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Digitalisierung als Innovation der Bauingenieurlehre. Chancen und Herausforderungen des Metaverse
Im Bauingenieurwesen, das durch Komplexität und Interdisziplinarität geprägt ist, spielt Digitalisierung eine zentrale Rolle. Auch der Bildungssektor, der lange Zeit auf traditionelle Lehrformate, wie Vorlesungen und Übungen beschränkt war, erlebt durch den Einsatz innovativer Technologien einen grundlegenden Wandel. Im Hinblick auf die Stärkung der Future Skills bei Studierenden ist es notwendig, neue, digitale Lehrformate und -umgebungen zu integrieren. Insbesondere das Metaverse, eine immersive Umgebung, kann die Lehre revolutionieren. Dieser Artikel untersucht den Einsatz des Metaverse in zwei Modulen an der TH Köln und beleuchtet die sich daraus ergebenden Vorteile und Herausforderungen
Risikoquantifizierung: Charakteristische Funktion und numerische Methoden als Alternative zur Monte-Carlo-Simulation. Fallbeispiele zu kombinierten Verteilungen
Für Unternehmen werden die Anforderungen an die Genauigkeit bei der Bewertung von Risiken aufgrund interner und externer Faktoren zunehmend höher. Dies erfordert komplexere Modelle und Berechnungsmethoden, sowohl auf der Ebene von Einzelrisken als auch auf der Ebene von Risikoportfolios. Häufig führen Unternehmen daher Monte-Carlo-Simulationen zur Ermittlung von Risiko-Kennzahlen durch. In der vorliegenden Arbeit wird eine numerische Alternative, basierend auf dem stochastischen Begriff der charakteristischen Funktion, vorgestellt und in drei komplexeren Fallbeispielen angewendet. Es zeigt sich, dass bei den hier gewählten Fallbeispielen die Abweichungen zwischen den Ergebnissen der beiden Methoden nicht signifikant sind.For companies, the requirements for accuracy in risk assessment are becoming increasingly stringent due to internal and external factors. This necessitates more complex models and calculation methods, both at the level of individual risks and at the level of risk portfolios. Companies therefore often use Monte Carlo simulations to determine risk indicators. This paper presents a numerical alternative based on the stochastic concept of the characteristic function and applies it to three complex case studies. It shows that, in the case studies selected here, the differences between the results of the two methods are not significant
Vorschläge zur Reform der Alterssicherung in Deutschland (Langfassung)
Alterssicherung in Deutschland ist zu Beginn der laufenden Legislaturperiode wieder stärker in den Fokus der Politik gerückt, da die nachvollziehbaren Erwartungen der vielen Millionen Versicherten der Gesetzlichen Rentenversicherung an eine auskömmliche Altersversorgung kaum noch mit realistischen Möglichkeiten der Finanzierung in Einklang zu bringen sind. Der vorliegende Beitrag enthält einen Vorschlag zur mittelfristigen Entschärfung dieses Problems. Plädiert wird für ein behutsames Absenken des Versorgungsniveaus in der gesetzlichen Rente ab Beginn der 2030-er Jahre in Verbindung mit einer zusätzlichen kapitalgedeckten obligatorischen Altersvorsorge, die im Kern auf einer deutlich reformierten Riester-Rente beruht mit einer Produktgestaltung, die sich eng an diejenige der Gesetzlichen Rentenversicherung anlehnt.At the beginning of the current legislative period, old-age provision in Germany has once again become a major political focus, as the understandable expectations of the many millions of people insured under the statutory pension insurance scheme for adequate old-age provision can hardly be reconciled with realistic financing options. This article contains a proposal for alleviating this problem in the medium term. It advocates a cautious reduction in the level of statutory pension benefits from the beginning of the 2030s, combined with an additional funded mandatory pension scheme based essentially on a significantly reformed Riester pension with a product design closely modelled on that of the statutory pension insurance scheme
From post-truth to higher-truth. Humor, spiritual determinism, and the far-right online
