PROKLA - Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft
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For emancipative sufficiency perspectives: Green New Deal instead of a sustainable overcoming of the care economy crisis and transport avoidance?
Die Transformation des Wirtschaftens, wie sie der Green New Deal vorsieht, steht vor einem vierfachen Risiko: Dies bezieht sich auf die Transformationstiefe, den wissenschaftlichen und politischen Androzentrismus, die Gender-Mainstreaming-Gebote und die nötige Effektivität und Akzeptabilität der Transformation. Die hier dargelegte These ist, dass es unverzichtbar ist, im Transformations-Konzept selbst die strukturellen Ursachen von Ungleichheiten geschlechtergerechtigkeitswirksam zu adressieren. Wie am Beispiel der Verkehrswende gezeigt wird, ist dies die Voraussetzung dafür, ökonomisch-sozial-ökologische Zusammenhänge zu erkennen und die Klima-, Ressourcen- und ökonomischen Krisen entsprechend politisieren zu können.The transformation of economies, as envisaged by the Green New Deal, faces a fourfold risk: this relates to the depth of transformation, scientific and political androcentrism, gender mainstreaming imperatives, and the necessary effectiveness and acceptability of transformation. The argument presented here is that it is indispensable to address the structural causes of inequalities in the transformation concept itself in a gender-responsive way. As shown by the example of the transport transformation, this is the prerequisite for recognizing economic-social-ecological interrelationships and being able to politicize the climate, resource and economic crises accordingly
Between continuity and rupture: The U.S. economy in the Trump era and the Corona crisis
Der 2009 einsetzende Aufschwung in den USA war ungewöhnlich lang, aber relativ schwach. Nach dem Amtsantritt von Trump kam es zu einer leichten Erholung der Investitionen, doch die Unternehmen verwendeten die Erlöse aus den umfangreichen Steuersenkungen überwiegend für Auszahlungen an AktienbesitzerInnen. Die Arbeitslosigkeit ging ab 2010 stetig zurück, allerdings mit einer Verschiebung hin zu schlechter bezahlten Jobs. Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie wurden teilweise durch riesige staatliche Ausgabenprogramme abgefedert, doch die Arbeitslosigkeit unter den weniger qualifizierten ArbeitnehmerInnen stieg stark an, während die massive monetäre Reaktion zu einem beispiellosen Geldsegen für die Reichen führte. Die erste große Initiative der Regierung Biden verlängerte die Arbeitslosenunterstützung und förderte den nationalen Kampf gegen den gesundheitlichen Notstand, scheiterte allerdings an der Erhöhung des nationalen Mindestlohns auf 15 US-Dollar pro Stunde.The US economic expansion which began in 2009 was unusually prolonged but relatively weak. After Trump took office there was a minor recovery in investment but the proceeds of major tax cuts were overwhelmingly used to finance pay outs to share owners. Unemployment fell steadily from 2010 but with a shift towards lower paid jobs. The impact of the Covid-19 epidemic was partly cushioned by huge government spending programmes, but unemployment among less skilled workers increased strongly, while the massive monetary response led to an unprecedented bonanza for the rich. The Biden government’s first major initiative extended unemployment benefits and promoted a national response to the health emergency, but failed to secure an increase in the national minimum wage to $15 an hour
Democratic majorities in Washington and a renewed U.S. left? The Left under Biden (part 1)
Dieser Artikel versucht, sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen für die US-Linke nach dem Wahlsieg der Demokratischen Partei im vergangenen November abzuschätzen. Er skizziert zunächst das Terrain, das durch die Hinterlassenschaften von vier Jahren Trump, die Schwäche der demokratischen Mehrheiten im Kongress und in vielen Bundesstaaten, sowie die angespannten Beziehungen zwischen der etablierten zentristischen Führung der Partei und ihren progressiven und linken Elementen innerhalb und außerhalb der Parlamente strukturiert ist. Anschließend nimmt er die beiden sichtbarsten Strömungen des linken Aktivismus auf nationaler Ebene in den Blick: die Democratic Socialists of America und die Black-Lives-Matter-Bewegung. Ein dritter Teil (in einer der nächsten PROKLA-Ausgaben) untersucht einige der innenpolitischen Maßnahmen der neuen Regierung und ihre Potenziale für progressives Handeln unter der neuen Administration.This article sets out to assess both opportunities and challenges for the US Left after the wins of the Democratic Party last November. It first sketches the terrain structured as it is by the legacies of four years of Trump, the frailty of the Democratic majorities in Congress and in many of the states, and the tenuous relations between the centrist/corporate leadership of the Party and its progressive and leftist elements inside and outside of parliaments. It then focuses on the two most visible currents of left activism at the national level: the Democratic Socialists of America, and the Black Lives Matter movement. A third part (in a next PROKLA issue) addresses some of the new policies of the new administration and the leverage and potentials they imply for progressive action
The Creeping Crisis of Structurally Weak Municipalities: Addressing the Situation of Basic Services in Rural Areas
