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Datenintegration und Wissensgewinnung für lokale Learning Health Systems am Beispiel einer Zentralen Notaufnahme
Learning Health Systems (LHS) sind sozio-technische Systeme, die gesundheitsbezogene Dienstleistungen erbringen und dabei mit Hilfe von Informationstechnologie neues Wissen aus Daten erzeugen, um die Gesundheitsversorgung kontinuierlich zu verbessern. Durch die zunehmende Digitalisierung des Gesundheitswesens entstehen vielerorts Daten, die zur Gewinnung von Wissen in LHS genutzt werden können. Dies setzt allerdings eine informationstechnische Infrastruktur voraus, die die Daten integriert und geeignete Algorithmen zur Wissensgewinnung bereitstellt. Der verbreitete Ansatz, solche Infrastrukturen in großen Institutionsverbünden zu entwickeln, zeigte bislang nicht den gewünschten Erfolg. Deshalb wurde in dieser Arbeit stattdessen von einer einzelnen Organisationseinheit ausgegangen, der Zentralen Notaufnahme eines Klinikums, und eine informationstechnische Infrastruktur für ein lokales Learning Health System entwickelt.
Es wurden dabei Fragestellungen aus den Bereichen Datenintegration und -analyse behandelt. Zum Einen wurde gefragt, wie sich heterogene, semantisch zeitvariante, longitudinale Gesundheitsdaten flexibel auf Datenmodellebene integrieren lassen. Zum Anderen war Untersuchungsgegenstand, wie auf den so integrierten Gesundheitsdaten zwei datenanalytische Anwendungsfälle konkret realisiert werden können: Es wurde erstens untersucht, welche Untergruppen von Patienten mit häufigen Inanspruchnahmen (häufige Wiederkehrer, frequent users) sich ermitteln lassen und welches Wiederkehrrisiko mit bestimmten Diagnosen verbunden ist. Zweitens wurde untersucht, welche Aussagen über das Ankunftsverhalten und die Fallkomplexität von gebrechlichen, älteren Patienten getroffen werden können.
Für die Beantwortung der Fragestellungen erfolgte die Datenextraktion und -integration nach dem Data-Warehouse-Ansatz. Es wurden Daten des Krankenhausinformationssystems des Klinikums Osnabrück mit Krankenhausqualitätsdaten, Fallklassifikationsdaten sowie Wetter-, Luftqualitäts- und Verkehrsdaten integriert. Für die Datenintegration wurde das Entity-Attribute-Value/Data Vault-Modell (EAV/DV) als ein neuer Modellierungsansatz entwickelt. Die Datenanalysen wurden mit einem Data-Mining-Verfahren zur Faktorisierung von Patientenmerkmalen sowie statistischen Methoden der Zeitreihenanalyse durchgeführt.
Für Wiederkehrer ergaben sich vier distinkte Untergruppen von Patienten. Weiterhin konnte das relative Wiederkehr-Risiko für einzelne Diagnosen geschätzt werden. Zeitreihenanalytisch ergaben sich ausgeprägte Unterschiede im Ankunftsverhalten gebrechlicher, älterer Patienten im Vergleich zu allen übrigen Patienten. Eine höhere Fallkomplexität konnte bestätigt werden, war aber im Allgemeinen nicht tageszeitabhängig. Der Modellierungsansatz (EAV/DV) für longitudinale Gesundheitsdaten erleichterte die Integration heterogener sowie sich zeitlich ändernder Daten durch flexible Datenschemata innerhalb des Data Warehouses.
Die datenanalytischen Modelle lassen sich laufend mit neuen Daten aus dem Krankenhausinformationssystem aktualisieren und realisieren damit die Wissensgewinnung aus Daten nach dem LHS-Ansatz. Sie können als Entscheidungsunterstützung für eine bessere personelle Ressourcenplanung und zielgruppengerechte Ansprache von ressourcenintensiven Patienten in der Notaufnahme dienen. Die vorgelegte Implementierung einer IT-Infrastruktur zeigt auf, wie die Wissensgewinnung aus Daten exemplarisch für das lokale Learning Health System der Organisationseinheit Zentrale Notaufnahme umgesetzt werden kann. Die schnelle prototypische Umsetzung und der erfolgreiche Wissensgewinn zu inhaltlichen Fragestellungen belegt, dass der gewählte bottom-up-Ansatz tragfähig ist und sinnvoll weiter ausgebaut werden kann
Partizipation als Schlüssel zur Qualitätsentwicklung gesundheitsförderlicher Lebenswelten? Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Partizipation im betrieblichen Gesundheitsförderungskontext und der Qualität der Arbeitsbedingungen
Im Bereich Public Health besteht ein Bedarf an Theorien, welche dazu beitragen, partizipative Prozesse zu beschreiben und zu verstehen (vgl. Faltermaier/Wihofszky 2012). Den hohen programmatischen Erwartungen (z. B. vgl. WHO 1986), gesundheitspolitischen (z. B. vgl. PrävG 2015) und gesundheitswissenschaftlichen Argumenten hinsichtlich eines Qualitätsbeitrags von Partizipation (z. B. vgl. Hartung 2012; Faltermaier/Wihofszky 2012) stehen Umsetzungsdefizite in deren Ausgestaltung im Gesundheitsmanagement gegenüber (vgl. Rosenbrock 2017; Lenhardt/Rosenbrock 2017).