The text at hand draws on my undergraduate work in 2020 in which I looked at the usage of humor in internet culture and how it was used as a countercultural strategy by the far-right online movement known as the Alt-right to question established perceptions of reality. This essay argues that the rhetoric of the Alt-right of the mid-2010s prepared the ground for a media environment from which the ontologies of the proliferating conspiratorial movements could flourish in 2020
Analyse der Begutachtungsdaten privatversicherter Pflegebedürftiger und mögliche Implikationen für die gesetzliche Pflegeversicherung
Hintergrund: Seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs 2017 ist die Anzahl der Leistungsempfänger in der gesetzlichen Pflegeversicherung deutlich über das demografisch zu erwartende Ausmaß angestiegen. In der Folge sind die Beitragssätze in der Sozialen Pflegeversicherung und die Prämien in der Privaten Pflegepflichtversicherung wiederholt gestiegen. Dieser Beitrag analysiert die Charakteristika der Erstantragsteller in der privaten Pflegepflichtversicherung mit einem Fokus auf Pflegegrad 1, um Präventionspotentiale für die Versicherten und Reformelemente für die gesetzliche Pflegeversicherung zu identifizieren.
Methodik: Die Datenerhebung erfolgte durch die Medicproof GmbH im Rahmen der Pflegebegutachtung der Privatversicherten in Deutschland, die von 2017-2023 einen Erstantrag auf Leistungen der Privaten Pflegepflichtversicherung stellten. Die Daten wurden in aggregierter Form zur Verfügung gestellt und mit deskriptiven Methoden ausgewertet.
Ergebnisse: Über 70% der Erstanträge enden in einer Einstufung in Pflegegrad 1 oder 2. Versicherte in höheren Pflegegraden sind eher männlich und tendenziell jünger. Sie erhalten ein hohes Maß an professioneller Pflege, wohingegen Versicherte in Pflegegrad 1 zu 83% ausschließlich von privaten Pflegepersonen gepflegt werden. Versicherte in Pflegegrad 1 haben vor allem leichte Einschränkungen im Bereich der Mobilität. Daraus ergeben sich Einschränkungen im Bereich der Selbstversorgung und im Umgang mit Krankheits- und therapiebedingten Anforderungen. 30% der Pflegebedürftigen in Pflegegrad 1 werden bereits innerhalb eines Jahres hochgestuft, dabei verschlechtern sich vor allem die Mobilität sowie kognitive und kommunikative Fähigkeiten.
Schlussfolgerung: Von dem erleichterten Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung profitieren in Pflegegrad 1 vor allem Pflegebedürftige mit leichten Einschränkungen, die vor allem Unterstützung bei der Selbstversorgung und dem Umgang mit Krankheits- und therapiebedingten Anforderungen benötigen. Diese Gruppe benötigt häufig noch keine inhärente pflegerische Unterstützung. Allerdings werden viele innerhalb eines Jahres aufgrund von Verschlechterungen in präventionssensitiven Bereichen in einen höheren Pflegegrad eingestuft. Die zunehmende finanzielle Beanspruchung der Pflegeversicherung unterstreicht die Notwendigkeit, Ressourcen bedarfsgerechter einzusetzen und Prävention als zentralen Bestandteil der Leistungserbringung zu stärken.Background: In Germany, individuals in need of long-term care are entitled to benefits from the long-term care insurance system. In recent years, the number of beneficiaries has risen far beyond the level that could be expected from demographic trends. This development already places a considerable financial burden on the system and is projected to intensify further in the future. This study analyzes the characteristics of first-time applicants in the private long-term care insurance scheme, with a particular focus on Care Degree 1, in order to identify both preventive potential for insured individuals and possible reform elements for the insurance system.
Methods: Data were collected by Medicproof GmbH in the context of care assessments for privately insured individuals in Germany who submitted a first-time application for long-term care insurance benefits between 2017 and 2023. The data was provided in aggregated form and analyzed using descriptive methods.
