Comparative Population Studies (CPoS - E-Journal)
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The Future Demand for Long-term Carers in Germany: Model Calculations for the Federal Länder until 2020
Durch den Anstieg des Geburtendefizits bei gleichzeitiger Zunahme der Lebenserwartung werden zukünftig relativ und absolut mehr ältere Menschen in Deutschland leben. Unter Verwendung von Modellrechnungen wird in diesen Beitrag die mögliche Entwicklung des Bedarfs an professionellen Pflegearbeitskräften bis zum Jahr 2020 für die einzelnen Bundesländer dargestellt. Aufgrund der Unterschiede im demografischen Wandel zwischen den Bundesländern wird sich auch der Pflegearbeitsmarkt nicht homogen im gesamten Bundesgebiet entwickeln. Mit dem Anstieg der Pflegebedürftigen von derzeit 2,25 Millionen auf voraussichtlich 2,9 Millionen bis zum Jahr 2020 in Deutschland insgesamt wird insbesondere die professionelle Pflege weiter an Bedeutung gewinnen. Die Nachfrage nach Pflegearbeitskräften (in Vollzeitäquivalenten) könnte sich von derzeit 561.000 auf bis zu 900.000 bis zum Jahr 2020 erhöhen. Die tatsächliche Entwicklung des professio-nellen Arbeitsmarktes wird allerdings erheblich vom Engagement der pflegenden Angehörigen abhängen. Zudem spielen mögliche Produktivitätsfortschritte in der Erbringung von Pflegedienstleistungen eine Rolle, wie in verschiedenen Szenarien der Modellrechnungen gezeigt werden kann.The increase in the birth rate shortfall, at the same time as an increase in life expectancy, will lead to more elderly people living in Germany in future, in both relative and absolute terms. The possible development in the demand for professional long-term carers until 2020 for the individual Federal Länder is illustrated in this essay using model calculations. Because of the differences in demographic change between the Federal Länder, the labour market for long-term care will develop heterogeneously in the federal territory as a whole. The increase in the number of persons in need of long-term care from its current level of 2.25 million to a forecast level of 2.9 million by 2020 will mean that professional long-term care in particular will continue to become more significant in Germany as a whole. The demand for long-term carers (in full-time equivalent posts) could increase from its current level of 561,000 to up to 900,000 by 2020. The actual development on the professional labour market will however be heavily dependent on the commitment of care-giving relatives. Additionally, possible productivity advances in the provision of long-term care services will play a role, as can be shown in various scenarios of the model calculations
Mortality Tempo: A Guide for the Skeptic
Die Idee von Tempo-Effekten in der Mortalität basiert unmittelbar auf der Idee der Tempo-Effekte in der Fertilität, die auf den von Norman B. Ryder vor einem halben Jahrhundert publizierten Arbeiten aufbaut und nunmehr weithin bekannt und akzeptiert ist. Angesichts der Tatsache, dass sich die Ansätze im Wesentlichen gleichen, ist es verwunderlich, dass Tempo-Effekte in der Mortalität erst vor kurzem thematisiert wurden und bis heute noch nicht allgemein anerkannt sind. Eine mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass die Auswirkungen von Tempo-Effekten in der Mortalität scheinbar im Widerspruch zu den etablierten Modellierungs- und Analyseverfahren für Sterblichkeits- und Bevölkerungsdynamiken stehen. In diesem Beitrag wird ein diskreter Ansatz zur Beschreibung und Analyse von Tempo-Effekten in der Mortalität entwickelt. Der diskrete Ansatz ist zwar mathematisch wenig anspruchsvoll, dafür aber sehr überzeugend. Er wird in diesem Beitrag zum Beispiel für die Bestimmung altersspezifischer Tempo-Effekte verwendet. Der Schwerpunkt des Beitrags liegt auf der Messung der Lebensdauer empirischer Bevölkerungen. Dabei wird gezeigt, dass jede empirische Bevölkerung durch eine angemessen konstruierte Modellpopulation approximiert werden kann.The idea of mortality tempo effects derives from the idea of fertility tempo effects, which were introduced by Norman B. Ryder and are widely known and accepted. Given the essential similarity of the ideas, it might be regarded as curious that mortality tempo effects have only recently been recognized and are not as yet generally accepted. The explanation for this may be that mortality tempo effects have implications that seem to be at variance with established ways of modeling and analyzing mortality and population dynamics. This paper develops a discrete approach to describing and analyzing mortality tempo effects. The discrete approach is mathematically undemanding, yet powerful. It is used here, for example, to define age-specific tempo effects. The focus of this work is the measurement of length of life in empirical populations. It is shown that any empirical population may be approximated by a suitably constructed discrete model population
Changes in Family Income around the Time of Birth of Children in Germany between 1985 and 2004
