Open Access Zeitschriften des Universitätsverlages der Technischen Universität Chemnitz
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Selbstoptimierung aus philosophisch-ethischer Perspektive
Zu Beginn wird versucht, jenseits von Polarisierungen eine möglichst sachliche Begriffsbestimmung vorzunehmen. Es zeigt sich aber, dass der Begriff „Selbstoptimierung“ selbst nicht neutral ist, weil allen Selbstoptimierungsbestrebungen eine positive Veränderung hin zu einem vollkommeneren Zustand unterstellt wird. Um „Verbesserungen“ von „Verschlechterungen“ unterscheiden zu können, braucht es aber normative Orientierungsmaßstäbe, die im Beitrag erläutert werden: Aus einer individualethischen Perspektive wird geprüft, inwiefern Selbstoptimierung zum Glück der Einzelnen beiträgt. Aus der moralischen oder sozialethischen Perspektive hingegen geht es um die Frage, ob sich der Selbstoptimierungstrend negativ auf die Qualität des Zusammenlebens auswirkt.Firstly, an attempt is made to define the term “self-optimisation” as objectively as possible, i.e. beyond any polarisation. It becomes apparent, however, that the term itself is not neutral because all self-optimisation efforts are assumed to lead to a positive change towards a more perfect state. In order to be able to distinguish “improvements” from “deteriorations”, normative orientation standards are required, which are explained in the article: On the one hand, from an individual-ethical perspective, it will be assessed to what extent self-optimisation contributes to the happiness of the individual. From a moral or socio-ethical perspective, on the other hand, the question is posed whether the trend towards self-optimisation has a negative impact on the quality of living together
Enhancement als Weg zum posthumanen Körper? Über die Divergenzen der Körperdeutungen von Transhumanismus und gegenwärtigem Alltagsverständnis
Über Human Enhancement wird kontrovers diskutiert. Die Divergenz der Einschätzungen resultiert dabei unter anderem aus unterschiedlichen Verständnissen davon, wie ein modifizierter Körper zu deuten sei. Vor allem Interpretationen transhumaner Zukunftsvisionen weichen dabei vom Alltagsverständnis ab. Der Transhumanismus skizziert die veränderten Körper als posthumane Wesen und nicht mehr als Menschen, das Alltagsverständnis betrachtet sie nach wie vor als human. Zur Reflektion der Frage, inwiefern sich die durchaus vielbesprochenen transhumanistischen Visionen eignen, um Enhancement-Konzepte zu beurteilen, hinterfragt der Beitrag, wie der Transhumanismus zu seinen Körperdeutungen kommt. Er wird herausarbeiten, dass im Transhumanismus transhumane Körper und transhumanistische Visionen ko-konstitutiv sind. Die transhumanen Körper sind das Transhumane am Transhumanismus, werden aber selbst erst transhuman, weil sie im Kontext transhumanistischer Visionen interpretiert werden. Sie dienen dem Transhumanismus dazu, sich als Zukunftsvisionen von der Gegenwart abzuheben und sind gerade nicht dazu gedacht, sich in der Gegenwart zu realisieren. Transhumanistische Visionen lassen sich demnach grundsätzlich nutzen, um in Gedankenspielen über technische Entwicklungen verschiedene Szenarien über deren Folgen zu durchdenken, dürfen jedoch nicht als Prognosen angesehen werden.Human enhancement is the subject of controversial debate. The divergence of assessments results, among other things, from different understandings of how a modified body can be interpreted. Above all, interpretations of transhuman visions of the future deviate from everyday understanding. Transhumanism portrays modified bodies as posthuman beings and no longer as human beings, while everyday understanding continues to regard them as human. In order to reflect on the question to what extent the much-discussed transhumanist visions are suitable for judging enhancement concepts, the article questions how transhumanism gets to its interpretations of the body. It will elaborate that in transhumanism transhuman bodies and transhumanist visions are co-constitutive. The transhuman bodies are what is transhuman about transhumanism, but they themselves only become transhuman because they are interpreted in the context of transhumanist visions. They serve transhumanism to stand out from the pres- ent as visions of the future and are precisely not intended to be realized in the present. Transhumanist visions can be used accordingly to think about technical developments and their consequences. However, they must not be seen as predictions that would inevitably arrive with the development of technology