Results: More than 70% of first-time applications result in classification into Care Levels 1 or 2. Individuals classified into higher care levels are more likely to be male and, on average, somewhat younger. They typically receive a substantial amount of professional care, whereas 83% of those in Care Level 1 are cared for exclusively by informal caregivers. Care Level 1 beneficiaries exhibit primarily minor mobility impairments, which in turn lead to limitations in self-care (Module 6) and in managing disease- and therapy-related demands (Module 5). Approximately 30% of individuals in Care Level 1 are reassigned to a higher care level within one year. The most pronounced increases in assessment scores occur in Module 1 (Mobility) and Module 2 (Cognitive and Communicative Abilities).
Conclusion: The facilitated access to long-term care benefits primarily supports individuals in Care Level 1 with mild impairments who mainly require assistance with self-care and managing disease- and therapy-related demands. This group frequently does not yet require inherent nursing support. However, about 30% of them are reassigned to a higher care level within one year due to deterioration in prevention-sensitive domains. Given the substantial financial strain on the long-term care insurance system, it is advisable to allocate resources more strategically and to orient Care Level 1 more strongly toward preventive measures
Assistive Systems in Care: Combining Sensor Technology and Socially Interactive Agents for Health Monitoring
Weltweit leben die Menschen zwar immer länger, aber nicht unbedingt gesünder, speziell im Alter. Um dies zu ändern, ist die Berücksichtigung der Gesundheits- und Pflegebedürfnisse älterer Menschen und die Förderung eines gesunden Alterns von entscheidender Bedeutung, insbesondere angesichts der Alterung der Bevölkerung und des Mangels an Gesundheitspersonal in vielen Ländern weltweit. Die Förderung der Gesundheitskompetenz und der Selbstfürsorge kann dies unterstützen, indem ältere Menschen in die Lage versetzt werden, eine proaktive Haltung zu ihrer Gesundheit einzunehmen. Assistive Technologien können durch Gesundheitsmonitoring und Erleichterung des Selbstmanagements dazu beitragen und so evidenzbasierte Strategien zur direkten Unterstützung des Wohlbefindens älterer Menschen nutzen.
Für eine umfassende und ganzheitliche Bewertung der Gesundheit älterer Menschen ist ein multidimensionaler Ansatz entscheidend, der die physischen, psychischen, sozialen und umweltbezogenen Gesundheitsdomänen berücksichtigt. In diesem Zusammenhang können subjektive Daten einen Einblick in das Wohlbefinden einer Person aus ihrer eigenen Sicht geben und zusätzlichen Kontext zu ihrem Gesundheitszustand liefern, während objektive Gesundheitsdaten gemessen, beobachtet oder selbst berichtet werden können und auf Fakten oder Zahlen beruhen. In dieser Dissertation wird ein Gesundheitsmonitoringsystem vorgestellt, das subjektive und objektive Daten über die Gesundheit und das Wohlbefinden älterer Menschen kombiniert. Ein solches System kann verschiedene Gesundheitsinformationstechnologien und unterstützende Technologien integrieren, um ein umfassendes Monitoring der eigenen Gesundheit zu erreichen: Ein sozialer Roboter oder virtueller Agent kann autonom Gesundheitsdatenerfassungen durchführen und so subjektive und objektive Gesundheitsdaten sammeln, während verschiedene tragbare und nicht tragbare Sensoren objektive Gesundheitsdaten erfassen können. Mit Hilfe der Design Science Research Methodology haben wir dieses System iterativ entwickelt und evaluiert, um sowohl eine Technologie zur Unterstützung des Gesundheitsmonitorings älterer Menschen bereitzustellen als auch Wissen über den effektiven Einsatz solcher Systeme in der realen Welt zu gewinnen.
