Open Access Zeitschriften des Universitätsverlages der Technischen Universität Chemnitz
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Lachen als Lachreiz: Zeichentheoretische Aspekte des Lachyoga
Der vorliegende Artikel untersucht Lachen im Kontext der Lachtherapie. Das in Indien entstandene Lachyoga beruht auf dem willkürlichen Lachen in der Gruppe, welches durch einfache Yoga-Atem- und Dehn-Übungen begleitet wird. Sein Urheber Madan Kataria hat die Technik als „Lachen ohne Grund“ charakterisiert, was zum Slogan der Lachyogis wurde. Bei genauerem Hinsehen bildet Lachyoga jedoch ein durchdachtes System von Auslösern der Erheiterung und des Lachens, in dem das Lachen selbst instrumentalisiert wird. Lachen wird in spielerische Kontexte eingebettet, wobei gezielt emotionale Ansteckung gefördert wird; außerdem fungiert das Lachen des Leiters als Einladung beziehungsweise Aufforderung zum Mitlachen. In diesem Artikel werden ansteckendes Lachen, Einladungen und Aufforderungen zum Mitlachen semiotisch modelliert. Da die meisten Lachübungen pantomimische Darstellungen von mehr oder weniger typischen Lachsituationen enthalten, bieten sie außerdem Anlass zu Überlegungen über das Verhältnis zwischen Lachen und Gesten.The present article investigates laughter in the context of laughter therapy. Laughter yoga, a technique developed in India, is based on a prolonged voluntary laughter in the group, combined with yogic breathing and stretching. According to programmatic statements of laughter yoga founder Madan Kataria, his practice can be characterized as “laughing for no reason”. This phrase became a slogan of laughter yogis, although it is not fully realistic, since this exercise program contains various elicitors of laughter and exhilaration that are interrelated with the laughter itself. Laughing is embedded in funny situations by which emotional contagion is specifically supported. Furthermore, the trainer’s laughter can function as an invitation or a request to laugh. The present article focuses on sign processes connected with laughter and deals with the following question: How can contagious laughter, invitation and request to laugh be modeled on a semiotic basis? Pantomimic laughter yoga exercises also show an interesting interplay between laughter and gestures that shall be discussed
Zeichen und Verantwortung
Einführung in das Themenheft „Kommunikation, Inferentialismus und Semiotik – Robert B. Brandoms Expressive Vernunft“.Introduction to the special issue „Communication, Inferentialism and Semiotics – Robert B. Brandoms Making It Explicit“ (German title: „Kommunikation, Inferentialismus und Semiotik – Robert B. Brandoms Expressive Vernunft“)
Zum Zeichenbegriff in Brandoms „Expressiver Vernunft“
Der philosophisch-linguistische Pragmatismus der Expressiven Vernunft Robert B. Brandoms wird skizziert, auf seine Anschlussfähigkeit zu semiotischen Fragestellungen untersucht und die offenkundige Möglichkeit geprüft, ihn als Beitrag zu einer allgemeinen Semiotik zu verstehen. Dafür wird das von Brandom gesetzte, aber nicht eigens festgelegte Kommunikationsmodell herausgearbeitet und schließlich der Ansatz mit einem Zirkelvorwurf konfrontiert. Denn Sprache lasse sich nicht – so die Kritik – ohne vorausgesetzte mentale Konzepte erlernen, auf die Brandoms auf Proposition, Behauptung, Urteil und Begriff gestützter Inferentialismus aber verzichte. Schließlich wird im letzten Abschnitt die Idee der Intentionalitätszuschreibung aufgenommen und so erweitert, dass das Modell auch sprachliche Attribuierungen von Intentionalität erlaubt, die keinen propositionalen Kern enthalten oder die keinen solchen artikulieren.This is an article on Robert B. Brandom’s philosophical and linguistic pragmatism as expressed in his Making It Explicit asking whether it can be connected to linguistic semiotics thus contributing to more general semiotics. For this reason the essay shall elaborate on Brandom’s underlying but rather implicit communication model which – according to critics – consists of circular argumentation. The reproach of Brandom’s critics is that language can not be learned without a preset of mental concepts missing in Brandom’s inferentialism, which is merely based on proposition, assertion, reason and (non-mental) concept. Finally, this essay ends with the idea that a further step in theory is needed to analyse linguistic attributions of intentionality without attributing a propositional core at the same time
Ideenmanagement: Was ist der Stand? Was bringt die Zukunft?