Das zentrale Ziel dieser Forschungsarbeit liegt in der Analyse des Partizipationsphänomens und seines möglichen Zusammenhangs zur Qualität der Arbeitsbedingungen im betrieblichen Gesundheitsförderungssetting. Neben Wirkfaktoren werden unter Nutzung empirischer Daten förderliche und hemmende Bedingungen für eine partizipative Realisierung abgeleitet sowie ein theoretischer Beitrag zum Partizipationsansatz geleistet.
Das Vorgehen ist durch ein Multi-Methoden-Design in Form vielfältiger (1) Methoden, (2) Daten und (3) Theorien gekennzeichnet. Es integriert qualitative Ansätze (zehn Experteninterviews, fünf Fokusgruppen) und quantitative Zugänge (zwei Mitarbeiterbefragungen; t0=2008 n=1.700; t1=2015 n=2.533). Als Datenquellen dienen zwei Gesundheitsförderungsprojekte des öffentlichen Dienstes, einer Kommunalverwaltung und eines Landesbetriebs.
Hinsichtlich des Zusammenhangs und der angenommenen Qualitätsentwicklung der Arbeitsbedingungen durch partizipative Ansätze zeigt sich ein komplexes Bild. In neun der zehn untersuchten Regressionsmodelle sind höhere Effektstärken seitens genereller Partizipation mit Integration in die Gesamtorganisation im Vergleich zur BGM-bezogenen Partizipation auffällig. Die Bewertung der Effektstärken und deren Ausrichtung ist abgesehen von dem (1) Partizipationskontext der unabhängigen Variable gleichfalls abhängig vom (2) zugrunde gelegten Qualitätsverständnis der Arbeitsbedingungen als abhängige Variable, (3) Interaktionstermen und (4) dritten Kontrollvariablen. Einer realistischen Wirkungsbewertung von Partizipation hat eine eindeutige Begriffsklärung von Partizipation vorauszugehen. Aufgrund dessen werden die empirischen und theoretischen Ergebnisse genutzt, um ein eigenes Partizipationsverständnis als Theorievorschlag zu formulieren.
Resümierend ist für eine gewünschte Qualitätssteigerung der Arbeitsbedingungen, basierend auf dem Gesundheitsförderungsprinzip der Partizipation, deren Einbettung in die Gesamtorganisation Voraussetzung. Eine Partizipationsreichweite, beschränkt auf Beteiligung an spezifischen Gesundheitsmaßnahmen, kann nach diesen Untersuchungen überwiegend zu keiner statistisch bedeutsamen Qualitätsoptimierung beitragen. Für eine Praxis nachhaltiger gesundheitsförderlicher Lebenswelten sind dauerhafte, umfassende Beteiligungsprozesse und förderliche, v. a. strukturelle und haltungsbezogene, Bedingungen notwendig
The design of a safety culture in an emergency department in the sense of high reliability – identification and development of professionals’ competences
Hintergrund: Für eine sicherheitsorientierte Versorgung in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) bedarf es einer Sicherheitskultur, die aufbauend auf einem transparenten Umgang mit Fehlern das Lernen fördert. Insbesondere in Hochzuverlässigkeitsorganisationen (HRO) wird das Lernen als Chance für die stetige Verbesserung der Sicherheit gesehen. Ein Einflussfaktor für eine sicherheitsorientierte Patientenversorgung ist das Individuum. Aufbauend auf den individuellen Kompetenzen können die Kompetenzen auf allen Ebenen weiterentwickelt werden, welches in einer Lernenden Organisation angestrebt wird. Die Gestaltung einer Sicherheitskultur in einer ZNA im Sinne der Hochzuverlässigkeit durch Kompetenzen von Individuen und Kompetenzentwicklungsmaßnahmen erfolgt durch die Verknüpfung von den Fachdisziplinen der Organisationstheorie und der Bildungswissenschaft.
Methodik: Für die Identifikation von Kompetenzen und Kompetenzentwicklungsmaßnahmen wurde ein Multi-Methoden-Ansatz gewählt. Zunächst wurden mögliche Risikofelder in der ZNA durch eine Analyse von 230 Critical Incident Reporting System (CRIS)-Fällen aus der CIRSmedical Datenbank identifiziert. Daraufhin wurde ein Kompetenzkatalog: Patientensicherheit in der Zentralen Notaufnahme aufbauend auf dem Kompetenzkatalog Europäisches Curriculum für Notfallmedizin sowie 34 weiteren Quellen entwickelt. Neben dem Kompetenzkatalog wurde der Basiskompetenzkatalog: Patientensicherheit hochzuverlässig gestalten für die Identifikation von Kompetenzen zugrunde gelegt. Weitere Informationen hinsichtlich der Identifikation und Entwicklung von Kompetenzen wurden durch Interviews mit zehn Experten und sieben Führungskräfte eines Kooperationskrankenhauses generiert.
Ergebnisse aus dem Multi-Methoden Ansatz: Die Sicherheitskultur wird durch die Führungskräfte, die Institutionalisierung von Risikomanagementinstrumenten und durch das Individuum gestaltet. Für Professionals in der ZNA bedarf es fachlicher, methodischer, personeller und hochzuverlässiger Kompetenzen, um interprofessionelle, interdisziplinäre und situationsadäquate Entscheidungen zu treffen. Zudem sind die situative Sensibilität und Resilienz erforderlich. Von den Interviewpartnern wurde der kontinuierliche Lernprozess als ein entscheidender Einflussfaktor für die Sicherheitskultur in einer ZNA im Sinne der Hochzuverlässigkeit bezeichnet. Die Kompetenzentwicklung kann neben Personalentwicklungsmaßnahmen auch durch Risikomanagementinstrumente erfolgen. Dennoch gibt es hinsichtlich der Kompetenzentwicklung von Professionals in ZNA auch Herausforderungen.