Anhand von vier Nutzendenstudien mit drei Kohorten älterer Menschen aus Langzeitpflegeeinrichtungen, betreutem Wohnen und in der eigenen Häuslichkeit lebenden älteren Menschen haben wir Einblicke in die Faktoren gewonnen, die den Einsatz und die Akzeptanz von Gesundheitsmonitoringsystemen beeinflussen. Zu diesem Zweck haben wir das WiSH-TAM (in the wild social agent-integrated health-technology acceptance model) entwickelt - ein Akzeptanzmodell für Gesundheitstechnologien, das soziale Agenten integriert und das für die Integration solcher Systeme in reale Umgebungen verwendet werden kann. Wir haben zudem subjektive und objektive Datenquellen ermittelt, die einen umfassenden und ganzheitlichen Überblick über die Gesundheit älterer Menschen erlauben. Mit diesen Daten haben wir hohe Genauigkeiten bei der Klassifizierung des Gesundheitszustands älterer Menschen erzielt. Zudem haben wir Methoden zur Textklassifizierung vorgestellt, die geeignet sind, kontextbezogene Gesundheitsinformationen aus Mensch-Agent-Interaktionen abzuleiten. Durch die Kombination dieser Daten mit objektiven Daten konnten wir zeigen, dass die Einbeziehung von Gesprächsdaten dazu beiträgt, die Genauigkeit von Gesundheitsklassifizierungen zu erhöhen, und dass die Gesprächsdaten Möglichkeiten bieten, die Gesundheitskompetenz und die Selbstfürsorge älterer Menschen zu unterstützen. Ausgehend von den unterschiedlichen Settings und Kohorten, die in unseren vier Studien einbezogen waren, haben wir Einblicke in das Potenzial unseres Systems für diese Settings und Nutzenden gewonnen. Daher können wir schlussfolgern, dass das System für den Einsatz in all diesen Settings geeignet ist, vorausgesetzt, die älteren Menschen werden bei diesem Vorhaben unterstützt. Schließlich bietet das System auch Möglichkeiten zur Unterstützung integrierter Pflegeansätze, wie z.B. des von der Weltgesundheitsorganisation vorgeschlagenen Ansatzes der integrierten Pflege für ältere Menschen (Integrated Care for Older People - ICOPE).
Mit diesen drei Ergebnissen haben wir mit dem WiSH-TAM einen Beitrag zum sozialwissenschaftlichen Feld der Technologieakzeptanz, mit unserem Gesundheitsmonitoringsystem und seinen Fähigkeiten zur Gesundheitsklassifizierung einen Beitrag an der Schnittstelle von maschinellem Lernen und Medizin und mit der vorgeschlagenen Integration des Systems in den ICOPE-Ansatz einen Beitrag zur Public-Health-Forschung geleistet.While persons across the globe are increasingly leading longer lives, they are not necessarily leading healthier lives, particularly in old age. To support this, addressing the health and care needs of older adults and promoting healthy aging is vital - particularly in the wake of aging populations and the shortage of health care workers in many countries worldwide. Promoting both health literacy and self-care can support this, by empowering older adults to take a proactive stance regarding their health. Assistive technologies can provide support through health monitoring and facilitating self-management, and thus leveraging evidence-based strategies to directly support the well-being of older adults.
For a comprehensive and holistic assessment of health among older adults, a multidimensional approach which considers the physical, mental, social, and environmental health domains is crucial. Here, subjective data can provide insight into a person's well-being from their own point of view, and contribute context regarding their health status, while objective health data can be measured, observed, or self-reported and are based on facts or numbers. In this dissertation, we present a health monitoring system combining subjective and objective data related to the health and well-being of older adults. Such a system can encompass various health information technologies and assistive technologies to achieve comprehensive self-health monitoring: A social robot or virtual agent can autonomously conduct health assessments and thus collect subjective and objective health data, while various wearable and non-wearable sensors can acquire objective health data. Using the Design Science Research Methodology approach, we iteratively developed and evaluated this system, in order to both provide a technology to support health monitoring among older adults, whilst also providing knowledge on effective deployments of such systems in real-world settings.