Ideenmanagement kann als Zusammenfassung von Betrieblichem Vorschlagswesen und Kontinuierlichem Verbesserungsprozess verstanden werden und als ein Schritt auf dem Weg zum integrierten Managementsystem. Ideenmanagement wird in vielen Organisationen eingesetzt, in der Wissenschaft aber selten thematisiert. Für diesen Aufsatz werden die Daten einer Erhebung des Ideenmanagements bei 261 Organisationen herangezogen, dies ist der größte aktuelle Datensatz über das Ideenmanagement im deutschsprachigen Raum. Im ersten Teil des Aufsatzes werden Erfolgskennzahlen (rechenbarer Nutzen pro Beschäftigte und Jahr, Beteiligungsquote etc.) und Strukturkennzahlen (Bearbeitungszeiten, Anzahl der Ideenmanager pro 1000 Beschäftigte etc.) vorgestellt. Im zweiten Teil des Aufsatzes wird berichtet, wie die Ideenmanager zukünftige Trends (Gamification, Industrie 4.0 / Arbeit 4.0 etc.) einschätzen. Dabei werden die Einschätzungen erfolgreicher Ideenmanager denjenigen ihrer weniger erfolgreichen Kollegen gegenübergestellt. Wenn „Erfolg“ ein zeitlich stabiles Phänomen ist, dann sollten die Einschätzungen der erfolgreichen Ideenmanager eine größere Trefferquote zeigen
Multimodale Testumgebung zum barrierearmen Bauen und Wohnen
Der fortschreitende demografische Wandel, verbunden mit einer Überalterung der Gesellschaft, führt in naher Zukunft dazu, dass die Kapazitäten für stationäre Pflegeplätze nicht ausreichen werden. Pflegeprozesse werden zunehmend in der Häuslichkeit stattfinden. Es ist von essentieller Bedeutung, dass Personen in jeder Lebenslage (aktive Senioren, Menschen mit Unterstützungsbedarf, Pflegebedürftigkeit oder Behinderungen sowie Familien, Singles und Paare) weitestgehend selbstbestimmt in ihrer vertrauten Wohnumgebung leben können. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, dass professionellen und paraprofessionellen Akteuren die Möglichkeiten des barrierearmen und assistierten Wohnens aufgezeigt werden. Dazu soll eine interaktive, multimodale Erlebniswelt mit einem entsprechenden Planungs- und Ausstattungskonzept geschaffen werden. Die einzelnen Bedarfe der professionellen Akteure (z. B. Pflegekräfte, Handwerk, Wohnungswirtschaft), die dabei unterstützen, konnten innerhalb des Projektes Chemnitz+ erhoben werden. Durch die Wissensvermittlung der relevanten Themen über mehrere Sinneskanäle besteht der Ansatz darin, die vorhandenen Kompetenzen der Akteure zu erweitern und somit die berufliche Handlungskompetenz zu stärken. Den Teilnehmenden und Besuchern des Test- und Demonstrationszentrums WohnXperium werden durch verschiedene interaktive und multimodale Zugänge (Sinnestunnel, Testflächen, AAL) die Methoden und Konzepte zum barrierearmen Bauen und Wohnen näher gebracht
Der Entwurf eines ziel- und nutzerorientierten Druckspeichers in Abhängigkeit des Services
Der Produktentwicklungsprozess (PEP) von Mobilitätszellen, vom Entwurf bis zur Serien-reife, ist ein komplexer Prozess. Die zunehmenden Kundenanforderungen und Wettbewerbern führen zu einer Verkürzung des Entwicklungs- und Innovationszyklus von Produkten. In dem bisherigen PEP war die Definition von technischen Anforderungen eines neuen Produktes von großer Bedeutung. Sowohl eine Erweiterung des bestehenden Prozesses als auch die Ableitung von Kundenservice in technische Merkmale und Eigenschaften stellt die Verkehrssparte vor eine zu lösende Herausforderung.Eine weiterer wichtiger Aspekt für die Mobilitätsindustrie sind die zunehmenden äußeren Einflüsse, wie beispielsweise die Senkung der maximal zulässigen Emissionsraten sowie der zunehmende Wettbewerb auf den etablierten Absatzmärkten. Diese erfordern beispielsweise die Entwicklung und Anwendung von neuen Antriebstechnologien. Resultierend aus dem Wandel von konventionellen Antriebssystemen hin zur Elektromobilität ist sowohl die Integration von neuen Komponenten, wie beispielsweise Batterien oder Druckspeichern, in bestehende Bauräume von konventionellen Plattform-/ Modulstrategieansätzen, als auch die Auslegung der resultierenden Systemeigenschaften im zeitlichen Verlauf der Produkt-entwicklung notwendig. Um den Reifegrad des Bauteils, beispielsweise Druckspeicher, der Baugruppe sowie des Produkts definieren zu können, ist eine stetige Analyse und Synthese der Merkmale und Eigenschaften erforderlich. Dies ermöglicht der CPM Ansatz nach Weber. Durch eine Analyse von Systemparametern können die wichtigsten Einflussfaktoren auf das Gesamtsystem abgeleitet werden. Die Simulation basiert auf den gewonnenen Erkennt-nissen und ermöglicht einen ziel- bzw. anwendungsorientierten Entwurf. Des Weiteren wird der Reifegrad des Produkts im PEP definiert. Die Parameter des Services können zudem auf die Systemeigenschaften des Produkts übertragen werden. Dies wird in dem Beitrag am Beispiel eines Druckspeichers näher diskutiert