Während der Verlauf und die Ursachen des Geburtenverhaltens intensiv erforscht wurden, sind die finanziellen Folgen einer Geburt empirisch kaum beachtet worden. Daher werden hier kurzfristige Wohlstandsveränderungen von Familien (hinsichtlich verfügbarem Haushaltseinkommen und Äquivalenzeinkommen) rund um die Geburt eines Kindes in längsschnittlicher Perspektive analysiert und auf ihre Ursachen untersucht. Zu diesem Zweck wurden die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (1984-2005) mittels Fixed-Effekt-Panelregressionsmodellen analysiert. Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass die finanziellen Folgen einer Geburt in den letzten Jahren deutlich gewachsen sind und vor allem das erste Kind ein überproportionales Wohlstandsrisiko darstellt, während weitere Kinder selten erhebliche Wohlstandsveränderungen bedingen. Negative finanzielle Konsequenzen treten zudem nur in Doppelverdienerhaushalten auf und betreffen die oberen Schichten der Gesellschaft am stärksten. Die Ergebnisse decken damit einen gewissen Modifikationsbedarf der staatlichen Familienleistungen auf. Neben der Bereitstellung adäquater infrastruktureller Rahmenbedingungen, die es Müttern erlauben erwerbstätig zu bleiben, sollten vor allem die Auszahlungen zum Kindergeld im Vergleich zur gegenwärtigen Praxis erhöht und mit Blick auf die Ordnungszahl des Kindes neu angepasst werden.While the course and the determinants of fertility behaviour have been investigated intensively, the monetary consequences of birth have hardly been considered empirically to date. Therefore, this paper focuses on the short-term (equivalent) household income changes around the time of births in a longitudinal perspective and examines them for their causes. For the analyses of the longitudinal data (GSOEP-Data 1984-2005), fixed effects panel regression models were computed. The results show that the short-term socioeconomic consequences of birth have clearly increased in the last two decades and first births in particular are associated with disproportionately severe socioeconomic consequences, while further births are rarely accompanied by negative changes in the households’ socioeconomic situations. Furthermore, household income losses attributable to births only arise in double income households and increase gradually in line with a rising level of household income before birth. Hence, the analyses suggest the need for more adequate state assistance with respect to family support. Beside the provision of adequate infrastructural conditions which allow mothers to be employed, also the payments to compensate for child-related costs (“Kindergeld”) should be – in contrast to the present practice in Germany – increased and re-adjusted with respect to the child’s position in the birth sequence
Differences in Fertility Patterns between East and West German Women. Disentangling the roles of cultural background and of the transformation process
Diese Studie vergleicht die paritätsspezifischen Fertilitätsmuster west- und ostdeutscher Frauen (Geburtskohorten 1970 und jünger) nach der deutschen Wiedervereinigung auf der Grundlage von Paneldaten des deutschen SOEP (Wellen 1990 bis 2006). Während die Übergangsrate zur Geburt des ersten Kindes bei der ostdeutschen Teilstichprobe tendenziell höher liegt als bei der westdeutschen, bleibt die Wahrscheinlichkeit einer Zweitgeburt bei den westdeutschen Frauen im Zeitverlauf deutlich höher. Die dargestellten Analysen umfassen eine detaillierte vergleichende Untersuchung verschiedener intervenierender Mechanismen, dargestellt durch soziokulturelle Orientierungen und soziale Ungleichheiten, die aus dem gesellschaftlichen Transformationsprozess resultieren. Auch wenn die Übergangsrate zur Erstgeburt bei ostdeutschen Frauen durch ihre stärkeren beruflichen Ambitionen gesenkt wird, erhöht sich ihre Neigung zur Familienbildung durch ihre stärkere Familienorientierung. Überraschenderweise begünstigt der höhere Anteil der Konfessionslosen in Ostdeutschland den Übergang zur Elternschaft, da partnerschaftliche Beziehungen hierdurch sowohl schneller eingegangen als auch gefestigt werden. Die niedrigere Übergangsrate zur Zweitgeburt unter ostdeutschen Frauen ist zum Teil auf die höheren beruflichen Ziele, die niedrigere Religiosität und die niedrigere allgemeine Lebenszufriedenheit in dieser Teilgruppe zurückzuführen.The present study compares parity-specific fertility patterns of West and East German women (from birth cohorts 1970 and younger) after German re-unification using panel data from the GSOEP (waves 1990 through 2006). Whereas the transition rate for the birth of the first child tends to be higher in the East German than in the West German sub-sample, the likelihood of second births remains considerably higher among West German women across time. The analyses presented comprise a detailed comparative test of different intervening mechanisms, represented by sociocultural orientations and social inequalities resulting from the societal transformation process. Although the transition rate to first births among East German women is lowered by their higher education and work aspirations, their higher degree of family orientation promotes their propensity to start a family. Surprisingly, the higher proportion of persons without a denomination in East Germany promotes the transition to parenthood because it accelerates both the engagement in and the consolidation of intimate relationships. The lower transition rate to second births among East German women is partly accounted for by the higher work aspirations, by the lower religiosity and by the lower general life satisfaction in this subgroup
