1,721,038 research outputs found
In welcher Form werden Sportangebote als Ergänzung zur psychiatrischen und medikamentösen Behandlung von Suchterkrankungen in stationären Einrichtungen in der Deutschschweiz angeboten?
Hintergrund: Problematischer Alkohol und Drogenkonsum stellen relevante Krankheitsbilder in der Schweizer Bevölkerung dar. Eine Vielzahl an Institutionen bieten diverse Therapierungsangebote an, doch keine gesetzlichen Regelungen weisen auf den Inhalt von Sport und Bewegungsprogrammen hin. Die positiven Effekte auf das psychische Wohlbefinden konnten mehrfach belegt werden, der spezifische Einsatz in der Therapierung von Abhängigkeitserkrankungen hat jedoch noch Forschungsbedarf.Methoden: Anhand von telefonischen Befragungen mit 24 Einrichtungen wurde durch eine qualitative Inhaltsanalyse untersucht, in welcher Form und in welchem Umfang Sport und Bewegungsprogramme im Therapiewesen eingesetzt werden und ob ein Einfluss auf den Behandlungserfolg festgestellt werden kann.Resultate: 22 Einrichtungen führen mit ihren Patienten regelmäßige Bewegungsprogramme durch, wobei die durchschnittliche Dauer dieser Bewegungsprogramme 2.5 Stunden in der Woche beträgt. 2 Einrichtungen bieten keine Bewegungsprogramme als festen Bestandteil der Therapie an, jedoch stehen diese Einrichtungen am Ende des Behandlungswegs und beherbergen die schwersten Fälle von Suchtkranken.Diskussion: Bewegung und Sport wird eingesetzt und Bemühungen sind vorhanden, doch das therapeutische Potential ist nicht ausgeschöpft. Die größten Hürden sind die schlechte körperliche Verfassung und fehlende Motivation der Patienten
Explorative Vergleichsstudie unter Fitnesscentermitarbeitenden zu Umgangsweisen mit Essstörungsverdachtsfällen
Hintergrund
Menschen die an einer Essstörung erkrankt sind, betreiben oft ein exzessives Trainingsregime. Das Fitnesscenter ist einer der Orte, an welchem dieses Trai-ningsprogramm absolviert werden kann. In einer sehr frühen Phase der Ziel- und Bedarfsbestimmung allfälliger Präventionsmassnahmen stellt sich die Frage, welche Erfahrungen Fitnessinstruktoren/-instruktorinnen im Umgang mit Essstörungsverdachtsfällen machen. Ebenfalls stellt sich die Frage nach vor-handenen Ratgebern.
Methode
Anhand von Experteninterviews wurden Erfahrungen im Umgang mit Ver-dachtsfällen von Fitnessinstruktoren/-instruktorinnen (n=7) miteinander vergli-chen. Die Analyse erfolgte anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse. Zudem wurden Ratgeber für den Umgang mit Essstörungsverdachtsfällen miteinander verglichen und auf die Interviews bezogen.
Ergebnisse
Alle Probanden haben im Fitnesscenter bereits Essstörungsverdachtsfälle be-obachtet. Die Furcht davor, nicht mit Reaktionen der betroffenen Person umge-hen zu können, zusätzlichen Schaden anzurichten oder übergriffig zu sein, sind die hauptsächlich genannten Gründe dafür, Verdachtsfälle nicht anzusprechen. Alle auf den Umgang mit Essstörungen fokussierten Dokumente empfehlen Verdachtsfälle anzusprechen. Keiner der Probanden verwendet Ratgeber, fast allen sind entsprechende Dokumente unbekannt.