Schlussfolgerung: Die Sicherheitskultur in einer ZNA im Sinne der Hochzuverlässigkeit kann durch ein Kompetenzset aus fachlichen, methodischen, personellen und hochzuverlässigen Kompetenzen sowie der kontinuierlichen Kompetenzentwicklung gestaltet werden. Da bisher ein differenziertes Grundverständnis für die Hochzuverlässigkeit in der ZNA vorliegt und lernfördernde Rahmenbedingungen zu schaffen sind, sollte die ZNA im Hinblick auf den Zusammenhang mit der Hochzuverlässigkeit als high reliability seeking organization (HR-S-O) bezeichnet werden
Geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung: Betrachtung, Herausforderungen und Empfehlungen für einen geschlechtersensiblen Ansatz in der Leitlinienentwicklung - am Beispiel der deutschen Nationalen VersorgungsLeitlinien
Background: Clinical practice guidelines are a common and efficient approach to facilitate the transfer and use of scientific evidence into clinical practice. However, despite the increasing body of evidence about relevant differences between women and men for healthcare, differences are only rarely explicitly and systematically addressed in guidelines. This suggests that at some point of the guideline development process the integration of sex/gender factors into clinical practice guidelines gets impeded. The study aimed at evaluating the consideration given to sex/gender factors in guideline method reports and their current uptake in guidelines, using the example of National Disease Management Guidelines (NDMG) in Germany. Furthermore, the study was directed at identifying barriers and facilitators for the systematic consideration and integration of sex/gender differences in the guideline development process to finally formulate recommendations for the development of sex/gender sensitive guidelines. Methods: Through document analyses of NDMG program method reports and guidelines the current uptake and the representation of sex/gender differences were assessed. Furthermore, barriers and facilitators for the development of sex/gender sensitive guidelines were identified and supporting measures discussed by means of semi-structured interviews with twelve guideline developers (f = 66.7%). The interview data was analyzed using qualitative content structuring methods according to Mayring. To assure a theoretically sound analysis of the interview data, a theoretical framework model was developed based on existing literature. The pre-determined categories were open for adjustment and alterations during the whole analysis. Results: The evaluation of the current representation of sex/gender revealed that generally sex/gender factors are seldom stated in the method report of the NDMG program and accordingly also in the evaluated guidelines. An underrepresentation of women was found in most of the guideline development groups and little attention was paid to sex/gender factors during the formulation of key questions, the definition of the target population, the literature searches, and the evidence appraisal. On average only 6.5% of the recommendations in the identified guidelines referred to sex/gender differences. The statements in the interviews on barriers and facilitators were allocated to the main categories Innovation, Individual/Professional, Social, Organizational, and Political Context and summarized in ten subcategories. The identified barriers mainly addressed the increasing complexity of guidelines, the lack of availability and quality of sex/gender sensitive evidence, and the shortage of resources. Furthermore, barriers were identified in an individual/professional context, such as deficiencies in awareness/knowledge about relevant sex/gender differences. The results of facilitating factors showed that experts see the support of policies and standards from guideline organizations as facilitating factors for the consideration of sex/gender factors in guideline development. In this context, the experts emphasized the need for specific measures and tools for successful implementation. To begin to address the described challenges, supporting measures were discussed with the experts, e.g., focus groups and sex/gender sensitive search strategies. Based on the results of the present study fifteen recommendations for the development of sex/gender sensitive guidelines were formulated. Conclusion: The development of sex/gender sensitive guidelines will contribute to the transfer of sex/gender sensitive evidence into clinical practice, thereby supporting the prevention of inadequate and inappropriate treatment and the improvement of health outcomes for both women and men. The recommendations developed in the present study can be taken as a first step to enhance the identified facilitators and diminish the barriers. The objective of the formulated recommendations is not to replace existing standards or checklists, but instead to supplement and complete existing structures of guideline developing organizations. Yet, to achieve optimal healthcare for women and men further research and interventions are needed to reach consideration of sex/gender factors in all areas of healthcare, including basic and clinical research, knowledge transition, and medical education and training, to have a positive effect on healthcare practice
Auswirkungen von kommunalen Wasser- Sanitär- und Hygieneaktivitäten auf das Hygieneverhalten unterschiedlicher ethnischen Gruppen im Nordwesten der Demokratischen Volksrepublik Laos - gemessen vor und nach einer Projektintervention
Worldwide, around 780 million people lack access to improved drinking water sources and 2.5 billion lack improved sanitation (WHO, 2013c). The United Nations (UN) declared access to drinking water and sanitation a fundamental human right in July 2010 (UN, 2010).
Each year there are approximately 1.7 billion cases of diarrhoea worldwide. It kills around 2.2 million people globally each year (4.0% of all death), of which 760,000 are children under five years old, mostly in developing countries. Diarrhoeal disease is the second leading cause of death in children under five years old (WHO, 2013c).
The lack of drinking water, sanitation facilities and good hygiene practises are considered the main causes for diarrhoea (WHO, 2013d).
For this dissertation, a specific health intervention (CBHFA - Community based Health and First Aid) was evaluated which had taken place during three years in 20 target communities in Bokeo Province in Lao PDR. The activities were in the field of water supply, sanitation facilities and hygiene education against diarrhoea.