Manipulation zum Besseren: Selbstoptimierung in Therapie und Coaching
Der vorliegende Text widmet sich der unterschiedlichen Ausformung des Selbstoptimierungstopos in therapeutischer Arbeit und in der Coaching-Industrie. Dabei wird vor dem Hintergrund dieser beiden Bereiche insbesondere auf die unterschiedliche manipulative Bespielung dieses Topos fokussiert. Manipulation, so wird anhand eines neutralen Verständnisses des Phänomens behauptet, ist eine Form der Beeinflussung, die in problematischer, aber auch gutartiger Weise gestaltet werden kann. Dies soll insbesondere in der Abgrenzung therapeutischer Manipulationen von der manipulativen Beeinflussung durch die Coaching-Industrie zeigen.The present text is dedicated to the different shapings of the self-optimization topos in therapeutic work and in the coaching industry. Against the background of these two fields, the focus is particularly on the different manipulative engagements with this topos. Manipulation, it is argued on the basis of a neutral understanding of the phenomenon, is a form of influence that can be shaped in both problematic and benign ways. This may become particularly evident when comparing therapeutic manipulations to manipulative tactics often employed by the coaching industry
Selbstoptimierung
Dieses Heft widmet sich dem Phänomen der Selbstoptimierung aus interdisziplinärer Perspektive. Die Beiträge untersuchen historische Grundlagen, gegenwärtige Ausprägungen und zukünftige Entwicklungen eines Diskurses, der individuelle Lebensführung ebenso berührt wie gesellschaftliche Ordnungen. Im Zentrum stehen Praktiken, Technologien und Konzepte der Selbstverbesserung – von digitalen Tracking-Systemen über soziale Medien bis hin zu posthumanistischen Visionen. Dabei werden ethische, soziale und kulturelle Implikationen kritisch reflektiert. Das Heft beleuchtet, wie Selbstoptimierung zugleich Ausdruck individueller Autonomie und Instrument gesellschaftlicher Steuerung sein kann. Dabei wird die Frage nach dem Verhältnis von Freiheit, Kontrolle und Verantwortung neu gestellt.This issue explores the phenomenon of self-optimization from an interdisciplinary perspective. The contributions examine the historical foundations, current manifestations, and future trajectories of a discourse that affects both individual life practices and broader social structures. At the core are practices, technologies, and conceptual frameworks of self-enhancement – from digital tracking systems and social media to posthumanist visions. The issue critically reflects on the ethical, social, and cultural implications of these developments. It shows how self-optimization can serve both as an expression of individual autonomy and as a mechanism of societal control. The relationship between freedom, regulation, and responsibility thus being reframed
Multimodal Semiotics for the Analysis of Comics and Graphic Novels
Dieser Beitrag stellt sich der umfassenden Herausforderung, primär literarisch-hermeneutische Annäherungen an Comics und Graphic Novels mit detaillierteren und präziseren Analysen in Einklang zu bringen. Die hierfür verwendeten semiotischen Konzepte orientieren sich primär an dem Phänomen der Multimodalität. In der Comicforschung haben sich eine Reihe von Annahmen über Semiotik etabliert, die aufgrund substanzieller Fortschritte in der Behandlung komplexer Medien wie Comics und Graphic Novels in den letzten Jahren dringend revisionsbedürftig sind, was in vielen Diskussionen über diese Medien bisher nicht ausreichend berücksichtigt worden ist. Anhand mehrerer Beispiele aus komplexen Erzählungen sollen die Möglichkeiten einer allgemeineren semiotischen Darstellung veranschaulicht werden, die den formalen Details ihres Gegenstands dennoch eng verbunden bleibt und damit Möglichkeiten für eine gezieltere Erforschung einer Vielzahl von Phänomenen