Through four user studies with three cohorts of older adults from long-term care, assisted living, as well as community-dwelling older adults, we gained insight into factors influencing the deployment and adoption of health monitoring systems. To this end, we developed WiSH-TAM (in the wild social agent-integrated health-technology acceptance model), which can be used for integrating such systems into real-world settings. We also determined subjective and objective data sources to gain a comprehensive and holistic overview of the health of older adults. With these data sources we achieved high accuracies in classifying the health status of older adults, with a real-world dataset. We also presented text classification methods suitable to derive contextual health information from human-agent interactions. Combining these data with objective data, we showed that incorporating conversational data contributes to increasing the accuracy of health classifications, and that the conversational data can provide opportunities to support the health literacy and self-care of older adults. Building on the different settings and cohorts involved in our four studies, we gained insights into the potential of our system for these settings and users, and thus can conclude that the system is suitable for deployment in all these settings, provided the older adults are supported in this endeavor. Finally, the system also provides opportunities to support integrated care approaches, like the Integrated Care for Older People (ICOPE) approach proposed by the World Health Organization.
With these three outcomes, we have made contributions to the social scientific field of technology acceptance with the WiSH-TAM, to the intersection of machine learning and medicine with our health monitoring system and its health prediction capabilities, and to public health research through the proposed integration of the system into the ICOPE approach
Gruppeninteraktionen mit sozial interaktiven Agenten im öffentlichen Raum: Von der Analyse zur Gestaltung neuer soziotechnischer Interaktionsmodelle
Soziotechnische Gruppeninteraktionen stellen ein zentrales Zukunftsthema der Mensch-Maschine-Interaktion (MMI) dar. Einerseits dominiert in der Forschung zur MMI die Untersuchung dyadischer Interaktionen. Andererseits werden bestehende Studien zu Gruppeninteraktionen überwiegend in kontrollierten Laborumgebungen oder als Wizard-of-Oz (WOz)-Studien durchgeführt. Entsprechend mangelt es bislang an empirischen Untersuchungen zu autonomen sozial interaktiven Agenten (SIA) in realen Gruppenkontexten. Besonders in öffentlichen, situierten Interaktionen – also in Umgebungen, in denen Menschen spontan und unvorhersehbar mit SIA interagieren – sind die zugrunde liegenden sozialen und technischen Dynamiken bislang kaum erforscht.
Diese Dissertation schließt diese Forschungslücke durch Feldstudien mit autonomen SIA – dem sozialen Roboter Furhat und dem virtuellen Agenten MetaHuman – in öffentlichen Räumen. Ziel ist es, die Komplexität soziotechnischer Gruppeninteraktionen zu entschlüsseln und ein fundiertes, empirisch basiertes Verständnis der Dynamiken und Wechselwirkungen soziotechnischer Gruppeninteraktionen in öffentlichen Räumen zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt auf der Identifikation von Mechanismen, die soziotechnische Verbindungen stärken und bestehende Barrieren für Gruppeninteraktionen abbauen. Durch die Analyse von in situ Interaktionen wird untersucht, wie SIA effektiv in Gruppen integriert werden können, um ihre Interaktionsqualität zu optimieren. Wichtig ist nicht nur, wie SIA in bestehende Gruppen integriert werden, sondern auch, wie sie aktiv Kommunikation, Rollenverteilung und Kohäsion innerhalb der Gruppe beeinflussen. Die Ergebnisse leisten sowohl theoretische Beiträge für die MMI und angrenzenden Disziplinen als auch praxisorientierte Leitlinien für die Entwicklung zukünftiger Generationen von SIA, die soziale Dynamiken fördern, statt sie zu stören. Die Arbeit fußt auf dem Dynamischen-Soziotechnischen-Interaktionsmodell (DSI), das als theoretischer und methodischer Rahmen die Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT), Design-Based-Research (DBR) und Design Science Research (DSR) integriert, um soziotechnische Gruppeninteraktionen systematisch zu analysieren und gezielt zu gestalten.