Objective:
The objective of this survey study is to show that hygiene behaviour changes in a certain target population through the implementation of CBHFA, if a) individuals have access to improved drinking water sources; b) have access to a HH latrine and c) receive hygiene information. An improvement by 50.0% for each of the hygiene indicator: water use and treatment, hand washing, sanitation, food handling, waste disposal and cleanliness was considered a behavioural change and thus an illustration of the effectiveness of CBHFA.
Methods:
Hygiene behaviour was measured before and after the CBHFA intervention through above mentioned hygiene indicators. Quantitative figures were collected at two different points in time, in a pre- and post-survey, then analysed and evaluated. Interviews and observations were done through community assessment/evaluation with 20 focus groups in all target communities. 488/487 (pre-survey/post-survey) households (HHs) were interviewed and observed. Knowledge about diarrhoea (definition/signs, prevention, danger, treatment and modes of transmission) was tested. The change in hygiene behaviour as well as the water and sanitation situation was measured through a comparison of the pre- with the post-results. The Relative Risk (RR) and Odds Ratio (OR) were calculated for different variables, such as ethnicity, gender, education, age and income and their changes before and after the implementation of the health intervention project.
Results:
Water use and sanitation
This research clearly shows that the availability of a public water system (gravity fed water system) in the target communities has increased (from 45.0% to 85.0%) as well as the availability and use of hand flush pit latrines (from 20.2% to 63.7%). 95.2% of HHs that owned a latrine used them. The water treatment through “boiling” (from 70.1% to 75.0%) in HHs has improved, but not significantly. Open defecation (OD) decreased from 78.9% to 34.7% (by 56.0%). However it is still practised by more than a third of HHs. OD is one of the highest transmission risks of diarrhoea and can only be eliminated by 100.0% sanitation within the community (WHO, 2008).
Hand washing
There has been a significant increase of interviewees washing their hands with water and soap (from 8.0% to 38.0%). This result was confirmed by observing the existence of soap in kitchens with 33.0% and in latrines with 20.3% of HHs. The ORs calculated for hand washing “with water and soap” and compared for each stratum of the variables gender, formal education and age group show no statistical difference, but there is a statistical difference regarding income and washing hands “with water and soap”. Relevant occasions for hand washing, such as “after defecation” and “before food preparing”, that could reduce the risk of the transmission of diarrhoeal diseases have not achieved a meaningful improvement.
Waste disposal
Waste disposal, such as collecting and burning has increased from 23.4% to 42.5% (by 81.6%) according to the HH responses. A matter of concern is the increased HHs (from 26.8% to 29.0%) that disposed their waste by “throwing the waste outside the village”. This waste disposal method is statistically different regarding formal education. The number of HHs with non-educated interviewees where this method was practised has increased over the intervention time in contrast to the number of HHs with educated interviewees.
Knowledge about diarrhoea
Knowledge was tested. The definition/signs of diarrhoea, its prevention, danger, treatment and modes of transmission were not known by more than 50.0% of the interviewees. It seems that hygiene indicators can improve without this awareness, if improved water and sanitation facilities are provided. However, further investigations are required. The results show that knowledge about diarrhoea is not statistically different regarding formal education and age, but regarding gender. Giving at least one right answer was higher in women than in men.
Results and income
The results of the pre-survey show that income is significantly associated with owning a latrine and using water vessels, such as pots and jars for drinking, but not associated with using soap for hand washing.
However after the implementation of the health interventions, the comparison of the ORs of the HHs with low income per capita (≤200,000 LAK, exchange rate: 1 EUR=10,000 LAK) versus the HHs with high income per capita (>200,000 LAK) shows a statistical difference regarding hand washing “with water and soap”. The OR of the high income per capita group is stronger than the OR of the low income per capita group. Owning a latrine does not show a statistical difference regarding income due to the provision of subsidized latrines by the health intervention project.
Occurrence of diarrhoeal diseases
The pre-survey results clearly show that diarrhoeal diseases ranked at the top of all recorded cases of diseases. The post-survey results show fewer villages with diarrhoeal outbreak and reduced numbers of reported cases.
Summary:
An improvement by 50.0% has been reached in hand washing with water and soap, reduction of OD, safe food (by covering), waste disposal (by collecting and burning) and cleanliness but no improvement has been reached in the hygiene indicators “water use and treatment” and in crucial “occasions for hand washing (after defecation, before food preparing)”. Therefore the CBHFA intervention is considered only partially effective in the field of hygiene behaviour change
Gesundheitsförderung an Grundschulen am Beispiel von "Die Gesunde Stunde"
Die Arbeit analysiert die Qualität gesundheitsfördernder Projekte an Schulen am Beispiel des gesundheitsfördernden Schulprojektes Die Gesunde Stunde und erstellt ein Instrument zur wissenschaftlich fundierten Qualitätsbewertung von Projekten. Die Arbeit bietet einen Überblick zur gesundheitlichen Situation von Kindern auf der Grundlage von Gesundheitsberichterstattung und Forschungsergebnissen. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Bereich Übergewicht und Adipositas gewidmet, da dieses Thema hinsichtlich Die Gesunde Stunde projektintern eine große Rolle spielte. Die Arbeit setzt sich mit Qualitätsentwicklung bei gesundheitsfördernden Projekten, mit Qualitätsrahmenmodellen, Qualitätssystemen, Prozess- und Ergebnisevaluationen sowie Evaluationsmethoden auseinander. Vorgestellt wird die Entwicklung des „Bewertungskatalog gesundheitsfördernder Projekte an Schulen“, der sich an den Public-Health-Action Cycle anlehnt. Hintergrund für die Entwicklung des Katalogs war die Erkenntnis, dass die bestehenden Qualitätssysteme zur Reflexion und Bewertung gesundheitsfördernder Projekte an Schulen unzureichend sind, bzw. nicht direkt auf diesen Bereich der Gesundheitsförderung ausgerichtet sind. In die Entwicklung des Bewertungskatalogs flossen unter anderem Erkenntnisse aus der Evaluation des Projektes Die Gesunde Stunde ein. Der Bewertungskatalog dient als Instrument der Qualitätsentwicklung einer besseren Planung und Umsetzung gesundheitsfördernder Projekte.