eröffnet, die bisher oft eher lose unter Groensteens Begriff des „braiding“ zusammengefasst wurden.The broad challenge taken on in this contribution is to attempt to reconcile more literary-hermeneutic approaches to comics and graphic novels, on the one hand, and closer, more finegrained analytic accounts, on the other. This will be done by applying a semiotic framework that takes the phenomenon of multimodality as its primary organising principle. The discussion begins by showing how several assumptions commonly made in the comics research literature concerning the nature of semiotic account need to be redrawn because of substantial developments in recent years directly relevant to the treatment of complex media, such as comics and graphic novels. This appears not to have been realised sufficiently in many discussions of those media. Several examples of complex narrative will be drawn on to illustrate the possibilities of a broader semiotic account that nevertheless maintains a tight connection to the details of form, thereby opening up possibilities for more focused research on a variety of phenomena previously often grouped rather loosely under Groensteen’s notion of braiding
Semiotics of Fashion
Dieser Beitrag zielt darauf ab, die verschiedenen Arbeiten im Bereich der italienischen Modesemiotik systematisch zu erfassen. Dabei erfolgt eine strukturierte Gliederung von allgemeinen Aspekten bis hin zu spezifischen Themen. Beginnend mit der Konzeption der Mode als Sprache durch Umberto Eco, wird die Bedeutung der Mode auf den Körper und die Sinneswahrnehmung durch Paolo Fabbri betrachtet. Anschließend werden Stile, Trends, Verbindungen zu anderen Disziplinen, Objekten und Orten im Kontext des Modesystems unter Einbeziehung einiger herausragender Vertreter der italienischen wissenschaftlichen Gemeinschaft untersucht. Im Rahmen dieser Betrachtungen werden auch Parallelen zum zeitgenössischen Kontext gezogen, um den Einfluss auf die Analyse neuerer Phänomene im Bereich der Mode aufzuzeigen.This contribution aims at systematising the various works in the field of Italian fashion semiotics, proceeding by topicalisation, from the general to the particular, starting from the moment in which it is defined as a language by Umberto Eco, passing through its eminently sensible repercussion on the body with Paolo Fabbri, and arriving at styles, trends, connections with other disciplines, objects and places, thanks to some of the prominent exponents of the Italian scientific community. During the review of these various perspectives, some parallelisms will be made with the contemporary world to trace their influence on the analysis of the most recent phenomena in the fashion system
Konzeption eines ophthalmologischen Dashboards zur Visualisierung von Patientenverläufen und Annotation von Visus-Werten
Um den ophthalmologischen Behandlungsfortschritt von Patient:innen beurteilen zu können, ist es notwendig, einen detaillierten Überblick über die ophthalmologischen und die allgemeinmedizinischen Daten wie beispielsweise Diagnosen, Therapien und Medikationen zu erhalten. Dabei stellt insbesondere die Beurteilung des Behandlungserfolges in Form der Vorhersage der Sehschärfe (Visus) aufgrund der Heterogenität und Unvollständigkeit der zur Verfügung stehenden Daten eine Herausforderung dar. Für die Visualisierung der ophthalmologischen Patient:innen-Verläufe sowie der Annotation zur Visus-Vorhersage wurde hierzu ein erstes Dashboard in Microsoft Excel realisiert. Die Ästhetik und die Funktionalität dessen wurden mittels des VisAWI-Fragebogens und weiterer gezielter Fragen untersucht. Das Ziel dieses Beitrags ist es somit, die Eigenschaften, die technischen Hintergründe und die Ästhetik des realisierten Dashboards zu beurteilen, um schließlich Schlussfolgerungen zur anwendungsbezogenen Erweiterung hin zu einer Therapie-Assistenzfunktion für Patient:innen mit degenerativen Netzhauterkrankungen innerhalb der medizinischen Versorgung zu ermöglichen. So erzielte das entwickelte Dashboard unter den fünf befragten Teilnehmer:innen eine insgesamt positive Beurteilung und erreichte indessen im Kontext des VisAWI-Fragebogens einen Wert von 5,5 ± 1,3 auf der 7-stufigen Likert-Skala