518 research outputs found

    Die Stadt der Fußgänger war voller Türen

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    Die Welt steht kopf: Dank Lockdowns und Onlinehandels verschwinden die klassischen Handelsstrukturen. Was tun?Ein Gespräch mit der Wiener Erdgeschoßforscherin Angelika Psenner

    Talking Head: Angelika Psenner

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    INTRO. Warum Paris?

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    Warum Paris? Die Metropolregion Paris (Île-de-France) ist mit über 12,8 Mio. Einwohner*innen nicht nur die größte der EU, sondern sie ist zugleich eine der aktuell spannendsten Städte Europas. Mit einer Bevölkerungsdichte von nahezu 21.000 EW/km² weist sie eine für europäische Verhältnisse außerordentlich kompakte Struktur auf, dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - gilt die französische Hauptstadt in Sachen ökologische Stadterneuerung heute als Vorzeigemodell. Das Stadtbild ist geprägt von der Architektur des 19. Jahrhunderts, der architecture d´entrepreneur - dem Pendant zur Wiener Gründerzeitarchitektur - und den breiten Boulevards des Stadtplaners Haussmann. Aber genauso hat das späte 20. Jahrhundert seine architektonischen Spuren hinterlassen, denn im Gegensatz zu Wien, welches jahrzehntelang als politischer und städtebaulicher Randschauplatz der EU stagnierte und in diesem Zeitraum alle Anzeichen einer shrinking city entwickelte, wuchs und entfaltete sich Paris durchgängig weiter. Ein starker politischer Wille zur strukturellen Reform des Ballungsraums (Grand Paris) prägte Zentrum und Banlieue und kristallisierte sich in den 1980ern und 90ern unter François Mitterrand zu den architektonischen und städtebaulichen Interventionen der Grand Projets. Obwohl dieser Begriff im Zusammenhang mit Paris nicht verwendet wird, kann man hier genauso gut von einem melting pot sprechen, denn seit jeher prägt ein starker Zuzug die Bevölkerungszusammensetzung der ehemaligen Kolonialmacht nachhaltig. Die jüngere Zeit bringt nun wieder neue Transformationsprozesse mit sich, die vor allem damit zu tun haben, dass Präsident Macron 2018 die Finanzierung und Durchsetzung der Energiewende in Frankreich beschlossen hat. Die infolge geplante höhere Besteuerung fossiler Kraftstoffe und Rentenreformen führten - neben weiteren Maßnahmen, welche die Bevölkerung Frankreichs nicht zu tragen bereit sind - zu großräumigen Streikmärschen (Mouvement des Gilets jaunes), welche die Stadt lahmzulegen drohten und mit Jahresbeginn 2020 erschreckend nahtlos in die Covid-Starre übergehen sollten. Vor diesem Hintergrund sind die Aktionen der Bürgermeisterin Anne Hidalgo zu sehen. Bereits ab 2008 war sie als stellvertretende Bürgermeisterin zuständig für Stadtentwicklung und Architektur und leitete mit ihrem Team einen Paradigmenwechsel in Sachen urbane Landwirtschaft, Wiedereroberung des öffentlichen Raums und Mobilität ein - er firmiert unter dem Motto "Reinventer Paris", "Reinventing Paris". Mittlerweile zieht nun auch die Wirtschaft nach und fordert mehr Fahrradwege, breitere Gehsteige, mehr Straßengrün und eine Forcierung lokaler Ökonomien.Pourquoi Paris ? La région métropolitaine de Paris (Île-de-France), avec plus de 12,8 millions d`habitants*, est non seulement la plus grande de l`UE, mais aussi l`une des villes les plus passionnantes d`Europe aujourd`hui. Avec une densité de population de près de 21.000 habitants/km2, elle a une structure extraordinairement compacte au regard des normes européennes. Néanmoins - ou peut-être précisément à cause de cela - la capitale française est aujourd` hui considérée comme une ville modèle en termes de renouvellement urbain écologique. Le paysage urbain est caractérisé par l`architecture du XIXe siècle, l´architecture dite d´entrepreneurs - la pendante de l`architecture wilhelminienne de Vienne - et les larges boulevards conçus par l`urbaniste Haussmann. La fin du XXe siècle a également laissé des traces architecturales. En effet, contrairement à la ville de Vienne, qui pendant cette période stagnait à la périphérie politique et urbanistique de l´UE et développait tous les signes d`une ville en déclin, Paris a continué à croître et à se développer. Une forte volonté politique de réforme structurelle de l`agglomération (Grand Paris) a marqué le centre et la banlieue. Elle s´est cristallisée dans les années 80 et 90, sous François Mitterrand, dans les interventions architecturales et urbanistiques des Grands Projets. Bien que ce concept soit rarement appliqué à Paris, on peut cependant parler ici de melting-pot, car le fort afflux constant d´immigrés a agi durablement sur la composition de la population de l`ancienne puissance coloniale. Plus récemment, de nouveaux processus de transformation sont en oeuvre, principalement liés la décision politique d´Emmanuel Macron en 2018 de financer et transformer le modèle énergétique. Les décisions consécutives d´augmenter la fiscalité sur les énergies fossiles et d´engager la réforme des retraites, accompagnées d`autres mesures que le peuple français n`était pas prêt à soutenir, ont conduit à de vastes mouvements de grève (Les Gilets jaunes) qui ont failli paralyser la ville et qui devaient se transformer, début 2020, en une effrayante étoile Covid. C´est dans ce contexte que doivent être considérées les actions de la maire Anne Hidalgo. En tant qu`adjointe au maire, elle était à partir de 2008 déjà en charge du développement urbain et de l´architecture. Elle a initié avec son équipe un changement de paradigme dans l`agriculture urbaine, la reconquête de l`espace public et la mobilité - résumé sous le slogan « Réinventer Paris », « Reinventing Paris ». L`économie suit désormais le mouvement et réclame plus de pistes cyclables, des trottoirs plus larges, plus de verdure dans les rues et encourage l´économie locale

