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Publication strategies in the Imperial Court Chapel of Rudolf II
In the second half of the sixteenth century, the European market for printed music had largely consolidated. Printing music had become a business with calculable risks, and in cities like Venice, Antwerp, Paris, or Nuremberg, printers produced music books for regional and international markets alike. For composers, publishing their works in print was not only a matter of prestige but also a source of additional income. A direct consequence of the success of music printing was the control of music publishing by the political authorities, for example through printing privileges or by restricting the publication of certain works (musica reservata).
The musicians at Rudolf II's imperial court participated extensively in the European music business despite the geographical remoteness of the imperial residence in Prague. The director of the court chapel Philipp de Monte and other court musicians were included in numerous printed collections and published many individual prints. However, the musicians pursued different publication strategies. While de Monte printed his works almost exclusively in Italy, composers like Jakob Regnart published their compositions only in German-speaking countries. This paper explores the background and motives behind the publication of compositions from the ranks of the chapel of Rudolf II. The starting point of this investigation will be the individual prints of the composers employed at the Prague court. Which actors were involved in the publication process besides the printers and musicians? In which markets did the court musicians position themselves? What role did political considerations play and was there any political agenda behind imperial music publications
Leviathan: Die Orgel als Herrschaftsinstrument
This paper investigates the roles of the organ as »king of instruments« on the one hand and as "instrument of king" on the other. It queries the origins of the instrument’s hegemony as well as the representation of its reign in organ building and in music theory. It becomes clear that the foundation of the organ’s royalty lies in its nature as a "wondrous machine" that combines the whole world of music in one instrument – a notion that can be traced from the late middle ages to modern times
Musikwissenschaft und Musikpraxis. Problemgeschichte(n)
Das Fach Musikwissenschaft war in seiner Gründungszeit Ende des 19. Jahrhunderts stark von Persönlichkeiten geprägt, die eine intensive musikpraktische Ausbildung erfahren hatten. Hermann Kretzschmar forderte 1903 ausdrücklich, dass ein Musikwissenschaftler «ein ‹guter Musiker›, ein praktischer Künstler» sein solle. Das junge Fach wurde von den Vertretern anderer alteingesessener Disziplinen argwöhnisch beäugt – vermutlich auch aufgrund der künstlerisch geprägten Biographien seiner Vertreter. Bis heute prägt die Musikpraxis die Viten zahlreicher Musikforscher*innen – nicht wenige absolvierten sogar ein vollwertiges Instrumentalstudium. Trotzdem ist das Verhältnis von akademischer Wissenschaft und musikalischer Praxis keineswegs spannungsarm. Obwohl Dissens selten öffentlich und in Schriftform ausgetragen wurde und wird, zeigen die andauernden Apelle, die Gräben zwischen Wissenschaft und Praxis zu überwinden, wie langlebig die Spannungen sind.
Dieser Vortrag beschäftigt sich mit den Problemfeldern im Verhältnis von historischer Musikwissenschaft und Musikpraxis. Am Beispiel der Literatur zu Ludwig van Beethoven und mit besonderem Fokus auf das Beethovenjubiläum 2020 fragt er nach den Ursachen von Konkurrenz und Rivalität zwischen Forschung und Praxis – z. B. um öffentliche Aufmerksamkeit. So treten Musikerinnen und Musiker keineswegs nur mit Konzerten und neuen Einspielungen der Werke des Komponisten, sondern auch mit Publikationen zu Leben und Werk in Erscheinung. In einem zweiten Schritt sollen anschließend institutionellen Konflikte und deren Entstehen in den Blick genommen werden, etwa der Streit um die Einführung der künstlerischen Promotion an deutschen Musikhochschulen. Die hier sichtbar werdenden Entwicklungen sollen schließlich mit allgemeinen hochschulpolitischen Tendenzen enggeführt werden
Wissenschaftliches Bloggen in der Musikwissenschaft
Die Digitalisierung der wissenschaftlichen Arbeitswelt stellt nicht nur die etablierten Methoden in Frage. Sie hat die Art, wie Forscher*innen publizieren und diskutieren verändert. Blogs bieten eine Möglichkeit der Öffnung: Sie stellen der Kleingliedrigkeit und Vorläufigkeit von Wissenschaft ein Medium zur Verfügung. Wissenschaftler*innen nutzen Blogs verstärkt, um den Forschungsalltag zu begleiten, und sprechen so auf eine Weise über Forschung, die weniger statisch als die gedruckte Publikation und weniger begrenzt als Präsentationen auf Tagungen sein kann. Musiconn.kontrovers als Teil des FID Musikwissenschaft dokumentiert seit 2018 die Chancen, aber auch die Herausforderungen, die der Paradigmenwechsel hin zu einer dynamischen digitalen Kultur mit sich bringt.
