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Sprachreflexive Praktiken. Empirische Perspektiven auf Metakommunikation
Mit sprachlicher Reflexivität ist die Möglichkeit von Sprache und Sprachgebrauch gemeint, sich in vielfachen Formen und mit unterschiedlichen Graden der Explizitheit auf sich selbst zu beziehen. Die Erforschung sprachlicher Reflexivität steht in vielfältigen und langen Traditionen. Von der Sprachphilosophie über die Anthropologie bis zur Linguistik ist sprachliche Reflexivität aus unterschiedlichen, gleichermaßen aber überlappenden Perspektiven in den Blick genommen worden. Vor diesem Hintergrund versucht der Sammelband, diese Partikularisierung insofern für eine mehrschichtige Perspektivierung fruchtbar zu machen, als aktuelle Ansätze und Schwerpunkte zusammengeführt und kontrastiert werden. Die Einleitung skizziert den aktuellen Forschungsstand zu sprachreflexiven Praktiken entlang zentraler Forschungstraditionen, beschreibt die Perspektiven des Bandes und gewährt einen Überblick über die einzelnen Beiträge
«Lass ihn warten»: Zeitlichkeitsdiskurse und Online-Dating-Kommunikation
Der Beitrag widmet sich den virulenten metakommunikativen Diskursen rund um die Bedeutung von Zeitlichkeit und Rhythmus in der Online-Dating-Kommunikation. Wieviel Zeit vergeht, bis eine Nachricht nicht nur gelesen, sondern auch beantwortet wird, wird gerade in Kontexten sich anbahnender romantischer Beziehungen als mitunter heftig umstrittenes Metazeichen interpretiert. Vor diesem Hintergrund liefert der Beitrag eine Analyse der chrono-normativen Ideologien (vgl. Freeman 2010), auf deren Basis Akteur:innen kommunikativen Rhythmus auf Online-Dating-Portalen und -Apps als sozial und kommunikativ bedeutsam konstruieren. Als empirisches Fundament dient hierfür ein multimediales Korpus, das Beiträge aus Lifestyle-Magazinen, Online-Foren, aber auch anderen Social-Media-Plattformen (etwa YouTube-Videos) beinhaltet. Anhand dieses vielfältigen Datensatzes zeichnet der Beitrag nach, welche divergierenden Diskurspositionen den Umgang mit Zeitlichkeit in der digitalen Kommunikation sozial valorisieren und in welcher Weise chrono-normative Ideologien mit anderen Kommunikationsideologien (wie insbesondere mit Medien- und Sprachideologien) verwoben sind. Der Beitrag argumentiert in diesem Sinne für eine medien- und soziolinguistische Beschäftigung mit der Zeichenhaftigkeit von Zeit (vgl. Bruneau 1980; Jones 2013) und weitet das Interesse an metapragmatischen Kommunikationsideologien (vgl. Spitzmüller i. Ersch.) auf metatemporale Diskurse aus. Mittels der diskursanalytischen Erschliessung von öffentlichen Reflexionen über (häufig krisenhafte) Online-Dating-Kommunikation konturiert der Beitrag die sozialen Indexikalitäten von Zeitlichkeit und Rhythmus in mediatisierten Interaktionen.
Bruneau, Thomas J. (1980): Chronemics and the verbal-nonverbal interface. In: Key, M. (Hg.), The relationship of verbal and nonverbal communication. Den Haag: Mouton. 101–117.
Freeman, Elizabeth (2010): Time binds. Queer Temporalities, Queer Histories. Durham, London: Duke University Press.
Jones, Rodney H. 2013. Rhythm and timing in chat room interaction. In: Herring, S.; Stein, D.; Virtanen, T. (Hgg.), The pragmatics of computer mediated communication. Berlin: De Gruyter. 489–514.
Spitzmüller, Jürgen (i. Ersch.): Ideologies of communication. The social link between actors, signs, and practices. In: Purkarthofer, J.; Mi Flubacher, M. (Hgg.), Speaking subjects in multilingualism research. Biographical and speaker-centred approaches. Clevedon: Multilingual Matters. 248–269
Kommunikationsideologien der Zeitlichkeit: Chronemische Praktiken in digitalen Interaktionen
Register des Graphischen. Variation, Interaktion und Reflexion in der digitalen Schriftlichkeit
Ausgehend von den kleinsten Elementen des graphischen Inventars modelliert der Sammelband die soziale und situative Ausdifferenzierung digitaler Schriftlichkeit im integrativen Dialog zwischen schrift- und soziolinguistischen Ansätzen. Erkenntnisleitend ist dabei die These, dass der situierte Umgang von Schreiber/innen mit Mitteln und Möglichkeiten des graphischen Inventars – etwa Graphemvarianten, Interpunktions- und Bildzeichen – ausschlaggebend für die Entwicklung sozial gebundener Schreibstile in privaten, öffentlichen und professionellen Kommunikationskontexten ist. Empirische Fallstudien untersuchen digitales Schreiben hinsichtlich seiner sozialen und situativen Varianz, der Bindung dieser Varianz in interaktionale Kommunikationszusammenhänge und der metakommunikativen Reflexion durch schreibende und lesende Akteur/innen. Der Sammelband legt mit dieser Bündelung aktueller linguistischer Online-Forschung einen multiperspektivischen Zugang vor, der sprachliche Strukturen und soziale Bewertungen digitaler Schriftlichkeit gleichermaßen in den Blick nimmt
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