Open Access Zeitschriften des Universitätsverlages der Technischen Universität Chemnitz
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Wer spielt wie? – Eine interdisziplinäre Metaanalyse der diversen Motivationsfaktoren hinter dem menschlichen Bedürfnis zur Teilnahme an Spielaktivitäten
Spiele dienen einerseits rein freizeitlichen Bestimmungen wie Zerstreuung, Unterhaltung und Belustigung, widmen sich andererseits aber auch den handfesteren Themen der Selbstverbesserung, Selbstbestätigung oder Selbstfindung. Dabei verspüren nicht alle Menschen gleichermaßen Motivation, in den unterschiedlichen Bereichen aktiv zu sein. Persönliche Vorlieben, geistige Prädispositionen und die persönlichkeitsprägende Lebensgeschichte sind wichtige Faktoren bei der Ausprägung der eigenen spielerischen Vorlieben. Diese manigfaltigen Herangehensweisen an das Thema Spiele werden im Rahmen der vorliegenden Metarecherche untersucht und unter der Fragestellung „Wer spielt wie?“ Gemeinsamkeiten zwischen den Veröffentlichungen der wissenschaftlichen Disziplinen Psychologie, Informatik, Game Science und Sozialwissenschaften ergründet. Übergreifend über verschiedene Wissenschaftsbereiche hinweg können so Kernfaktoren zur Identifizierung und Charakterisierung bestimmter Menschengruppen erschlossen und für die Bildung von vielschichten Personas herangezogen werden. Hierbei findet zunächst eine Recherche in die Breite statt, um generelle Methoden zur Kategorisierung spielrelevanten Verhaltens auf einer allgemeinen geisteswissenschaftlichen Ebene zu ergründen. Die Ergebnisse dieser umfassenden Literaturanalyse können zukünftig beispielsweise bei der Umsetzung von auf den entstandenen Personas basierenden Spielmechaniken in auf Experimentalziele und erweiterte Forschungsfragen ausgerichteten (Video)spielen genutzt werden
Measuring Inter-subjective Agreement on Units and Attributions in Comics with Annotation Experiments
Die Konzeptualisierung von Analyseeinheiten bleibt ein grundlegendes Problem der Comicforschung. Obwohl es viele Ansätze zur Differenzierung von Comiceinheiten gibt, wurden die meisten bislang nicht ausreichend empirisch überprüft. In diesem Beitrag argumentieren wir, dass die Abgrenzung von Einheiten aufgrund einer Klassifizierung von Gruppen visueller und textueller Markierungen nach Typ, Funktion oder semantischer Kategorie erfolgen sollte. Hierfür präsentieren wir eine Methodik, die die intersubjektive Übereinstimmung („agreement“) von Comic-Leser:innen bei der Bestimmung von Analyseeinheiten erfasst und prüft. Mithilfe eines Online-Tools ermöglichen wir es, händisch potenzielle Analyseeinheiten auf digitalen Comic-Seiten zu skizzieren und ihnen Attribute und Klassifizierungen in Form einer Annotation zuzuordnen. Wir demonstrieren die Anwendung anhand zweier Experimente, die die Übereinstimmung der Annotationen in der Bestimmung von Segmenten einer Comicseite sowie der Beurteilung von Hintergrundinformationen testen. Das erste Experiment zeigt, dass die Verwendung einer binären Klassifizierung für Hintergrundstandortinformationen unzureichend ist und Verfeinerungen notwendig macht. Das zweite Experiment dient der Bewertung der Übereinstimmung mittels zweier skalarer Methoden – Likert-Skalen und kontinuierlicher Skalen. Diese Experimente, so unsere Argumentation, untersützen die Annahme, dass empirisch verankerte Bestimmungen von Analyseeinheiten durch Comicleser:innen eine Basis für die Erstellung von Modellen für die Struktur von Comics bilden können.The conceptualisation of units of interpretation and analyses remains an inherent issue across comics studies. Despite the many conceptualisations of comics units from numerous theories and disciplines, empirical assessments of their validity as proxies for reader interpretation have yet to receive adequate attention. We argue that unit delineation practically involves classifying groups of visual and textual markings according to type, function or semantic category. Based on this, we present a nascent methodology for collecting and measuring inter-subjective agreement by comics readers on proposed units of comics and their attributes. We create an online tool to facilitate handmade segmentations on digital comic pages and assigning labels or classifications appropriate to the annotation task, resulting in segmentation-attribute pairs. We demonstrate the methodology through two inter-annotator agreement experiments that test a segment-attribute pair of p a n e l s e g m e n t a t i o n and a judgment of b a c k g r o u n d l o c a t i o n i n f o r m a t i o n . The first experiment shows that assigning a binary classification for panel background judgments requires refinements. The second experiment reconceptualises the task to assess agreement on two scalar methods, namely Likert ratings and a continuous scale. We argue that these experiments support the claim that we can build models of structures in comics with an empirical anchor of reader judgments through this methodology