Bezeichnenderweise Eco: Nachruf auf Umberto Eco (1932 – 2016)
Mit Umberto Eco hat die Semiotik einen der originellsten Zeichentheoretiker und zugleich einen Zeichen-setzenden Intellektuellen verloren. Dies ist mehr als eine Metapher: Ecos Analysen zeitgenössischer Kulturphänomene gingen so weit, dass er durch sie die betreffenden Kulturen veränderte. Er nahm als einer der ersten die Popkultur des späten zwanzigsten Jahrhunderts vom Krimi bis zum Comic unter die (semiotische) Lupe und wurde damit schließlich selbst zu einem Teil der Gegenwartskultur. Glaubt man gewissen Rankings, dann war Eco, der verschmitzte Analytiker der Massenkultur, gegen Ende seines Lebens ein weltweiter Popstar der Wissenschaft wie Chomsky oder Dawkins. Der Nachruf auf Umberto Eco stellt wichtige Entwicklungslinien der Semiotik Umberto Ecos vor und fokussiert dabei auf weniger bekannte Publikationen und Aktivitäten. Er enthält zudem die Erstveröffentlichung einer Karikatur, die Umberto Eco in den 1980er Jahren anfertigte und die im Archiv für Semiotik in Berlin (mittlerweile in Chemnitz) gefunden wurde. Sie lässt sich als Persiflage zeitgenössischer Kommunikationstheorien lesen.With Umberto Eco, semiotics has lost one of its most original thinkers, whose work sent a powerful signal to liberal intellectuals all around the world. Eco\u27s analysis of contemporary cultural phenomena became very influential. He was one of the first academic scholars who took the pop culture of the late twentieth century seriously. From mystery novels to entertainment and comics: everything was put under his semiotic magnifying glass. Eco not only anaysed contemporary culture, but also influenced it with his combination of deep intellectuality and light-hearted wit. Towards the end of his life, the cunning analyst of mass culture became a worldwide pop star of science like Noam Chomsky or Richard Dawkins. This obituary for Umberto Eco recapitulates the development of his semiotics, with a focus on less well-known publications and activities. It also includes a previously unpublished cartoon drawn by Umberto Eco from the 1980s found in the Archive of Semiotics in Berlin (now in Chemnitz), which can be read as a humorous commentary on communication theories of the time
Interview on biosemiotic ethics with Wendy Wheeler
In diesem Interview diskutiert Wendy Wheeler, emeritierte Professorin der englischen Literatur- und Kulturforschung an der London Metropolitan University, ihre Gedanken zur Biosemiotik und deren Relevanz für die Ethik. Nach Wheelers Verständnis kann Biosemiotik eine Ethik begründen, weil sie eine alternative und angemessene Ontologie der Beziehungen bereithält. Sie erläutert ihre Gedanken zu Peirce als einer der Gründungsfiguren der Biosemiotik und erklärt, warum sie an der Möglichkeit einer gesetzlichen Rahmung der ökologischen Ethik zweifelt. Darüber hinaus diskutiert sie ihre Ansichten zur Möglichkeit moralischen Handelns in nicht-menschlichen Organismen und warnt vor Konzepten, die auf menschlicher Ausschließlichkeit, Sentimentalität und Puritanismus basieren. Wheeler ist der Auffassung, dass biosemiotische Ethik ein stärker eingegrenztes, oder systemisch geschachteltes Konzept von semiotischem Wert postulieren kann. Ihre moralische Frage, so erklärt sie, würde stets in etwa so lauten: Wächst es? Ist es lebendig?In this interview, Wendy Wheeler, London Metropolitan University Emerita Professor of English Literature and Cultural Inquiry, discusses her thoughts on biosemiotics and its relevance for ethics. In Wheeler’s perspective, biosemiotics can ground ethics because it offers an alternative and fitting ontology of relations. She shares her thoughts on Peirce as a foundational figure for biosemiotics, and explains why she doubts that an ecological ethics can be framed in terms of laws. Further, she discusses her views on moral agency in nonhumans, and warns against ideas based on human exceptionalism, sentimentalism and puritanism. Wheeler thinks that a biosemiotic ethics can posit a more located, or systemically nested, sense of semiotic value. Her moral question, she explains, would always be something like: Is this growing? Is this lively