Diskussion
Die meisten von den Instruktoren/Instruktorinnen beschriebenen Herausforde-rungen würden in den Ratgebern durch konkrete Hilfestellungen aufgegriffen. Eine mögliche Erklärung für die ausbleibende Nutzung ist der geringe Bekannt-heitsgrad. Die untersuchten Dokumente könnten als Ausgangslage für die Ent-wicklung eines Ratgebers dienen. Als inhaltliche Ergänzungen werden die The-men Ungewissheit, Kompromissfindung mit Kunden und Furcht vor Konsequen-zen des Ansprechens vorgeschlagen. Im Hinblick auf Präventionsmassnahmen werden Ansätze für künftige Arbeiten diskutiert
Soziale Akzeptanz von Neuro-Enhancement an Schweizer Universitäten - Perspektiven über die Anwendung von psychoaktiven Substanzen zur kognitiven Leistungsstei-gerung und Stimmungsaufhellung
Hintergrund: Schweizer Studierende missbrauchen kognitionsansteuernde und stimmungsaufhellende Medikamente und weitere psychoaktive Substanzen für „Hirndoping-Zwecke“. Die Einnahme solcher Mittel ist aufgrund von möglichen Nebenwirkungen und fehlenden Fakten über die Wirksamkeit bei gesunden Personen umstritten. Da schweizweit noch wenig über neuro-ethische Aspekte des „Hirndopings“ bekannt ist, befasst sich diese Studie mit allgemeinen Einstellungen zum Einsatz von Arzneimitteln bei Gesunden und besonders mit Meinungsverschiedenheiten bezüglich „Neuro-Enhancement“ zwischen Konsumierenden und Nichtkonsumierenden solcher Substanzen. Weiter werden Unterschiede in der Risikobereitschaft und der geglaubten Wirksamkeit von „Hirndopingmitteln“ zwischen den genannten Parteien aufgezeigt.
Methode: Anhand einer E-Mail wurden alle Institutssekretariate, Fakultäten und Fachschaften der Universitäten Bern und Luzern angeschrieben und eine quantitative Online-Umfrage über das Thema „Hirndoping“ durchgeführt.
Ergebnisse: Die Studienteilnehmenden zeigen beinahe ausnahmslos negative Einstellungen gegenüber „Neuro-Enhancement“ bei gesunden Personen. Weder Konsumierende noch Nichtkonsumierende von verschreibungspflichtigen Medikamenten oder weiteren psychoaktiven Substanzen sind von der Wirkung solcher Mittel bei gesunden Personen überzeugt. Erstere würden aber deutlich mehr Nebenwirkungen auf sich nehmen, um „Hirndoping“ betreiben zu können und sind in den meisten Situationen positiver gegenüber „Neuro-Enhancement“ eingestellt. Prüfungsangst/Leistungsangst wird im Allgemeinen und von Medikamentennutzenden als einer der legitimsten Gründe für die Einnahme von Arzneimitteln angesehen. In der Freizeit entspannen und schnell und effizient arbeiten wird von „Neuro-Enhancer-Nutzenden“ deutlich mehr als akzeptabler Grund angegeben, „Hirndoping“ zu betreiben.
Diskussion: „Hirndoping“ ist an den Universitäten Bern und Luzern wenig verbreitet. Besonders die möglichen Gefahren von „Neuro-Enhancement“ beschäftigen die Befragten. Es ist auf die Wichtigkeit weiterführender Forschung in diesem Gebiet hinzuweisen
Der Einfluss einer 12-wöchigen Sportintervention auf die Depressivität von opiatabhängigen Personen in heroingestützter Substitutionstherapie
Hintergrund: In der Schweiz leben rund 23'000 opiatabhängige Personen. Das Bundesamt für Gesundheit bietet neben der Substituierung mit Methadon auch die HegeBe (Heroingestützte Behandlung) als Behandlungsoption für schwer opiatabhängige Personen an. Diese zeichnet sich durch eine hohe Wirksamkeit bei non-respondern von anderen Substitutionsbehandlungen aus. Im Allgemeinen zeigt die Population der suchtkranken Menschen ein erhöhtes Risiko für psychiatrische Komorbididäten. Depressionen haben dabei eine Prävalenz von rund einem Viertel. Körperliche Aktivität hat sich in der Forschung als effektive Behandlungsmethode von Depressionen erwiesen und könnte potenziell auch bei HegeBe-Patienten positive Effekte hervorrufen.