    Die Klimakrise wird sich in Städten entscheiden

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    Interview: Die Klimakrise wird sich in Städten entscheiden. Wir müssen die Qualitäten in unseren Städten (wieder-)finden, wenn wir dem Klimawandel die Stirn bieten wollen, sagen die Stadtstrukturforscherin Angelika Psenner und der Urbanist Ian Banerjee von der TU Wie

    Wahrnehmung im urbanen öffentlichen Raum. Ein Feldforschungsprojekt in der Praterstraße, Wien/Leopoldstadt

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    Wie wird städtischer Raum wahrgenommen? Ausgehend von dieser Frage analysiert Angelika Psenner systematisch die Wahrnehmung von öffentlichem urbanem Raum, nicht zuletzt, um Ergebnisse im stadtplanerischen Alltag umzusetzen. Die Untersuchung ist konkret verortet - in der Wiener Praterstraße, einem großzügig angelegten, ehedem prächtigen Boulevard. Heute hat er an Glanz verloren, hohes Verkehrsaufkommen dominiert. Die gestalterische, architektonische und funktionelle Entwicklung dieser Verbindungsachse zwischen Stadtkern und innerer Peripherie ist interessant und gut dokumentiert. Neben der Dokumentation des historischen Hintergrunds ist die qualitative Feldstudie zentral: StraßenbenutzerInnen unterschiedlichster Provenienz machten sich auf, die Praterstraße abzugehen und ihre Wahrnehmungen fotografisch festzuhalten. Interviews und teilnehmende Beobachtung ergänzten das Forschungsdesign. Theoretische Ansätze aus Soziologie, Psychologie, Philosophie und Physik werden synthetisiert, für die Datenanalyse werden - wiederum konsequent interdisziplinär - Methoden aus Architektur, Soziologie und Visual Research kombiniert