What is it like to be a discursive being? Perspektivität und Ich-du-Sozialität bei Robert Brandom
Im vorliegenden Beitrag soll gezeigt werden, dass mit der perspektivischen Konstruktion linguistischer Praxis als Ich-du-Sozialität bei Brandom zugleich eine raumzeitliche Konzeption diskursiver Personen artikuliert wird. Brandom selbst konzentriert sich bei der Explikation des Selbstverständnisses diskursiver Wesen vor allem auf die Sozialität und Perspektivität diskursiver Praxis. Im vorliegenden Beitrag soll der Fokus der Analyse im Ausgang von der Ich-du-Sozialität auf das in der diskursiven Praxis vorausgesetzte und pragmatisch in Anspruch genommene raumzeitliche Bezugssystem gelegt werden. Es wird gezeigt, wie die genuin inferentiellen Zuschreibungen assertorischer Sprechakte, das Einfordern und Geben von Gründen und der Ausdruck normativer Einstellungen auf raumzeitliche Kategorien zurückgreifen bzw. in raumzeitlich lokalisierte Kontexte eingebunden sind. In einer Analyse von Brandoms perspektivischer Konzeption der Ich-du-Sozialität, seiner Kritik an einer Ich-wir-Sozialität sowie seiner Konzeption begrifflicher Objektivität als Einstellungstranszendenz wird herausgearbeitet, inwiefern Brandom ein raumzeitliches Bezugssystem voraussetzt, in das alle Teilnehmer eingebettet sind und das in der wechselseitigen Zuweisung und Adressierung normativer Status in Anspruch genommen wird. Die raumzeitliche Individuation von Personen oder Adressaten erfolgt dabei weder vorgängig noch unabhängig von den Relationen des Gebens und Forderns von Gründen, sondern sie ist genuiner Bestandteil der kontextsensitiven Auslotung adäquater Zuschreibungen und Beurteilungen von Festlegungen. Der perspektivische Ansatz der Ich-du-Sozialität beinhaltet demnach eine Konzeption von Personen, die sich in der Kommunikation und im Verstehen immer auch raumzeitlich orientieren, unterscheiden und lokalisieren.In this article it is argued that Brandom’s conception of linguistic practice in terms of an I-thou-sociality not only articulates a normative and social, but also an embodied conception of persons. Though Brandom focuses on the normative and social character of linguistic practice and its agents, in the article it is shown that linguistic practice in Brandom’s normative terms of commitment and entitlement involves a spatiotemporal distinction between agents or persons that is not made explicit by Brandom. Spatio-temporal individuation of persons thus is not conceptualized as prior, or independent to linguistic practice and ascription of normative status, but it is a genuine feature of linguistic activity. The conception of I-thou-sociality that articulates a symmetrical pattern of communicative action, as well as Brandom’s inferential account of objectivity in terms of de dicto and de re contexts, involve reference to spatio-temporal categories to distinguish persons and contexts from one another. Thus Brandom’s account of I-thou-sociality articulates not only the concept of linguistic persons as genuinely social and normative beings but, within this normative practice, also as embodied beings located, and locating themselves, in a spatio-temporal environment
Kommunikation, Inferentialismus und Semiotik: Robert B. Brandoms Expressive Vernunft
Das Heft widmet sich dem philosophisch-linguistischen Pragmatismus, den Robert B. Brandom in seinem Werk Expressive Vernunft (Making It Explicit) entwickelt hat. Aus verschiedenen Perspektiven untersuchen die Beiträge des Hefts dieses einflussreiche sprachphilosophische Paradigma im Hinblick auf seine Anschlussfähigkeit zu semiotischen Fragestellungen.This special issue investigates the philosophical and linguistic pragmatism developed by Robert B. Brandom in his book Making It Explicit. From various perspectives, the contributions of the book investigate the connections between various aspects of Brandom’s pragmatism and semiotic theories and approaches