Methode: An einer HegeBe-Klinik in der Schweiz wurde mit 23 Patienten eine Sportintervention während 12 Wochen durchgeführt. Während die Sportgruppe (n=13) zwei mal 60 Minuten pro Woche körperlich aktiv war, erhielt die Kontrollgruppe (n=10) ebenfalls Kontaktzeit mit dem Untersuchungspersonal und ging anderen nicht-sportlichen Aktivitäten nach. Vor, während und nach der Intervention wurden die Probanden mittels ADS-K (Allgemeine Depressionsskala - Kurzform) auf depressive Störungen hin untersucht.
Ergebnisse: Bei den untersuchten Probanden ist ein deutlicher, wenn auch knapp nicht signifikanter, Geschlechterunterschied der Depressionswerte festzustellen. Frauen sind demnach häufiger von Depressionen betroffen als Männer. Probanden, welchen zur Baseline-Messung mittels ADS-K eine depressive Störung diagnostiziert wird, profitieren im Vergleich zu allen anderen Probanden am meisten vom Sportprogramm.
Diskussion: Obwohl die geringe Probandenzahl die Aussagekraft der Untersuchung limitiert, zeigt sie doch den potenziell positiven Effekt von körperlicher Aktivität auf die psychische Gesundheit von Patienten in HegeBe. Weitere qualitativ hochwertige, kontrollierte Studien sind aber nötig, um die Wirkweise des Sports besser zu verstehen und die hier erzielten Ergebnisse zu bestätigen.
Schlagwörter: Sucht, Heroin, HegeBe, Substitutionsbehandlung, Depression, körperliche Aktivität, Spor
Leistungssteigernde Substanzen im Studium. Eine quantitative Untersuchung unter Basler Medizin- und Sportstudierenden
Hintergrund. Sogenannte „Smart Drugs“, wie sie im Kreise der Nutzer genannt werden, versprechen eine Verbesserung der kognitiven Leistung ohne grosse Anstrengung. Wenn gesunde Menschen verschreibungspflichtige oder illegale, psychoaktive Substanzen anwenden, um ihre kognitiven Fähigkeiten zu steigern, spricht man in wissenschaftlichen Fachkreisen hingegen von Pharmakologischem Neuroenhancement (PNE), bzw. von Neuro-Enhancern (NEs). Einige Forscher verwenden auch den Begriff „Hirndoping“ oder „Brain Doping“, um eine assoziative Nähe zum Begriff des Dopings im Sport herzustellen. Wobei für sie die Anwendung von verschreibungspflichtigen und illegalen Substanzen durch gesunde Menschen einen Missbrauch darstellt. In der bioethischen Debatte rund um das Thema „Human Enhancement“ wird diskutiert, ob diese Art der Leistungssteigerung riskant und ethisch bedenklich, oder sogar eine wünschenswerte und durchaus zukunftstaugliche Methode ist. Momentan gibt der aktuelle Forschungsstand nur teilweise Aufschluss über Prävalenzen, Wirksamkeit und Risiken dieser Art der kognitiven Leistungssteigerung. Das Thema wurde auch an Schweizer Universitäten erforscht, wobei Prävalenzen des Konsums und die Einstellungen der Schweizer Studierenden, solche Substanzen einzunehmen, um die eigene Leistungsfähigkeit zu steigern, erhoben wurden. Im Sinne eines Forschungsbeitrags, welcher mehr Tiefe und Verständnis zu den angesprochenen Themen liefern könnte und im Sinne einer Sensibilisierung zum Thema PNE, wurde eine eigene Studie unter Basler Medizin- und Sportstudierenden zum Thema „Leistungssteigernde Substanzen im Studium“ durchgeführt.