Im empirischen Teil dieser Arbeit wurden quantitative als auch qualitative Methoden eingesetzt, um zu untersuchen inwiefern die Art der Konzeption, des Inhalts und der Durchführung des Projektes Die Gesunde Stunde geeignet ist, die Gesundheit von Kindern langfristig zu stärken. Weiterhin sollten Erfolgs- und Hemmfaktoren für den Erfolg von gesundheitsfördernden Projekten identifiziert werden. Eingesetzt wurden Fragebögen für Kinder und Eltern, Interviews mit Lehrkräften und Projektmitarbeiter/-innen, Fragebögen für Anbieter/-innen des Projektes sowie Smileys für eine Bewertung der Projektangebote durch Kinder und Eltern.
Die Ergebnisse der summativen Evaluation legen nahe, Bewegungsangebote langfristig in den Schulalltag zu integrieren und Angebote im Bereich Ernährung sensibel auf die Zielgruppe auszurichten. Die formative Evaluation verdeutlicht die Wichtigkeit einer theoriegeleiteten Konzeptionierung, einer ausreichenden Vorbereitungs- und Planungszeit sowie einer guten Organisation, abgestimmter Kommunikation, Partizipation und Transparenz
Interprofessional learning as a basis for interprofessional collaboration in the health professions - a mixed methods investigation of the relevance of interprofessional socialization during studies for the profession
Die Forderungen nach interprofessionellen Lern- und Arbeitsprozessen in den Gesundheitsberufen haben in den letzten Jahren in Deutschland erheblich zugenommen. Das entsprechende Forschungsfeld in Deutschland befindet sich jedoch noch im Aufbau. Die Arbeit folgt der Annahme, dass die interprofessionelle Ausbildung die berufliche Sozialisation prägt und auf eine Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen vorbereitet. Dafür wurde eine Mixed-Methods-Studie mit zwei inhaltlichen Forschungsschwerpunkten konzipiert, die einerseits die Ausbildung und andererseits die Berufspraxis bzw. die Berufseinstiegsphase in den Blick nimmt. Im Forschungsstrang Ausbildung/Studium wurden Studiengangsverantwortliche von primärqualifizierenden Pflege- und Therapiestudiengängen zu deren interprofessionellen Lehr-Lern-Konzepten interviewt und daraus theoriebasiert sowie empiriegestützt eine Typologie für interprofessionelle Lehr-Lern-Konzepte entwickelt. Des Weiteren fand eine Online-Befragung von Studierenden aus diesen Studiengängen mit dem standardisierten Erhebungsinstrument ISVS-21-D statt. Im Forschungsstrang Berufspraxis/Berufseinstieg fand eine zweiteilige Online-Befragung mit Berufseinsteiger:innen statt. Hierbei kam ebenfalls die ISVS-21-D zum Einsatz sowie Fragen zu den Erfahrungen mit dem interprofessionellen Lehren und Lernen im Studium sowie den Erfahrungen mit der (interprofessionellen) Zusammenarbeit am aktuellen Arbeitsplatz. Die zentralen Ergebnisse sind, dass anhand von verschiedenen Dimensionen und Merkmalen eine IPE-Typologie für Lehr-Lern-Konzepte entwickelt und vier empirisch begründete Typen für interprofessionelle Lehr-Lern-Konzepte identifiziert wurden. Zwischen den vier Typen zeigt sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der Selbst-einschätzungen in der ISVS-21-D. Demnach ist kein Zusammenhang zwischen den verschiedenen IPE-Lehr-Lern-Konzepten im Studium und den Selbsteinschätzungen der ISVS-21-D der Studierenden feststellbar. Allerdings zeigt sich im zeitlichen Verlauf vom Studium bis in den Berufseinstieg eine leichte Verbesserung in den Selbsteinschätzungen der ISVS-21-D. Dabei ist die Zunahme während des Studiums am stärksten. Die Berufseinsteiger:innen empfinden außerdem praxisbezogene und realitätsnahe Lernmethoden besonders geeignet für das interprofessionelles Lernen. Sowohl aus der Befragung der Berufseinsteiger:innen als auch aus den Interviews mit den Studiengangsverantwortlichen ist abzuleiten, dass die Praxisphasen noch stärker für interprofessionelle Lernprozesse genutzt werden können. Die Ergebnisse belegen, dass im Studium eine interprofessionelle Sozialisation stattfindet. Sie zeigen überdies, dass sich die Berufseinsteiger:innen durch ihr Studium gut auf interprofessionelle Zusammenarbeit vorbereitet fühlen, was eine begünstigende Voraussetzung für die interprofessionelle Zusammenarbeit in der Phase des Berufseinstiegs ist. Abschließend werden Hinweise für weitere Forschungsansätze gegeben, sodass damit auch ein Beitrag zum Aufbau des Forschungsfeldes Interprofessionalität in den Gesundheitsberufen in Deutschland geleistet wird
Morbidity development and the resulting volume of services in outpatient health care of statutory health insurance in view of demographic change
Die mit dem demografischen Wandel in Deutschland einhergehende Alterung der Bevölkerung ist mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf die Systeme der sozialen Sicherung – darunter das Gesundheitssystem – verbunden. Ob die Entwicklung hin zu einer Gesellschaft des langen Lebens als Chance oder doch als eine Herausforderung begriffen werden sollte, hängt unter anderem davon ab, inwieweit die gewonnenen Lebensjahre in Gesundheit oder in Krankheit verbracht werden. Ziel dieser Arbeit ist es daher das Zusammenspiels von demografischem Wandel und der sich daraus vollziehenden Verschiebung der Altersstruktur zugunsten der Älteren sowie den damit verbundenen möglichen Auswirkungen auf die Morbiditätsstruktur der gesetzlich Krankenversicherten – fokussiert auf das damit zusammenhängende Volumen an vertragsärztlichen Leistungen im ambulanten Versorgungssektor zu untersuchen.
