirche in Trier als ikonischer Bildraum und sinnstiftendes Raumbild
Die Liebfrauenkirche in Trier erscheint als klar gegliederter Bau und Raum. Und doch stehen etliche Gestaltungsmerkmale außerhalb normativer oder historischer Vorstellungen, wie französisch geprägte, gotische Architektur auszusehen habe oder wie sie sich gemäß lokalen Interessenlagen adaptieren ließ. Dieser Beitrag bündelt solche Abweichungen und nimmt sie als besonders aussagefähige Bestandteile in den Blick. Dabei wird das Bauwerk als Bildraum/Raumbild gelesen, wobei zu sehen ist, dass die Gestaltungen der Portale oder Fassadengestaltung bereits wesentliche Aspekte der inneren ikonischen Idee von Liebfrauen in sich und zugleich nach außen tragen. Kern der Anlage ist der Vierungsturm: Auf ihn ist alles bezogen
Der rätselhafte van Dijk im Kunstmuseum Stuttgart. Über einen spektakulären Gemäldeankauf der Stadt Stuttgart 1948 und ein Fall für die Provenienzforschung
Am 16. Juni 1948 kaufte die Stadt Stuttgart von dem Kunsthändler Dr. Erwin Sieger zwei alte niederländische Gemälde für die exorbitante Summe von 400.000 RM. Es handelt sich um eine Landschaft von Meindert Hobbema und eine vermeintliche Darstellung von Jakob und Rebekka am Brunnen, die Philip van Dijk zugeschrieben wurde. Es wurden keine Echtheitsgutachten eingeholt und dem Kunsthändler Sieger blind vertraut, obwohl er von der amerikanischen Militärregierung 1945 interniert worden war und Gemälde seiner Kunstsammlung restituiert wurden. Die aktuelle Untersuchung der beiden Kunstwerke im Rahmen des Provenienzforschungsprojektes im Kunstmuseum Stuttgart ergab, dass der van Dijk eine Nachbildung ist und die Autorschaft hinterfragt werden muss. Außerdem ist die Provenienz sehr bedenklich. Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen: War der extrem hohe Preis damals gerechtfertigt? Wie sind Wert und Bedeutung der Gemälde heute zu bewerten? Warum kam es zu der Erwerbung? Der Beitrag versucht 1. die Rekonstruktion des mysteriösen Ankaufs, 2. die Lüftung des Rätsels von der Herkunft und Authentizität bisher unbekannten Bilder, und 3. die Erforschung der Biografie von Dr. Erwin Sieger
Völkerschau im Museum. Zur ‚Authentizität‘ der ethnografischen Karyatidhermen Vikor Tilgners im Naturhistorischen Museum Wien
1884 war der historistische Bildhauer Viktor Tilgner mit der Ausführung plastischer Völkerdarstellungen für die Schausäle des Naturhistorischen Museums Wien beschäftigt. Die Authentizität der daraus resultierenden ‚Racetypen‘ stand für Tilgners Zeitgenossen offenbar außer Frage. Dieses Urteil ist bislang keiner kritischen Revision unterzogen worden. Ein problematischer Umstand, denn die ‚Karyatidhermen‘ Tilgners befinden sich bis dato an Ort und Stelle, wodurch sie noch heute als museal-wissenschaftlich beglaubigte Bildwerke erscheinen können. Dieses Paper befasst sich daher mit der Frage, mittels welcher Strategien die scheinbare Authentizität der Figuren beglaubigt wurde und welche Arten von Authentizität daraus tatsächlich resultieren
The Image of the Berlin Wall and Its Reflection in Greek Artists’ Work
Diese Studie untersucht die Auswirkungen der Berliner Mauer auf die künstlerischen Praktiken griechischer Künstler, die während des Kalten Krieges in Berlin lebten. In diesem Artikel soll insbesondere untersucht werden, wie griechische Künstler von der sozio-politischen Teilung beeinflusst wurden und wie sich dieser Vertrag in ihrer Arbeit widerspiegelt. Was war die Ansicht von Menschen, die nicht die gleiche historische Vergangenheit mit Deutschen teilten? Ihre Kunstwerke wurden in Verbindung mit der Untersuchung internationaler künstlerischer Trends, dem Einsatz methodischer Werkzeuge durch die Theorie der Avantgarde und der soziologischen Theorie zum Konzept der 'Szene' und der 'Netzwerke' analysiert. Folglich haben die griechische Künstler diesen historischen Moment mit der Verwendung zeitgenössischer künstlerischer Materialien in ihre Kunstwerke integriert