Methode. Angelehnt an bereits existierende Studien zum Thema PNE unter Studierenden in der Schweiz, wurde eine eigene, quantitative Datenerhebung mittels selbsterstellter, anonymer Onlineumfrage durchgeführt. Im ersten Teil wurden verschiedene Daten zur Teilnehmer Charakterisierung erhoben (Alter, Geschlecht, Studium, Semesterzahl, Wettkampfsport, Anti-Doping Programm, Zeitaufwand, Stress, Druck, Angst, eigene Leistungseinschätzung und Wichtigkeit der eigenen Leistungen) und der aktuelle Wissensstand der Teilnehmer zum Thema Doping und PNE erfasst. Darauf folgten Fragen zur Einstellung und Akzeptanz gegenüber PNE sowie auch zur potentiellen Konsumbereitschaft. Im Schlusspart wurde den Teilnehmer schliesslich noch die Möglichkeit gegeben, über ihren tatsächlichen Konsum Auskunft zu geben.
Ergebnisse. 239 Studierende (168 Medizinstudierende, 71 Sportstudierende) haben an der Umfrage teilgenommen. Medizinstudierende fühlen sich durchschnittlich öfters gestresst als Sportstudierende. Auch der durchschnittliche Zeitaufwand für das Studium liegt bei den Medizinstudierenden signifikant höher (p=0.014) als bei den Sportstudierenden.
86,6% aller Befragten gaben an, dass sie eher nicht so gut informiert sind oder sogar fast nichts über das Thema PNE wissen.
73.4% aller Befragten finden PNE nicht oder eher nicht akzeptabel. Zwischen der Akzeptanz des Konsums von Mitstudierenden („Mir ist es egal, wenn andere Substanzen zum Lernen konsumieren“) und dem Wunsch nach universitärer Regulation des Substanzkonsums beim Lernen wurde eine signifikante, stark positive Korrelation (r=0.448 p=0.000) festgestellt. Zwischen der „Einstellung und Akzeptanz“ und dem Wissen über PNE liegt eine signifikante, schwache bis mittlere positive Korrelation nach Pearson vor (r=0.169 p=0.009). Die Non-User haben eine signifikant tiefere Akzeptanz gegenüber PNE als die PNE-User (p=0.003).
Die Gesamtgruppe zeigt eine eher tiefe „potentielle Konsumbereitschaft“, die Mehrheit von 54,7% stimmt einem potentiellen Konsum unter gewissen Umständen eher nicht oder nicht zu. Zwischen der Akzeptanz von PNE und der potentiellen Konsumbereitschaft wurde eine signifikante, starke positive Korrelation (r=0.452 p=0.000) festgestellt. Die „potentielle Konsumbereitschaft“ von PNE-User liegt signifikant (p=0.000) höher als diejenige der Non-User. Auch die potentielle Konsumbereitschaft von Alltagsmittel-Konsumenten liegt signifikant höher (p=0.011) als diejenige der Nicht-Konsumenten.
89.6% der Medizinstudierenden haben bereits einmal rezeptfreie und legale „Alltagsmittel“ für die gezielte Leistungssteigerung im Studium konsumiert, gegenüber 75.4% der Sportstudierenden. Die am häufigsten angegebenen Substanzen waren dabei Koffein- und Teeinhaltige Produkte. 11.6% aller Befragten gaben an, bereits einmal verschreibungspflichtige Medikamente oder illegale Drogen zur gezielten Leistungssteigerung im Studium konsumiert zu haben. Mit Abstand am meisten (70%) wurde dabei Methylphenidat (Ritalin, Concerta) konsumiert.