Cohort Fertility: A Comparison of the Results of the Official Birth Statistics and of the Microcensus Survey 2008
Für das Berichtsjahr 2008 liegen erstmals Daten zur biologischen Kinderzahl der Frauen aus der umfassenden Mikrozensusstichprobe vor. Bisher lieferte nur die laufende Geburtenstatistik Angaben zur Kohortenfertilität als zusammengefasste Geburtenziffer der synthetischen Frauenkohorten. Da beide Kennzahlen mit Unsicherheiten unterschiedlicher Art behaftet sind, soll ein Vergleich wichtige Hinweise zur Güte und Aussagefähigkeit dieser Indikatoren liefern. In der vorliegenden Arbeit wird gezeigt, dass die durchschnittliche Kinderzahl je Frau im Datensatz des Mikrozensus 2008 und die kohortenspezifische zusammengefasste Geburtenziffer in der Geburtenstatistik einen sehr ähnlichen Verlauf der Kohortenfertilität aufweisen. Während die Übereinstimmung für die Frauenjahrgänge in den neuen Ländern und in Deutschland insgesamt fast vollkommen ist, weichen die Werte in den alten Ländern stärker voneinander ab. Eine wesentliche Ursache dafür liegt offensichtlich im hohen Anteil der Zuwanderinnen in den alten Ländern. Ein Teil der in das frühere Bundesgebiet zugewanderten Frauen haben ihre Kinder bereits vor der Einreise nach Deutschland geboren. Diese Geburten konnten von der laufenden Geburtenstatistik nicht berücksichtigt werden, im Mikrozensus dagegen sind die Angaben zu allen geborenen Kindern gemacht worden, unabhängig von deren Geburtsort. Diese erhebungsbedingten Abweichungen können weitgehend reduziert werden, wenn für den Vergleich mit der kohortenspezifischen zusammengefassten Geburtenziffer der Geburtenstatistik nicht die durchschnittliche Kinderzahl aller Frauen, sondern nur die Kinderzahl der in Deutschland geborenen oder im Alter unter 26 Jahren zugewanderten Frauen herangezogen wird. In den neuen Ländern war der Anteil der Migrantinnen gering und hatte keine Auswirkungen auf die Kohortenfertilität. Insgesamt zeigte der Vergleich, dass aus den beiden Statistiken gut übereinstimmende Daten zur Fertilität der Geburtsjahrgänge von 1933 bis 1992 für Deutschland insgesamt, die alten und die neuen Länder vorliegen. Damit sind detaillierte Analysen der Fertilität im Zusammenhang mit umfassenden sozioökonomischen Merkmalen des Mikrozensus möglich.Data are available for the first time for the year under report 2008 on the biological number of children of women from the comprehensive Microcensus sample. Previously, only the ongoing birth statistics provided information on cohort fertility as a total fertility rate of the synthetic female cohorts. Since both benchmarks bear different types of insecurity, a comparison is to provide important information on the quality of these indicators. This article shows that the average number of children per woman in the dataset of the Microcensus 2008 and the cohort fertility rate in the birth statistics show a highly similar course of cohort fertility. Whilst the agreement for the female cohorts in the new Länder (former GDR without Berlin East) and in Germany as a whole is almost complete, the values in the old Länder (Western Germany without Berlin West) are further apart. A major cause of this evidently lies in the high proportion of female immigrants in the old Länder. Some of the women who immigrated into the former territory of Federal Republic already gave birth to their children before entering Germany. These births could not be taken into account in the ongoing birth statistics, whilst the Microcensus provided information on all children born, regardless of where they were born. These survey-related deviations can be largely reduced if the comparison with the cohort fertility rate of the birth statistics is based not on the average number of children of all women, but only on the number of children of women who were born in Germany or who immigrated below the age of 26. The share of female migrants was low in the new Länder and did not impact cohort fertility. All in all, the comparison showed that both sets of statistics provide data with a good degree of concurrence on the fertility of the birth years from 1933 to 1992 for Germany as a whole, as well as for the old and the new Länder. This makes it possible to carry out detailed analyses of fertility in relation to comprehensive socioeconomic characteristics of the Microcensus. 
