2,510 research outputs found
Laboratorien der Vererbung: Rassenforschung und Humangenetik in der Schweiz, 1900-1970
Pascal Germann rekonstruiert die ineinander verwobene Geschichte von Rassenforschung und Humangenetik. Anhand der Analyse wissenschaftlicher Forschungspraktiken - vom Vermessen von Körpern über das Sammeln von Stammbäumen bis zur Laborforschung der Nachkriegszeit - arbeitet die Studie die engen Verbindungen zwischen Humangenetik und Rassenforschung heraus. Rassische Differenzvorstellungen prägten die Humangenetik lange Zeit und umgekehrt fanden Rassenforschungen weit über 1945 hinaus Anschluss an wichtige Bereiche der Humangenetik.
Das Schweizer Fallbeispiel ermöglicht es dem Autor, die bislang nur unzureichend erforschten transnationalen Dimensionen der Vererbungs- und Rassenforschung in den Blick zu rücken. Schweizer Wissenschaftler forschten in kolonialen Kontexten und arbeiteten intensiv mit Forschern im Dritten Reich zusammen. Gerade aufgrund ihres Status als »neutraler Kleinstaat« galt die Schweiz dabei als besonders geeignet, um eugenisch relevante Vererbungs- und Rassenfragen - scheinbar rein wissenschaftlich und unabhängig von den politischen Interessen der expansiv ausgerichteten Großmächte - zu erforschen
Gesundheit als Lebensqualität: Zum Aufstieg eines neuen Deutungsmusters
Der Begriff der Lebensqualität lässt sich aus unserem Alltag nicht mehr wegdenken. Wenig bekannt ist jedoch, dass die Vokabel vor Mitte der 1960er-Jahre noch gar nicht existierte. In diesem Schwerpunkt erläutert Pascal Germann vom Institut für Medizingeschichte der Universität Bern aus historischer Perspektive, wie es zum Aufstieg dieses Konzepts (1960–2020) kam und welche Folgen dies für unser Verständnis und das Regieren von Gesundheit hatte
War and medical Culture.
Rezension zu Livia Prüll, Philipp Rauh (Hrsg.) : Krieg und medikale Kultur : Patientenschicksale und ärztliches Handeln in der Zeit der Weltkriege, 1914-1945. - Göttingen, 201
Labor und Kaserne : Wissensgeschichtliche Perspektiven auf das Militär
Themenheft der Zeitschrift Gesneru
Die Schweiz als ‚Erfolgsmodell‘? Patriotisch korrekte Geschichtsschreibung und die Illusionen der Souveränität
Die Schweiz sei eine „Erfolgsgeschichte“. So steht es in Parteiprogrammen, Leitartikeln und öffentlichen Geschichtsdarstellungen. In der populären und politischen Geschichtskultur der Schweiz breiten sich Formen der patriotic correctness aus, die noch kaum Beachtung und Kritik erfahren haben
Samuel Beckett and the Writers of Port-Royal
It has been observed that ‘the literary influences on Beckett have been far more important than has been acknowledged, and more important indeed, than the philosophical influences’ (Smith 2002: 3). The truth of this statement is evidenced by the description that scholars have given of Samuel Beckett’s relationship to seventeenth century French classicism. To date, critical interest has been limited for the most part to the figure of the philosopher René Descartes on the (fragile) grounds that Beckett was exclusively concerned with the Cartesian imperative of clarity and order, the fundamental dualism between body and mind, and Nominalism.
Together with the assumption that Beckett’s vision was essentially Cartesian, his literary filiation with Pascal was suggested by critics, but only in terms of Beckett’s formal approach to the theatre. In his short article on En attendant Godot in 1953, the playwright Jean Anouilh was among the first reviewers to suggest that Beckett’s drama synthesizes the encounter between ‘classicism’ and a ‘modern’ form of art. It is well known that Beckett retained a lifelong admiration for Pascal – indeed, Pascal was one of his ‘old chestnuts’ (Knowlson 1997: 653). Little attention has been paid, however, to the originality of Pascal’s thought, the specific nature of his prose, and the impact these might have had upon Beckett’s mature work, especially the trilogy and the subsequent short prose. Yet, in the literary and philosophical context of post-war France, Beckett’s filiation with Pascal, their corresponding preoccupations, were evident to his contemporaries, who identified Pascal as an underlying presence in his works
Vergessene Kooperationen. Ernst Hanhart, die deutsche Rassenhygiene und die Anfänge der Humangenetik in der Schweiz
Die Humangenetik stellt heute zweifellos eine Leitdisziplin innerhalb der Medizin dar. Die zentralen Methoden der heutigen Humangenetik bildeten sich indessen spät heraus. Das Gebiet der humanen Zytogenetik erlebte erst Ende der 1950er Jahre einen fulminanten Aufstieg, und bis zur Herausbildung der molekularen Humangenetik dauerte es ein weiteres Jahrzehnt. In Lehr- und Handbüchern der Humangenetik wird denn auch gemeinhin auf die sehr junge Geschichte der Humangenetik verwiesen. Erst nach 1945 habe sich die Humangenetik zu einer eigentlichen Wissenschaft entwickelt und sich innerhalb der Medizin als eigenständiges Forschungs- und Praxisfeld etabliert. Eine solche Darstellung blendet aus, dass das Studium der menschlichen Vererbung bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem wichtigen Forschungsbereich der Medizin aufgestiegen war. Ausgeklammert bleibt dabei auch ein dunkles Kapitel der Geschichte der Humangenetik: Viele prominente Figuren der frühen Humangenetik waren in der eugenischen Bewegung engagiert, und die meisten Humangenetiker teilten die Grundüberzeugung der Eugeniker, dass Massnahmen erforderlich seien, um «genetisch hochwertigen» Nachwuchs zu fördern und «genetisch minderwertigen» Nachwuchs zu verhindern. Auch für die Schweiz lässt sich zeigen, dass die Geschichte der Humangenetik untrennbar mit derjenigen der Eugenik verbunden ist. Meine Forschungen zu den Anfängen der schweizerischen Humangenetik weisen zudem auf einen weiteren Zusammenhang hin, an den ungern erinnert wird: Der Aufstieg der humangenetischen Forschung erfolgte in engem Austausch mit der Wissenschaft und Eugenik in Nazideutschland. Dies soll nun am Beispiel des Zürcher Humangenetikers Ernst Hanhart verdeutlicht werden
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