Diskussion. Die angewendete Forschungsmethode wurde kritisch hinterfragt, um dadurch die daraus entstandenen Resultate etwas zu relativieren. Die Ergebnisse der Studie wurden dann mit den verwandten Studien aus der Schweiz verglichen, wobei auffiel, dass sich die aufgezeigten Tendenzen zur Einstellung und Akzeptanz und dem tatsächlichen Konsum, im Rahmen der bereits veröffentlichten Forschungsergebnisse befinden. Ausserdem wurde erkenntlich, dass die Studie durchaus als Anstoss für weitere „Studienspezifische“ Untersuchungen bezüglich PNE genommen werden kann. Um die Diskussion abzuschliessen wurde schliesslich das Thema PNE vom Autoren reflektiert und durch anregende Gedankenspiele untermalt
Der Einfluss von akuter körperlicher Aktivität auf das subjektive Verlangen (Craving) nach Alkohol
Hintergrund: Gemäss World Health Organization (2017) ist der chronische Missbrauch von Alkohol ein weltweites Gesundheitsproblem. Dabei scheint vor allem das Verlangen (Craving) nach Alkohol eine Schwierigkeit darzustellen. Ob und wie das Craving bei Personen mit Alkoholkonsumstörung (AUD) durch akute körperliche Aktivität (AKA) beeinflusst werden kann, ist noch wenig erforscht; erste Befunde tendieren auf eine Abnahme des Cravings. Zudem ist nicht bekannt, welche AKA-Intensität nötig wäre, um Craving bei Personen mit AUD zu verringern. In dieser Studie wird daher das subjektive Craving bei verschiedenen Intensitäten von AKA untersucht.
Methoden: Rekrutiert wurden Probanden mit einem Abhängigkeitssyndrom für Alkohol gemäss ICD-10 F10.2. Es wurde eine randomisierte Crossover-Studie mit drei 20-minütigen Interventionen durchgeführt: Ruhebedingung, moderate AKA (50-60% HFmax) und intensive AKA (70-80% HFmax). Die AKA fand auf einem Fahrradergometer bei 75-85 Umdrehungen/Minute statt. Den Probanden wurde vor und nach der Intervention eine Filmsequenz mit Alkohol-Cues vorgeführt. Das Craving wurde mittels Fragebogen ACQ-SF-R erfasst (Singleton, 1997).
Ergebnisse: Generell zeigte sich in der deskriptiven Auswertung der beiden Probanden nach der AKA ein gleichbleibendes oder verringertes Craving als zuvor. Dabei scheint moderate AKA das Craving stärker zu senken als intensive AKA.
Schlussfolgerungen: Obwohl die Tendenz für eine Cravingreduktion durch AKA bei Personen mit AUD leicht positiv ist, scheint AKA im Vergleich zu Studien mit anderen Substanzen einen weniger starken Einfluss zu haben. Zur optimalen Intensität kann keine Aussage gemacht werden; weitere Studien sind nötig. Zudem muss mit einem Expectation-Bias gerechnet werden, welchem mit der zusätzlichen Erfassung von physiologischen oder bildgebenden Verfahren entgegengewirkt werden kann
Akuter Effekt einer aeroben Ausdauereinheit und Koordinationseinheit auf die Veränderung der inhibitorischen Kontrolle von jungen Erwachsenen
Ziele
Im Rahmen dieser Studie wurde untersucht, ob eine aerobe Ausdauereinheit und eine koordinative Einheit Einfluss auf die inhibitorische Kontrolle von jungen Erwachsenen hat.
Methode
Die Studie wurde in einem Cross-over Design durchgeführt. Die Probanden (n=18, Alter: 18-25 Jahre) erschienen jeweils zu einer 20-minütigen aeroben Ausdauereinheit auf dem Fahrradergometer, einer 20-minütigen koordinativen Einheit und einer 20-minütigen Kontrolleinheit. Vor und nach den Einheiten absolvierten die Probanden jeweils einen Flanker Test, mit welchem die inhibitorische Kontrolle ihres Gehirns, ausgedrückt in Reaktionsgeschwindigkeit und Antwortgenauigkeit, untersucht wurde. Die Probanden wurden angehalten, möglichst schnell und korrekt auf die sichtbaren Stimuli zu reagieren.
Es wurde die Differenz der Interferenzen von vor der Intervention zu nach der Intervention berechnet, um Erkenntnisse über deren Veränderung zu gewinnen.
Ergebnisse
Sowohl die aerobe Ausdauereinheit als auch die koordinative Einheit führten in der untersuchten Altersgruppe zu keiner messbaren Veränderung der inhibitorischen Kontrolle.