Zur Untersuchung der Fragestellung wurde ein interdisziplinäres Forschungsdesign mit qualitativen und quantitativen Methoden entwickelt. Vier Feldstudien wurden in Museen, einer Hochschule und einer Stadtverwaltung durchgeführt. Eine als empirische Bestandsaufnahme angelegte Grounded-Theory-Videoanalyse (N = 176) zeigte, dass Gruppeninteraktionen durch dynamische Rollenverteilungen, emergente soziale Normen und situative Adaptivität geprägt sind. Auf dieser Grundlage wurde ein gruppensensitives Conversation Design entwickelt und in zwei A/B-Tests evaluiert (N = 188). Die Ergebnisse zeigen, dass adaptive Sprachstrategien allein keine signifikante Verbesserung der Interaktionsqualität bewirken.
Eine weitere Studie (N = 40) untersuchte mittels soziotechnischer Egonetzwerkanalyse (sENA) die Interaktionsrollen in Gruppeninteraktionen. Zudem wurde in einer Studie zur räumlichen Nähe (N = 187) eine multimodale quantitative Methodentriangulation durchgeführt, um subjektives Bonding (wahrgenommene soziale Nähe) und objektive Proximity (physische Nähe) zu erfassen. Während das Bonding per Fragebogen erhoben wurde, wurde die Proximity-Analyse mittels Videoauswertung durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass Gruppen tendenziell eine größere räumliche Distanz zu SIA einhalten, während Einzelpersonen eine stärkere soziale Nähe berichten.
Das Promotionsprojekt leistet einen substanziellen Beitrag zur (1) Theorie- und Modellbildung soziotechnischer Gruppeninteraktionen durch die Entwicklung des DSI, zur (2) Entwicklung und Evaluation adaptiver Gruppeninteraktionsstrategien für sozial interaktive Agenten (SIA) in öffentlichen Räumen sowie zur (3) methodischen Weiterentwicklung der empirischen Untersuchung von Gruppeninteraktionen, insbesondere durch die Anwendung und Adaption der Egonetzwerkanalyse und multimodaler quantitativer Triangulation.
Die Arbeit schließt mit einem Ausblick auf die Zukunft der gruppensensitiven MMI und diskutiert zentrale Herausforderungen und Potenziale. Sie trägt damit (4) zur Forschung und Entwicklung in anderen Bereichen Mensch-Maschine-Interaktion, darunter der Human-Robot-Interaction (HRI), Conversational Artificial Intelligence (AI), der Human-Agent-Interaction (HAI), sowie empirische Methoden für soziotechnische Gruppeninteraktionen bei.Sociotechnical group interactions represent a central future topic of Human-Machine-Interaction (HMI). On the one hand, research in HMI has been dominated by studies focusing on dyadic interactions. On the other hand, existing work on group interactions has been conducted predominantly under controlled laboratory conditions or within Wizard-of-Oz (WOz) setups. Consequently, there is still a lack of empirical investigations involving autonomous socially interactive agents (SIAs) in real-world group contexts. In particular, public and situated interactions – environments in which people engage spontaneously and unpredictably with SIAs – remain largely
unexplored with regard to their underlying social and technical dynamics.
This dissertation addresses this research gap through field studies with autonomous SIAs — the social robot Furhat and the virtual agent MetaHuman—in public spaces. Its aim is to unravel the complexity of sociotechnical group interactions and to develop an empirically grounded understanding of their dynamics and interdependencies. The focus lies on identifying mechanisms that strengthen sociotechnical connections and reduce barriers to group interaction. By analyzing in situ interactions, the study examines how SIAs can be effectively integrated into groups to enhance interaction quality. Beyond integration, it explores how SIAs actively influence communication, role distribution, and group cohesion. The findings contribute both theoretical insights to HMI and related disciplines and practical design guidelines for future generations of SIAs that support rather than disrupt social dynamics. The work is grounded in the Dynamic Sociotechnical Interaction Model (DSI), which integrates Actor–Network Theory (ANT), Design-Based Research (DBR), and Design Science Research (DSR) as a theoretical and methodological framework for systematically analyzing and designing sociotechnical group interactions.