Der Workshop strebt an, Blogs als wissenschaftliches Medium vorzustellen, Schwellenängste abzubauen und Potentiale aufzuzeigen. Dabei soll es um Fragen gehen, die nicht nur im Nachwuchsbereich beschäftigen: Besteht bei „work in progress“ die Gefahr, Ergebnisse vorschnell an die Öffentlichkeit zu bringen? Lässt sich mit Blogbeiträgen wissenschaftliche Reputation erzeugen? Welche Möglichkeiten gibt es jenseits von kommerziellen Angeboten?
Im ersten Teil soll der Stand des musikwissenschaftlichen Bloggens diskutiert werden. Der zweite Teil stellt die Möglichkeiten vor, die de.hypotheses.org für Forschung und Lehre bietet
Musik und Reformation im deutschen Sprachgebiet. Klangräume, Repertoires, Jubiläen
Martin Luthers »Thesenanschlag«, der sich 2017 zum 500. Mal jährte, gilt bis heute als Beginn einer Bewegung, die nicht nur das religiöse, sondern auch das kulturelle Leben in vielen Teilen Europas einschneidend veränderte. Der vorliegende Band untersucht musikhistorische Dynamiken der Reformation im deutschen Sprachgebiet. Er fragt dabei nach dem Einfluss der Bewegung auf Klangräume und musikalische Repertoires des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Die Beiträge zeigen aus verschiedenen Blickwinkeln, wie die institutionelle und liturgische Umstrukturierung des geistlichen Lebens frühneuzeitliche Soundscapes nachhaltig veränderte. Zudem wird herausgearbeitet, wie sich insbesondere im deutschen Sprachraum neue protestantische Musikpraktiken herausbildeten, die sich jedoch meist ausdrücklich in die Tradition der vorreformatorischen Zeit stellten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der musikalischen Gestalt der Reformationsjubiläen der letzten 500 Jahre. Prunkvolle Feiern der Jahrestage wichtiger Meilensteine waren durch die Jahrhunderte hindurch klingende Ereignisse, in denen spezifisch zeitgenössische Perspektiven auf kulturelle Fragestellungen und auf die Reformation als historisches Phänomen zum Ausdruck gebracht wurden.The year 2017 marked the 500th anniversary of Martin Luther’s release of his 95 Thesis, which is still regarded as the beginning of a movement that radically changed religious and cultural life in many parts of Europe. The present volume examines the music-historical dynamics of the Reformation in German-speaking lands. It investigates the influence of the movement on sonic environments and musical repertoires of the 16th and early 17th centuries. From different perspectives, the contributions show how institutional and liturgical reorganisation of spiritual life permanently altered early modern soundscapes. Furthermore, the papers examine how new Protestant musical practices emerged and interacted with traditions of the pre-Reformation period. Another focus is the role of music in the context of Reformation anniversaries of the last 500 years. Magnificent celebrations of the anniversaries of important milestones have been resounding events throughout the centuries, revealing specific contemporary perspectives on cultural issues and on the Reformation as a historical phenomenon
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