Konklusion
Für die Altersgruppe der jungen Erwachsenen kann kein Effekt einer akuten Sporteinheit auf die inhibitorische Kontrolle nachgewiesen werden. Um einen Unterschied zwischen den, einzeln schon erwiesenen, akuten Effekten einer aeroben und koordinativen Sporteinheit auf die inhibitorische Kontrolle feststellen zu können, muss eine Altersgruppe untersucht werden, welche für die einzelnen Interventionen bezüglich inhibitorischer Kontrolle empfänglich ist
Effekte eines aeroben Sportprogrammes mit Flüchtlingen in einem Flüchtlingslager in Griechenland: Eine explorative Studie
Absicht: Die globale Entwicklung verzeichnet einen kontinuierlichen Anstieg von Flüchtlingen. Post-Konflikt Situationen halten länger an und die Betroffenen verbringen mehrere Monate bis Jahre in einem Flüchtlingslager. Flüchtlinge weisen eine besondere Prävalenz für psychiatrische Erkrankungen auf. Internationale Organisationen warnen in diesem Zusammenhang vor einer unzureichenden psychosozialen Behandlung der Flüchtlinge. Das Projekt wurde vor dem Hintergrund eines Mangels an Befunden zur Behandlung traumatisierter Flüchtlinge und dem Potential sportlicher Betätigung aufgestellt. Die Frage umfasst die Auswirkung eines Sportprogrammes von mittlerer und hoher Intensität auf psychiatrische Störungen und mentalem Wohlbefinden. Ferner soll die Umsetzbarkeit eines solchen Projektes überprüft und mögliche Herangehensweisen aufgezeigt werden.
Methoden: Achtunddreissig Flüchtlinge (männlich; Durchschnittsalter = 25.6 Jahre) beteiligten sich am Projekt. Probanden, die mindestens einmal pro Woche an den Aktivitäten teilgenommen hatten, wurden bei der Auswertung der Interventionsgruppe (n = 18) zugeteilt. Die anderen Teilnehmer bildeten die Kontrollgruppe (n = 20). Die Intervention fand im Spätsommer 2017 in einem Flüchtlingslager im Norden Griechenlands statt. Die Aktivitäten wurden über einen Zeitraum von acht Wochen durchgeführt, dauerten jeweils rund 60 bis 90 Minuten und umfassten vornehmlich Krafttraining, Boxen und Fussball. Die Variablen: Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Depression, Angststörung, Schlafstörung, Schmerzen, Wohlbefinden und Fitnesslevel wurden vor und nach der Sportimplementierung mit einem Fragebogen und Sporttest erhoben.
Resultate: Das Wohlbefinden, Fitnesslevel, Symptome der PTBS, Depression, Angststörung und Schmerzen verbesserten sich signifikant in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe. Schlafstörungen nahmen im Lauf der Zeit ab, wobei kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen ausgemacht werden konnte.
Schlussfolgerung: Die regelmässige Teilnahme an den sportlichen Aktivitäten führte bei den Flüchtlingen zu einer signifikanten Verbesserung der verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen. Der ausbleibende Effekt bei Schlafstörungen ist womöglich auf verbesserte klimatische Bedingungen zurückzuführen. Das Sportprogramm stellt eine kostengünstige und effiziente Methode dar, viele Flüchtlinge zu adressieren. Richtig Implementiert, kann es zur wesentlichen Steigerung des Wohlbefindens beitragen und sollte zur Linderung psychiatrischer Symptome als auch Vorbeugung von Chronifizierungen, neben der Deckung primärer Bedürfnisse, einen grundlegenden Bestandteil der humanitären Hilfe ausmachen
Sucht und Sport: Zusammenhänge zwischen sozialer Integration und körperlicher Aktivität bei Suchtpatienten im klinischen und poststationären Stadium
Hintergrund: Die Forschung bekundete in jüngster Vergangenheit ein immer grösseres Interesse darin, die Effekte von Sport und Bewegung auf die Rehabilitierung von Suchtpatienten zu untersuchen. Allerdings beschränken sich die meisten Studien auf den Zeitraum der stationären Klinikaufenthalte. Diese Studie versucht daher, dieses Forschungsfeld zu erweitern und konzentriert sich darauf, subjektive Daten von Suchtpatienten zu möglichen Zusammenhängen zwischen Abhängigkeit, sozialen Integrationsfaktoren und körperlicher Aktivität, stationär und poststationär zu generieren.