Der Beitrag nimmt das gestiegene Problembewusstsein für kommunale Daseinsvorsorge zum Ausgangspunkt, um die Auswirkungen kommunaler Finanzschwäche zu diskutieren. Neben der ungleichen räumlichen Entwicklung geht er auf den zunehmenden Wettbewerb zwischen den Gemeinden ein. Anhand einer Analyse der kommunalen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung in Hessen und Nordrhein-Westfalen zeigt der Beitrag auf, dass die Entschuldungsprogramme negative Auswirkungen auf die kommunale Position im Steuerwettbewerb wie auch auf die Ausgestaltung der Grundversorgung vor Ort haben. Vor diesem Hintergrund betont der Artikel die Bedeutung ausreichend ausgestatteter kommunaler Haushalte für die Ausgestaltung des Sozialstaates auf lokaler Ebene.The article draws on the increased concerns about municipal public service to discuss the impact of weak municipal finances. Alongside the uneven spatial development, it addresses increasing competition between municipalities. By analysing the municipal budget consolidation measures in Hesse and North Rhine-Westphalia, the article shows that the debt relief programs have negative effects on the municipal position in tax competition as well as on the organisation of local fundamental services. Against this background, the article emphasises the importance of adequately funded municipal budgets for the design of the welfare state at the local level
The European landing on the moon? The European Green Deal as a project of ecological modernization
Die Europäische Union steckt in einer Krise. Erstens befindet sich der Prozess der Europäischen Integration selbst in einer tiefen Krise (Stichwort: Brexit). Zweitens gibt es erhebliche Ungleichheiten innerhalb der EU. Drittens spitzen sich ökologische Problemlagen wie der Klimawandel erheblich zu und werden zunehmend politisiert. Der European Green Deal (EGD) ist die Antwort der EU auf diese Krisen. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um einen Versuch, die ökologische Modernisierung zu forcieren. Dies gelingt jedoch auch in der Corona-Pandemie bestenfalls punktuell. Um die Krisen zu überwinden, greifen die Ansätze des EGD viel zu kurz.The European Union is in a crisis. First, the process of European integration itself is in a deep crisis (keyword: Brexit). Secondly, there are considerable inequalities within the EU. Thirdly, ecological problems such as climate change are coming to a head and are increasingly politicized. The European Green Deal (EGD) is the EU\u27s answer to these crises. However, it is merely an attempt to push ahead with ecological modernization. However, even in the corona pandemic this will succeed at best only selectively. To overcome the crises, the EGD approaches fall far short
No end to green colonialism:: The European Green Deal reproduces Africa\u27s dependencies
Europa macht sich auf den Weg in einen europäischen grünen Deal (EGD) und setzt neue Maßstäbe für ein grünes Wirtschaftsparadigma. Allerdings gibt es innerhalb des EGD Aspekte, die sich nicht alleine in Europa bearbeiten lassen. Der Beitrag diskutiert die Ansätze der EU-Afrika Strategie innerhalb des EGD auf den Feldern Wasserstoff und Biodiversität. Es zeigt sich, dass das bestehende asymmetrische Verhältnis zwischen Afrika und der EU manifestiert wird, und es schwer wird afrikanische Ideen einer sozial-ökologischen Transformation einzubringen.Europe is embarking on a European Green Deal (EGD) and setting new standards for a green economic paradigm. However, there are aspects within the EGD that cannot be resolved in Europe alone. The article discusses the approaches of the EU-Africa strategy in the EGD in the fields of hydrogen and biodiversity. It shows that the existing asymmetric relationship between Africa and the EU is manifested, it will be difficult to introduce African ideas of a socio-ecological transformation
Pro-state or anti-state? Right-wing militias, paramilitaries and the attack on the Capitol
In den letzten Jahren hat es auch auf der extremen Rechten einen Mobilisierungsschub gegeben. In dem Beitrag wird davon ausgegangen, dass eine Paramilitarisierung durch Milizen geschehen konnte, die mit »Weißen Nationalisten« gemeinsame Sache machen oder als Vollstrecker für Donald Trump und verbündete republikanische Politiker agieren würden. Tatsächlich scheinen alle rechtsextremen Gruppen am 6. Januar 2021 beim Angriff auf das Kapitol Trump als denjenigen gesehen zu haben, der zentrale Befehle geben würde. Das ist nicht geschehen. Aber die Beteiligung von so vielen »überzeugten Gläubigen« bei dieser Aktion macht die Frage nach der Paramilitarisierung noch dringlicher. Die Beteiligten könnten eine kritische Masse für künftige Bemühungen bieten, Pro-Trump-Paramilitärs jenseits der organisierten Gruppen entstehen zu lassen.In recent years, there has been a mobilization surge on the extreme right. We hypothesized that paramilitarization could happen by militias making common cause with »White nationalists« or by acting as enforcers for Donald Trump and allied Republican politicians. In fact, all of the far-right groups at the Capitol on the 6th of January 2021 appear to have seen Trump as the person who would provide any central commands. This did not happen. But the participation of so many »inspired believers« at this event makes the question of paramilitarization even more pressing. They could provide a critical mass for future efforts to create pro-Trump paramilitaries beyond organized groups
Power of Markets or Power in Markets? On the importance of asymmetries in the circulation sphere.