Semiotics of Space, Semiotics of the City
Der Beitrag bietet einen Überblick über die Raumsemiotik, wie sie in den letzten zwanzig Jahren in Italien praktiziert wurde. Nachdem die semiotische Relevanz der Erforschung des Raumes identifiziert wurde, wird die Unterscheidung zwischen objektivierenden und subjektivierenden Konzeptionen hervorgehoben, wobei betont wird, dass diese beiden Arten von Räumlichkeit nur aufgrund von Bedeutungseffekten, die durch und in Texten konstruiert wurden, existieren. Anschließend werden zwei Hauptforschungslinien untersucht, auf die sich die Semiotik konzentriert hat: diejenigen, die sich mit der räumlichen Darstellung und Konstruktion in verschiedenen Arten von Erzählungen befassen (Raum im Text), und diejenigen, die sich mit der erlebten Räumlichkeit beschäftigen (Raum als Text). Der zweite Teil des Beitrags widmet sich einem räumlichen Text, der aufgrund seiner Zentralität und Ausdehnung Gegenstand zahlreicher Untersuchungen war: der Stadt, einer komplexen Einheit, die aus politischer, gastronomischer, touristischer, kommerzieller und kultureller Sicht gelesen wurde.The paper will provide an overview of the semiotics of space as it has been investigated in Italy in the last twenty years. After identifying the semiotic relevance in the study of space, the distinction between objectivating and subjectivating conceptions is recalled, stressing how these two kinds of spatiality are such only by virtue of effects of meaning constructed by and in texts. We then examine two macro lines of research on which semiotics has focused: those on spatiality described and constructed in various types of narrative (space in the text) and those on experienced spatiality (space as text). The second part of the contribution is dedicated to a spatial text that, due to its centrality and extension, has been the object of numerous investigations: the city, a complex entity, which has been read from a political, gastronomic, tourist, commercial and cultural point of view
Fifty Years Off-key: A Map of Musical Semiotics from the Italian Perspective
Musik stellte schon immer ein Problem für die Semiotik dar. In der Folge ist Musiksemiotik die am meisten vernachlässigte Disziplin innerhalb der so genannten „angewandten Semiotik“. Dieser Artikel zeigt zunächst auf, inwiefern die primär sprachorientierten semiotischen Episteme durch die Musik vor eine Reihe theoretischer Herausforderungen gestellt werden. Anschließend wird die zentrale Rolle der italienischen Forschung beginnend in den 1970er Jahren bis in die 2000er auf diesem Gebiet beleuchtet. Eine Schlüsselfigur ist Gino Stefani (1929–2019), ein Pionier der semiotischen Musikanalyse, der in Bologna unter der Schirmherrschaft von Umberto Eco arbeitete und eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Musikwissenschaft, Musikpädagogik, Popularmusikstudien und Semiotik förderte.Music has always been a problem for semiotics to the extent that the semiotics of music (music semiotics or musical semiotics) is the most neglected among the so-called “applied semiotics”. Therefore, this paper first exposes how music presents a series of theoretical challenges to the verbally and visually-oriented semiotic episteme. Subsequently, it highlights the pivotal role of Italian scholarship in the field, from the 1970s to the 2020s. A foundational figure is Gino Stefani (1929–2019), a pioneer of the semiotic analysis of music who operated in Bologna under the auspices of Umberto Eco and propitiated a fertile collaboration between musicology, musical pedagogy, popular music studies and semiotics
Lachen als Zeichenprozess
Das Heft „Lachen als Zeichenprozess“ untersucht Lachen aus verschiedenen disziplinären Perspektiven als ein semiotisches Phänomen mit unterschiedlichen kommunikativen Funktionen. Es gibt einen Überblick über die Lachforschung und verbindet dabei Ansätze aus Psychologie, Sprachwissenschaft, Philosophie, Comicforschung und anderen Gebieten, die Lachen als (im weiten Sinne) zeichenhaftes Phänomen begreifen und in seinen psychologischen, historischen, literarischen und kulturellen Dimensionen untersuchen.The thematic issue “Laughter as a sign process” examines laughter from different disciplinary perspectives, in view of its semiotic dimensions as a means of communication. It provides an overview of laughter research, combining approaches from psychology, linguistics, philosophy, comics research and other fields. The contributions investigate laughter as a symbolic and communicative phenomenon in its psychological, historical, literary, and cultural dimensions