Methode:
Die Datenerhebung und -auswertung basiert auf dem methodischen Vorgehen der qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring, 2010; 2015). Dabei wurden Suchtpatienten (N=10) der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) anhand eines teilstandardisierten Fragebogen in problemzentrierten Interviews befragt. Zwei bis drei Monate später wurden die Probanden, welche die Klinik mittlerweile verlassen konnten, erneut kontaktiert und zu einem Follow-Up-Gespräch eingeladen (N=7, Dropout N=3).
Ergebnisse:
Die befragten Probanden berichteten beinahe durchgehend positiv über ihre Erfahrungen mit Bewegung und Sport und zeigten sich motiviert und entschlossen, mehr körperliche Aktivität in ihren Alltag zu integrieren. Dabei wurden vielschichtig positive Auswirkungen genannt, die körperliche Aktivität auf Beziehungsnetzwerke, familiäre Situationen, Stressbewältigung, Wohlbefinden und das suchtbedingte Verlangen, hat. Ausserdem berichteten die Studienteilnehmer über negative Korrelationen zwischen zunehmendem Konsum und ihrem Aktivitätsniveau.
Diskussion:
Es konnten verschiedene positive Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität, sozialen Integrationsaspekten und verringertem suchtbedingten Verlangen aufgezeigt werden. Diese Zusammenhänge betonen das Potential von Bewegung und Sport hinsichtlich der Reintegration von Suchtpatienten
Die Erstellung eines Laufprogramms für eine Suchtklinik mithilfe eines systematischen Literaturreviews zur Anwendung körperlicher Aktivität bei Substanzgebrauchsstörungen
Hintergrund: Die Opioidabhängigkeit stellt weltweit ein gesundheitliches, soziales und volkswirtschaftliches Problem dar. Trotz medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlungen besteht Bedarf an ergänzenden Therapieformen. In den letzten Jahren wurde vermehrt körperliche Aktivität als zusätzliche Maßnahme bei Substanzabhängigkeiten untersucht. Um Behandlungsziele wie die Konsumreduktion effektiv zu erreichen, ist die weitere Erforschung von körperlicher Aktivität als Komponente der Behandlung als relevant einzustufen.
Methoden: Das Ziel der Arbeit ist es, mithilfe eines systematischen Literaturreviews die Gestaltung und Wirkung von körperlicher Aktivität bei der Substanzgebrauchsstörung zu analysieren. Die Schwerpunkte des Literaturreviews betreffen die Gestaltung der Studien bezüglich der Belastung, Belohnung und Adhärenz. Darüber hinaus sollen die Effekte auf gesundheits- und abhängigkeitsrelevante Variablen beleuchtet werden. Auf der Grundlage des Reviews und eines Interviews mit der leitenden Person einer Suchtklinik wird ein spezifisches Laufprogramm entworfen.
Ergebnisse: In das Review sind 14 Studien inkludiert, die je nach Substanzabhängigkeit in fünf unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden. Die Studien beinhalten mehrheitlich moderates Ausdauertraining, wobei vier Studien zusätzlich Krafttraining enthalten. Positive Effekte auf den Substanzkonsum können ausschließlich bei Studien zur Abhängigkeit von legalen Substanzen ermitteln werden (Nikotin und Alkohol). Die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining scheint auf psychologische Variablen einen größeren Einfluss erzielen zu können. Die Verbesserung der körperlichen Gesundheit bzw. Leistung kann bei sieben Studien festgestellt werden.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse des Reviews legen nahe, dass körperliche Aktivität bei Substanzgebrauchsstörungen positive Effekte auf gesundheits- und abhängigkeitsrelevante Faktoren haben kann. Während der Effekt von körperlicher Aktivität auf psychologische Faktoren gering ausfällt, kann ein stärkerer Einfluss auf die körperliche Leistung und Gesundheit ausgemacht werden
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