Job-induced Commuting between Two Residences – Characteristics of a Multilocational Living Arrangement in the Late Modernity
Vor dem Hintergrund der andauernden Flexibilisierung der Arbeitsmärkte und einer steigenden (hoch-)qualifizierten Frauenerwerbstätigkeit hat das beruflich bedingte Pendeln zwischen einem Haupt- und Zweitwohnsitz in westlichen Industrieländern wie Deutschland an Bedeutung gewonnen. Die wenigen Studien über diese Art multilokaler Lebensführung beziehen sich nahezu vollständig auf Pendler/innen („Shuttles“) in Paar- bzw. Familienhaushalten. Der Artikel verfolgt das Ziel, erstens, Merkmale und Entstehungskontexte von berufsbedingten multilokalen Haushaltsorganisationen im Allgemeinen zu untersuchen und damit einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über die Ausprägungen und Ursachen dieses gegenwärtig bedeutenden Phänomens zu leisten. Zweitens wird die multilokale Lebensform mit „traditionellen“ Fernwandernden verglichen, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wer und unter welchen Umständen das berufliche Pendeln zwischen zwei Wohnsitzen einem Umzug mit dem gesamten Haushalt vorzieht. Der Beitrag bezieht sich auf Daten einer Primärerhebung, in der eine Zufallsstichprobe von Personen aus dem Einwohnermelderegister von vier deutschen Metropolen gezogen wurde. Die Grundgesamtheit ist auf Individuen mit spezifischen Merkmalen (Zuwandernde zwischen 25 bis 59 Jahren) begrenzt. Die Ergebnisse der standardisierten postalischen Befragung wurden durch qualitative Telefoninterviews mit ausgewählten Shuttles vertieft. Die Ergebnisse zeigen, dass es sich bei Shuttles um eine heterogene Gruppe handelt. Das Leben in einer Partnerschaft und die damit verbundenen sozialen Bindungen spielen für multilokale Haushaltsorganisationen eine entscheidende Rolle. Unter den männlichen Pendlern kann eine Gruppe junger, lediger und meist kinderloser Männer und eine Gruppe älterer, verheirateter Pendler mit Kindern im Haushalt identifiziert werden. Die große Mehrheit der weiblichen Shuttles lebt dagegen kinderlos. Weil Männer auch in einer Lebensgemeinschaft mit Kind zwischen zwei Wohnsitzen pendeln, haben sie signifikant öfter als Frauen einen berufsbedingten Zweitwohnsitz. Spätmoderne Ausprägungen beruflich bedingter multilokaler Lebensmuster sind doppelerwerbstätige Haushalte für männliche Pendler und hohe berufliche Stellungen für Pendlerinnen. Das Pendeln zwischen zwei Wohnsitzen ist einerseits mit dem Berufseinstieg eng verbunden und spielt andererseits auch in einer späteren Berufsphase für eine zum Teil länger andauernde Periode eine bedeutende Rolle. Es ist anzunehmen, dass die Bedeutungszunahme befristeter Beschäftigung zu einem Anstieg multilokaler Lebensformen in der Spätmoderne führt.Against the background of the ongoing flexibilisation of labour markets and a rising labour force participation of (highly) qualified women, job-related commuting between a main and secondary residence has become more important in Western capitalist countries as is the case in contemporary Germany. The limited number of recent empirical studies on this kind of multilocational living arrangement almost entirely focuses on commuters in couple/family households. The main objective of this article is, firstly, to provide data about the characteristics and formation contexts of job-related multilocational household organisations as a whole, in order to make a contribution to the discussion of the forms and causes of this currently important phenomenon. Secondly, by means of comparison analyses, the multilocational form of living is compared to the group of long-distance movers, in order to provide insights into who prefers commuting to migration with the complete household under which circumstances. The article draws on data of a field research study, which have been obtained from an individual based random sample from official registers of inhabitants of four metropolises in Germany. The sample was restricted to individuals with specific characteristics (in-movers, age 25 to 59). The fully structured postal interviews were complemented by qualitative telephone interviews with selected commuters. The results show that commuters are a heterogeneous group. Living in a partnership and the social connections established thereby play a prominent role for multilocational household organisations. Among male commuters, one can distinguish between those who are young, never married and predominantly childless, on the one hand, and a group of older married commuters with children in the household, on the other. The vast majority of female commuters, however, live childless. As men commute between two residences even if they live with a family, they significantly more often have a job-related secondary residence than women. Late modern characteristics of job-related multilocational living arrangements are dual earner households for male commuters and high occupational positions for female commuters. The commuting between two accommodations is strongly connected to the career entry, on the one hand, and is also important in a later occupational career phase as a partly longer-lasting period, on the other hand. It may be suggested that the rise of fix-term employment will further increase the importance of multilocational living arrangements in Late Modernity