    Urban Parterre, Vienna | Rome

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    Meine Arbeit hat einen thematischen Bezug zum FWF-Forschungsprojekt „StadtParterre, Wien“ von der Architektin und Stadtplanerin Angelika Psenner. Sie umschreibt den Begriff StadtParterre als die ganzheitliche städtische Erdgeschoßzone mit all ihren umbauten und nicht umbauten Arealen (Straße, Erdgeschoß, Hof). Der aktuelle Zustand des StadtParterres in Bezug auf den Rückgang der halböffentlichen Nutzungen der Erdgeschoßzone stellt eine Problematik dar, die uns Stadtplaner und Architekten zu einer wichtigen Aufgabe führt. Der richtige Umgang mit diesem Problem ist von enormer Bedeutung für das zukünftige Funktionieren der Städte. In meiner Arbeit befasse ich mich mit der Bebauungsstruktur und der Erdgeschoßnutzung von Wien und Rom. Die Grundlage für das Verständnis der Stadtstruktur ist ein Forschungsaufenthalt in Rom um Daten zu sammeln und aktuelle Gegebenheiten vor Ort zu erheben. Durch die eingehende strukturelle Analyse der städtebaulichen Situation können Rückschlüsse auf eventuell bestehende Zusammenhänge gezogen werden und somit vorhandene Potenziale der Erdgeschoßzone evaluiert werden. (vgl. Psenner) Die Permeabilität der Fassade ermöglichte früher im Wiener Straßenraum einen übergreifenden Austausch zwischen öffentlichen und halböffentlichen (im privaten Besitz befindend mit einer öffentlichen Nutzung) Sphären. Dies ist in südeuropäischen Städten bis heute noch so und dem soll auf den Grund gegangen werden, um Aufschluss darüber zu erhalten, warum es in Wien nicht mehr der Fall ist.My work is thematically related to the FWF - research project „StadtParterre, Vienna“ by the architect and city planner Angelika Psenner. She describes the term StadtParterre as the holistic urban ground floor zone with all its cropped and unconverted areas (street, ground floor, courtyard). The current state of the StadtParterre in terms of the decline of the semi-public uses of the ground floor zone is a problem that leads us urban planners and architects to an important task. Proper handling of this problem is of great importance for the future functioning of the cities. I deal with the building structure and the ground floor use of Vienna and Rome. The basis for the understanding of the urban structure is a research stay in Rome for collecting data and for elevating current conditions in the field. The in-depth structural analysis of the urban development situation allows conclusions to be drawn about any existing relationships and thus evaluates existing potentials of the ground floor zone. (see Psenner) In the past, the permeability of the facade enabled an overarching exchange between public and semi-public (privately owned with a public use) sphere in the Viennese street space. This is still the case in Southern European Cities these days and should be investigated to find out why it is no longer the case in Vienna

    Urbane Mischung historisch betrachtet. Der Wiener Zinshaustypus als Ermöglicher und Treiber für städtische Mixturen

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    Wie gebaute Umwelt letztendlich im Alltag konkret bespielt wird, liegt zumeist nicht im Pouvoir von Architekt*innen und Städtebauer*innen. Das zeigt sich dort, wo wir baulich-räumliche Strukturen und ihre der jeweiligen gesellschaftlichen Anlage entsprechende Nutzung über einen längeren Zeitraum beobachten, sie dabei sich verändern und entwickeln sehen. Es können durch den Einsatz bestimmter Architekturen jedoch mischungsfreundliche Strukturen geschaffen werden, die eine grundlegende Disposition zur Mixtur bereitstellen. Denn, und das versuche ich im vorliegenden Text darzulegen: Städtische Architekturen legen das Potenzial hierfür an oder hemmen es. Zuweilen verstehen sie es, Mischung auch gänzlich zu verhindern, vor allem wenn, wie im Falle der zonenbasierten Stadtplanung1, dies das grundlegende Ziel aller Lenkung ist – bzw. war