Die erste Publikation wendet eine Szenariotechnologie zur Projektion des ambulanten Leistungsvolumens im vertragsärztlichen Versorgungsbereich an, indem die Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung, der Entwicklung von Anzahl und Struktur der gesetzlich Krankenversicherten und der sich verändernden morbiditätsbedingten Inanspruchnahme auf die Höhe des ambulanten Leistungsvolumens für das Jahr 2020 in Form verschiedener Szenarien projiziert werden. Die unterschiedlichen Szenarien skizzieren bestehende Theorien (Medikalisierungs-, Kompressions-, oder Bi-Modalitätsthese) zum Zusammenhang von Alterung der Bevölkerung und Entwicklung der Gesundheit und der Gesundheitsausgaben. Bei den Modellrechnungen zeigt sich, dass die größte Zunahme des ambulanten Leistungsvolumens zu erwarten ist, sollten sich gesetzlich Krankenversicherte entsprechend ihrer durchschnittlichen ambulanten Morbiditätsstrukturveränderung der Jahre 2008 bis 2011 entwickeln. Der dabei verwendete Morbiditätsbegriff bezieht sich auf kodierte ambulante Behandlungsdiagnosen, die in zunehmender Kritik stehen. Daher werden mit der zweiten Publikation Prävalenzmessungen auf der Basis der kodierten Behandlungsdiagnosen mit epidemiologischen Survey-Daten exemplarisch für die Erkrankungen Hypertonie und Depression extern validiert. Dabei zeigt sich für Prävalenzen der Hypertonie eine sehr gute Übereinstimmung. Hingegen konnte, bis auf die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen, keine Übereinstimmung bei einer Validierung der Prävalenz von Depression beobachtet werden. Die dritte Publikation konzentriert sich auf den Teil der Bevölkerung, der aufgrund des wachsenden Anteils eine zentrale Rolle bei der aktuellen und zukünftigen Finanzierung bzw. Vergütung des Gesundheitssystems spielt, indem durch eine retrospektive, kohortenspezifische Betrachtung der Jahre 2007 und 2014 anhand der ambulanten Abrechnungsdaten empirisch überprüft wird, wie sich die Morbidität und das damit verbundene ambulante Leistungsvolumen der Generation 65plus in den jeweiligen Jahren verändert haben. Für den größten Teil der untersuchten Population ist mit einer zunehmenden Lebenserwartung auch eine zunehmende Anfälligkeit für chronische Erkrankungen und Multimorbidität sowie ein daraus resultierendes zunehmendes ambulantes Leistungsvolumen verbunden, was insgesamt für die Morbiditätsexpansion im ambulanten Versorgungsbereich spricht. Gleichzeitig beobachtete rückläufige Inzidenzen sind hingegen ein positives Indiz dafür, auch bei der Generation 65plus gesundheitsfördernde Maßnahmen zu verstärken.