To address the research questions, an interdisciplinary mixed-methods design combining qualitative and quantitative approaches was developed. Four field studies were conducted in museums, a university, and a city administration. A Grounded Theory video analysis (N = 176) revealed that group interactions are characterized by dynamic role distributions, emergent social norms, and situational adaptivity. Based on these insights, a group-sensitive conversation design was developed and evaluated in two A/B tests (N = 188). The results indicate that adaptive speech strategies alone do not significantly improve interaction quality.
A further study (N = 40) applied sociotechnical ego network analysis (sENA) to examine interaction roles within group settings. In another study on spatial proximity (N = 187), a multimodal quantitative triangulation was conducted to assess subjective bonding (perceived social closeness) and objective proximity (physical distance). While bonding was measured through questionnaires, proximity was analyzed via video data. The findings show that groups tend to maintain greater spatial distance from SIAs, whereas individuals report stronger perceived social closeness.
This dissertation makes substantial contributions to (1) theory and model building of sociotechnical group interactions through the development of the DSI, (2) the design and evaluation of adaptive group interaction strategies for SIAs in public spaces, and (3) the methodological advancement of empirical research on group interaction through the application and adaptation of ego network analysis and multimodal quantitative triangulation.
The work concludes with a discussion of future directions for group-sensitive HMI and highlights key challenges. It also contributes to (4) research and development in related domains such as Human–Robot-Interaction (HRI), conversational AI, Human-Agent-Interaction (HAI), and empirical methods for studying sociotechnical group interaction
Black-Box Experiments: Making Acquaintances with the Machinery
The black-box is a metaphor used to describe the manner through which technology is perceived, or rather used and dealt with nowadays—passive acceptance rather than active relationship with its functioning. This paper delves into this specific feature of the relationship between humans and electronics through the lens of the philosophy of technology. In the critical examination of the apparent dualism between a product’s surface and its underlying machinery, an uncomfortable question arises: As users of electronic products, do we only genuinely own their outer shell but not their technological interiors? This assumption sparked a series of experiments to explore how products can be designed from the inside-out and to establish a deliberate relationship with the machinery instead. As a result, four radio receivers (representatives for many more electronic devices) each illustrate a different interpretation of access to technology by means of design
Transformation von klassischen zu virtuellen Lernfabriken. Vergleichende Studie zu Lernerfolg und Lernmotivation in physischen und VR-gestützten Lernfabriken
Virtuelle Lernfabriken können genutzt werden, um Studierenden praxisrelevante Kompetenzentwicklung zu ermöglichen. Der Betrieb von virtuellen Lernfabriken im Vergleich zu physischen ist mit geringerem Ressourceneinsatz möglich. Ziel der Studie ist zu überprüfen, ob eine Transformation von physischen zu VR-gestützten Lernfabriken zu vergleichbaren Ergebnissen hinsichtlich Lernerfolg und -motivation führt. In der Studie werden theoretische Kenntnisse zu Prozessverbesserungen in der Montage in einer vergleichenden Studie von Studierenden praktisch angewendet. Die Studienergebnisse weisen auf eine positive Einflussnahme von VR-gestützten Lernmethoden in der Hochschullehre hin
Teaching Business Process Automation in a Learning Factory
Business Process Automation (BPA) requires diverse technical, methodological, social, and personal competences. Project-Based and Problem-Based Learning can support acquiring these skills by having student teams develop automation solutions in projects. However, challenges like integrating automation into enterprise landscapes are often missing due to simplified project settings at university. This Scholarship of Teaching and Learning project explores using learning factories to create more complex, realistic settings, enhancing students’ competencies. A learning factory was integrated into existing teaching, and preliminary evaluations with interviews and pilot tests highlight benefits and limitations for educators