    Es braucht eine Restitution von öffentlichem Raum

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    VCÖ-Magazin: Sie haben im Forschungsprojekt Urban Parterre Vienna die Veränderung der Nutzung des "Stadtparterres" in einem ein Kilometer langen Straßenzug in Nebenlage im gründerzeitlichen zentrumsnahen Areal von Wien über den Zeitraum von 1910 bis 2020 untersucht. Mit welchem Ergebnis? Angelika Psenner: Das Forschungsprojekt befasste sich eingehend mit der Transformation der Wiener Stadtparterre-Struktur und hier vor allem mit den sich gegenseitig bedingenden Aspekten von Unter- und Fremdnutzung. Wenn wir die Gesamtformation des städtischen Parterres, also Erdgeschoß, Straßenraum und Hof als systemische Einheit betrachten und dessen Entwicklung über die Zeit verfolgen, werden die Wechselbeziehungen einzelner Bereiche augenscheinlich: Produzierendes Gewerbe beanspruchte 1910 noch 10,63% der Gesamtfläche1 wobei die zumeist gewerbliche Nutzung der Innenhöfe noch nicht berücksichtigt ist. Heute stellt es lediglich 2,41% und gehört damit zusammen mit den halböffentlichen Räumen (von fast 12% auf knapp 4%) zu den großen Verlierern der Nutzungsumverteilung. Ebenso gingen Gastronomie und Wohnen stark zurück, während der Handel - ein lediglich vermeintlicher Großnutzer - mit 3,75 % bzw. aktuell 4,10 % relativ unverändert geblieben ist. VCÖ-Magazin: Lassen sich aus diesen Veränderungen auch Aussagen zur Mobilität machen? Angelika Psenner: Die gewichtigste Nutzung des Stadtparterres stellt heute jedenfalls das Auto dar, nahezu ein Drittel der Gesamtfläche (24,71% im ö.R & 6,35% im überbauten Raum) wird derzeit für die alleinige Verwendung durch Fahrzeuge freigestellt - 1910 erreichte der für Fahrwerke reserviert Raum (Stallungen, Parken im ö.R. und exklusive Nutzung der Fahrspur) nicht einmal die 1%-Marke (0,01% & 0,51%). Aus dieser Perspektive erklärt sich Leerstand und Unternutzung von städtischem Raum nicht ausschließlich aus ökosozialen Kausalitäten, sondern auch als Sekundärfolge der beschriebenen Nutzugsverschiebung zugunsten privater (Luxus)Güter Einzelner und der Lagerung derselben - was im Übrigen nichts mit der Sicherstellung von Mobilität zu tun hat. Dementsprechend erklärt sich der dringende Bedarf nach einer sinnzusammenhängenden, systemischen Regelung, oder, um es plakativer zu formulieren: nach der Restitution von öffentlichem Raum. Denn die Einführung der NS-StVO 1938 enteignete das, allen zur Verwendung zustehende Allgemeingut Straßenraum und führte große Teile des Stadtparterres einer erlesenen Schar von Fahrzeugbesitzer*innen zu. 1 Die Zahlen beziehen sich auf das Gesamt-Stadtparterre im ausgewählten Forschungsbereich, einem ein km langen Straßenzug in Nebenlage inklusive angrenzender gründerzeitlicher Bebauung und Innenhöfe. Betrachtungszeitraum: 1910-202

    I foa da iban Schädl du Trompö! Wiener Straßenkämpfe

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    Architektur- und Stadtforschung führt in der Behandlung von stadtsystemischen Fragen immer wieder zur Problematik des Straßenraums und im Besonderen zur Frage, wie dieser benützt werden kann - und wem er denn nun eigentlich gehört. Besonders spannend erscheint der Architektin-Soziologin Angelika Psenner (Wien) dabei die historische Entwicklung der "Besitzverhältnisse". Nicht zuletzt deshalb, weil sich darin eine Ursache für die im Kontext der Thematik immer wiederkehrende Emotionalität in den Diskussionen vermutet lässt. In der Genealogie der Wiener Straßennutzung lässt sich ein Abdriften konstatieren: von einer anfänglich klar Personenschutz-bezogenen Gesetzgebung in Richtung Schutz des technischen, fließenden Fahrzeug-Verkehrs. Den größten Schnitt in der Hierarchisierung der verschiedenen VerkehrsteilnehmerInnen auf Wiens Straßen brachte die Einführung der nationalsozialistischen Straßenverkehrsordnung (StVO 1937) im Jahr 1938. Sicherlich muss die Zunahme des Kfz-Verkehrs als Grundlage dieser Entwicklung gesehen werden, die eigentliche Umgewichtung wurde jedoch deutlich durch die Gesetzgebung verursacht. Jede darauf folgende Neuausgabe der StVO kann somit als Nivellierungen der 1937er Gesetze gelesen werden. Wohl unter dem Einfluss steigender Verkehrs¬opferzahlen und hoher Schadenskosten rief die Nachkriegsregelung zwar zu Rücksicht, Vorsicht und Aufmerksamkeit auf, doch wurde jene, unter dem Nationalsozialismus hervorgebrachte unbedingte Zuwendung und Bevorrechtung des Kfz-Verkehrs weiterhin beibehalten. Auch die aktuell gültige StVO und damit die Benutzungsrechte für den öffentlichen Straßenraum gehen also auf ein Wertesystem zurück, in dem der Mensch immer nur dann gewichtig wurde, wenn er dem Gesamtvolkssinn dienlich war
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