Zusammenfassende Erkenntnisse aus den drei Publikationen lassen die Schlussfolgerungen zu, dass nebeneinander existierende Szenarien der Morbiditätskompression und –expansion in der vertragsärztlichen Versorgung als positiver Ansatz, den demografischen Wandel auch als Chance wahrzunehmen, begriffen werden sollte. Denn die Ergebnisse deuten auf Potenziale für Präventionsanstrengungen auch im höheren Alter hin. Weiterführende Analysen mit ergänzenden Informationen zu Risikofaktoren, Migrationshintergrund, sozialer Lage oder auch der subjektiven Gesundheitseinschätzung sind erforderlich, um Unterschiede zwischen den Personengruppen besser erklären zu können. Eine gezielte Förderung der Prävention im Alter kann zur finanziellen Entlastung des Gesundheitssystems beitragen, die gleichzeitig in eine hochwertige Versorgung von Chronikern und Multimorbiden investiert werden kann. Eine sich aus Primär- und Sekundärdaten ergänzende Datengrundlage, die Nachteile des einen Datensatzes durch Vorteile des anderen Datensatzes kompensiert, kann wesentlich dazu beitragen, präventions- und versorgungsrelevante Maßnahmen zu entwickeln
Interprofessional education (IPE) at institutions of higher education: A qualitative study on teacher beliefs in health-related degree courses
Um den gegenwärtigen gesamtgesellschaftlichen Anforderungen und Herausforderungen im Gesundheitswesen Rechnung zu tragen, wird die interprofessionelle Zusammenarbeit (IPCP) gefordert. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit interprofessionelle Kompetenzen im Rahmen von interprofessioneller Ausbildung (IPE) bei Fachkräften im Gesundheitswesen anzubahnen. Die Entwicklung von Kompetenzen in Bildungssettings ist in hohem Maße von der aktiven Rolle der Lehrpersonen geprägt. Die Überzeugungen dieser Lehrenden (engl. teacher beliefs) hinsichtlich des Lehrens und Lernens stellen eine maßgebliche Einflussgröße auf das pädagogische Handeln dar. Sie beeinflussen didaktische Entscheidungen und haben somit direkte Auswirkungen auf den Lernerfolg der Lernenden. Zu den Überzeugungen von Hochschullehrenden in Bezug auf IPE existieren in Deutschland bislang nur wenige empirische Untersuchungen. Vor diesem Hintergrund zielt die vorliegende Dissertation darauf ab, Einblicke in die Überzeugungen von Hochschullehrenden bzgl. der IPE zu gewinnen. Im Rahmen dieses Erkenntnisinteresses ergibt sich die zentrale Forschungsfrage: Welche Überzeugungen zur interprofessionellen Ausbildung (IPE) lassen sich bei Hochschullehrenden in gesundheitsbezogenen Studiengängen identifizieren? Dem wissenschaftlichen Bezugsrahmen ist zu entnehmen, dass die didaktisch-pädagogischen Entscheidungsgrundlagen bei der Gestaltung von IPE durch Hochschullehrende bislang unzureichend beleuchtet worden sind. Zudem ist wenig darüber bekannt, wie Hochschullehrende IPE im Allgemeinen verstehen und welche Kompetenzanforderungen sie im Zuge der IPE bei sich wahrnehmen. Um diesen Forschungslücken zu begegnen, wurden drei spezifische Schwerpunkte für die zentrale Forschungsfrage festgelegt, auf deren Grundlage die identifizierten Überzeugungen betrachtet wurden: 1) Was verstehen Hochschullehrende unter interprofessioneller Ausbildung (IPE) in gesundheitsbezogenen Studiengängen? 2) Wie erleben Hochschullehrende die interprofessionelle Ausbildung (IPE) in gesundheitsbezogenen Studiengängen? 3) Wie ist aus Sicht der Hochschullehrenden interprofessionelle Ausbildung (IPE) zu gestalten?
Zur Beantwortung dieser Fragestellungen wurden 16 qualitative, halbstrukturierte Interviews mit Hochschullehrenden durchgeführt, die zum Zeitpunkt der Erhebung interprofessionelle Bildungsangebote in gesundheitsbezogenen Studiengängen in Deutschland durchgeführt haben. Die erhobenen Daten wurden systematisch mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2022) ausgewertet.
Die Ergebnisse bezüglich der Lehrerüberzeugungen zum Verständnis von IPE zeigen, dass unterschiedliche Auffassungen darüber existieren, wie IPE definiert werden sollte und welche Bildungsformate als interprofessionell gelten. Ungeachtet dieser Unterschiede lassen sich
übergreifende Merkmale von IPE, wie das Lernen voneinander, miteinander und übereinander sowie der interprofessionelle Austausch, identifizieren. Zudem herrscht unter den Hochschullehrenden Einigkeit über die Zielsetzung von IPE: die Lernenden zu IPCP befähigen, um dadurch die Patient:innenversorgung zu verbessern. Die Ergebnisse hinsichtlich der Lehrerüberzeugungen zum Erleben von IPE verdeutlichen sowohl Herausforderungen als auch Chancen im Rahmen von IPE. Dabei zeigt sich insgesamt die Überzeugung, dass IPE notwendig ist und in die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Gesundheitsberufe integriert werden sollte. In Bezug auf die Gestaltung von IPE konnten in den Untersuchungsergebnissen vielfältige Überzeugungen identifiziert werden, die von der curricularen Struktur bis hin zur konkreten Ausgestaltung einzelner interprofessioneller Bildungsangebote reichen. Zudem fanden sich Lehrerüberzeugungen zu didaktischen Besonderheiten interprofessioneller Lehr-/Lernangebote und die damit verbundenen (Rollen-)Anforderungen für IPE-Lehrende.
Die Ergebnisse stützen bestehende internationale Befunde der interprofessionellen Ausbildungsforschung und erweitern diese um nationale Erkenntnisse zu den Überzeugungen von Hochschullehrenden hinsichtlich des Verständnisses, Erlebens und der Gestaltung von IPE.
Darüber hinaus verdeutlichen die Ergebnisse die Relevanz von Faculty Development (FD), um Lehrende in der IPE bei ihrer Kompetenzentwicklung zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, in der interprofessionellen Ausbildungsforschung Überzeugungen weiter zu berücksichtigen, um die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit mit einer größeren Stichprobe und in unterschiedlichen Kontexten zu vertiefen
Professional Information Management in Health Care Institutions - Measurement of Constructs and Competencies as a Basis for Professional Information Management Processes in Hospitals
Der Einsatz von Informationstechnologie (IT) verändert wie keine andere Maßnahme medizinische, pflegerische sowie administrative Prozesse im Gesundheitswesen. Um den Einsatz von IT im Sinne einer für die Patientenversorgung optimalen Informationslogistik gewährleisten zu können, bedarf es einer Steuerung durch ein dafür geeignetes Informationsmanagement. Insbesondere in Krankenhäuser, welche mit den Maximalanforderungen der Digitalisierung konfrontiert sind, kommt dieses zum Tragen. Obwohl Informationsmanagement als Schlüssel für den Erfolg gilt, gibt es wenige empirische Kenntnisse darüber, wie professionelles Informationsmanagement ausgestaltet sein sollte. Gegenstand dieser Dissertation ist demzufolge die wissenschaftliche Betrachtung dessen, was professionelles Informationsmanagement in Einrichtungen des Gesundheitswesens definiert, wie es gemessen und gefördert werden kann.