Macht auf Märkten ist im Kapitalismus keine Ausnahme, sondern ein Resultat seiner innersten Bewegungsgesetze. Unternehmen nutzen sie, um sich Vorteile zu verschaffen und um sich fremde Arbeit und Natur anzueignen. Dennoch wurde Macht in der jüngeren Kapital-Rezeption häufig auf den »stummen Zwang der ökonomischen Verhältnisse« reduziert und als anonym, versachlicht und strukturell verstanden. Konkrete Machtausübung fände nur innerhalb der Fabrik statt, in die die Lohnabhängigen qua freiwilligem Vertrag eingetreten seien. Ein derartiges Verständnis von Kapitalismus nimmt die liberale Ideologie, die Marx kritisieren wollte, für bare Münze. Dementgegen vertrete ich die These, dass Marktmacht und hierarchische Märkte zur Kernstruktur kapitalistischen Wirtschaftens gehören und eine Form darstellen, wie sich dominante Akteure Werte, Profite und Natur sichern.Power in markets is not an exception in capitalism, but a result of its innermost laws of motion. Companies use it to gain advantages and to appropriate labor and nature. Nevertheless, in the recent reception of Marx’ Capital, power has often been reduced to the »mute compulsion of economic relations« and has been defined as anonymous, objectified and structural. Concrete power, some commentators argue, only takes place within the factory, into which wage workers have entered by voluntary contract. Such an understanding of capitalism takes the liberal ideology that Marx meant to criticize at face value. In contrast, I argue that market power and hierarchical markets are part of the core structure of capitalist economies and represent a way in which dominant actors appropriate values, profits and nature
The Working Class and the Imperial Mode of Living: A Reply to Stefanie Hürtgen
Stefanie Hürtgen hat sich in der PROKLA kritisch mit dem Konzept der imperialen Lebensweise auseinandergesetzt: Dieses vernachla?ssige die Klassenfrage und die widerständigen Alltagssubjektivitäten. Das Nord-Su?d-Verha?ltnis werde unterkomplex konzeptualisiert. In der Tat bedu?rfen die subjektiven Voraussetzungen sozial-o?kologischer Transformation einer genauen Betrachtung. Allerdings ist eine widersta?ndige Subjektivita?t nicht per se emanzipativ. Es gilt, das Verha?ltnis von allta?glicher Infragestellung und Reproduktion der imperialen Lebensweise zu bestimmen. Aufgrund der unterschiedlichen Auspra?gungen des Klassenkonikts sollten »Su?d« und »Nord« als territoriale Kategorien nicht vorschnell aufgegeben werden.Stefanie Hu?rtgen has critically dealt with the concept of imperial mode of living in PROKLA: According to her, the concept neglects the class issue and obstinate everyday subjectivities. The North-South relation is conceptualised in an unduly simplied manner. We admit the necessity of scrutinizing the subjective preconditions of a socio-ecological transformation. However, obstinate subjectivities are not necessarily emancipative. The challenge thus consists in understanding the relationship between questioning and reproducing the imperial mode of living in everyday practices. The »North« and the »South« should not be abandoned as territorial categories
Tinkering Around the Edges: A critique of liberal prison reform in the USA and its theoretical legitimation
Die Masseninhaftierung in den USA wurde in den letzten Jahren auch von Teilen der beiden Großparteien als Problem erkannt – allen voran von den Demokraten. Seit der Präsidentschaft Obamas kam es sowohl auf Bundesebene als auch in vielen Bundesstaaten zu Reformen, die sich insbesondere auf die Verringerung der Strafen fu?r minderschwere Drogendelikte konzentrierten. Als theoretische Grundlage dieses Fokus dient den ReformerInnen häufig eine Erzählung u?ber die Masseninhaftierung, die am prägnantesten von Michelle Alexander in ihrem Buch The New Jim Crow formuliert worden ist. Im Artikel wird eine Kritik an dieser Erzählung entwickelt und gezeigt, dass die Konzentration auf den »Krieg gegen die Drogen« ernsthaften Reformen des Systems der Strafjustiz im Weg steht.US-Mass Incarceration has been discovered as a problem even from parts of the two major political parties in recent years, especially the Democrats. Since Obamas presidency there have been reform efforts on the federal as well as the state level, which aimed primarily at the reduction of sentencing lengths for low-level drug offenders. As a theoretical basis of this reform-focus a story about mass incarceration is often referred to, which was most prominently advanced by Michelle Alexander in her book The New Jim Crow. In this article a critique of this story will be presented, which shows, that the concentration on the »War on Drugs« restricts serious reforms of the criminal justice system