Zur Untersuchung des Informationsmanagements wurde ein multimethodischer Ansatz genutzt, welcher die unterschiedlichen Perspektiven des Informationsmanagements, im Spezifischen die Prozesse, die Handlungsträger*innen sowie deren notwendigen Kompetenzen untersucht. Zunächst wurde daher das Konstrukt Professionalität des Informationsmanagements über ein iteratives Verfahren definiert und ein umfassendes quantitatives Messinstrument auf Basis zweier quantitativer Befragungen (1. Befragung [n = 164], 2. Befragung [n = 233]) von IT-Leitungen in Krankenhäusern entwickelt. Zur Ermittlung der Dimensionen des professionellen Informationsmanagements wurden eine explorative und eine konfirmatorische Faktorenanalyse eingesetzt. Innerhalb des Informationsmanagements wurde der Prozess der IT-Entscheidungsfindung als zentrale Voraussetzung der IT-Einführung und Nutzung näher betrachtet und die daran beteiligten Handlungsträger*innen und ihre Interaktion analysiert. Qualitative Experteninterviews zu IT-Entscheidungsprozessen mit Krankenhausgeschäftsleitungen [n = 14] lieferten die Grundlage zur Charakterisierung der Prozesse sowie zur Klassifizierung der beteiligten Handlungsträger*innen auf Ebene der Geschäftsführungen als handlungsleitende Instanzen. In einer internationalen Befragung [n = 718] unterschiedlicher relevanter Handlungsträger*innen des Informationsmanagements wurden die Gebiete ermittelt, in denen die kaufmännischen Geschäftsführungen und IT-Leitungen spezifische Kompetenzen, die für das Informationsmanagement bedeutsam sind, aufweisen sollten.
Im Ergebnis konnte das Konstrukt Professionalität des Informationsmanagements über die Dimensionen des strategischen, taktischen und operativen Informationsmanagements und über die zyklischen Prozesse des Planens, Implementierens und Evaluierens definiert sowie in einem Messinstrument umgesetzt werden. Das Instrument erwies sich als reliabel und valide. Als Erkenntnis der beiden Messungen zeigte sich, dass die strategischen und taktischen Prozesse des Informationsmanagements sowie die zyklische Vorgehensweise schwach ausgeprägt sind. Auf Ebene der IT Entscheidung konnten mit der gemeinsamen, assistierten und Konzern-Entscheidung verschiedene Arten von IT-Entscheidungsprozessen sowie mit dem IT-versierten, -enthusiastischen und -indifferenten unterschiedliche Typen von IT Entscheider*innen identifiziert werden. In den ebenso ermittelten Implikationen und Herausforderungen zeigte sich, dass eine interprofessionelle Entscheidungsfindung insgesamt förderlich für ein professionelles Informationsmanagement ist. Bezogen auf die Kompetenzgebiete wurden die interpersonellen Bereiche Führung und Kommunikation als prioritär bewertet.
Einen Erklärungsanasatz der mangelhaft ausgeprägten strategischen und zyklischen Prozesse des Informationsmanagements liefern die Ergebnisse der Untersuchung zur IT-Entscheidungsfindung sowie der Kompetenzgebiete. Bezogen auf die IT-Entscheidung als Beispiel eines strategischen Prozesses zeigte sich, dass die fehlende Beteiligung und Interaktion verschiedener Handlungsträger*innen sowie IT-indifferente Geschäftsführungen hinderlich für eine zielgerichtete Entwicklung der IT-Landschaft sein können. Dieses konnte insbesondere im Zusammenspiel zwischen IT-Leitungen und Geschäftsführungen über die Aspekte der Kommunikation und Vertrauen herausgearbeitet werden. Auf Ebene der Kompetenzgebiete wird mit den prioritär bewerteten interpersonellen und organisatorischen Fähigkeiten nochmals der interprofessionelle Charakter des Informationsmanagements aufgezeigt sowie die Bedeutung, die gesamte Organisation verstehen zu können.
Insgesamt zeigt die Dissertation, welche Prozesse für ein erfolgreiches Informationsmanagement ausgestaltet werden müssen und welche Potenziale bestehen. In der IT-Entscheidung sowie der Ermittlung notwendiger Kompetenzgebiete wird deutlich, dass das strategische Informationsmanagement kein Geschehen einer einzelnen Person ist und zur Professionalisierung alle leitenden Handlungsträger*innen aus den Bereichen Administration, IT und Versorgung kommunizieren und kooperieren können müssen. Obwohl die Dimensionen des Informationsmanagements in der bisherigen Literatur postuliert wurden, ist dieses die erste Arbeit, welche diese Annahmen empirisch überprüft. Damit wird erstmalig das Konstrukt definiert und ein reliables und valides Messinstrument der Praxis zur Verfügung gestellt, damit diese ihre Stärken und Schwächen ermitteln kann. Die Erkenntnisse zu den benötigten Kompetenzgebieten der Handlungsträger*innen zeigen auf, wie insbesondere das strategische Informationsmanagement und die mit ihm einhergehende Interprofessionalität weiterentwickelt werden kann
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